Tatort Brunnenmarkt.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Wien-Ottakring
10/25/2016

Bluttat am Brunnenmarkt: SoKo übt heftige Kritik

Vorhandene Informationen seien nicht zusammengeführt worden. "SoKo Brunnenmarkt" will bis Ende des Jahres Vorschläge vorlegen.

Wien-Ottakring, Anfang Mai 2016. Ein 21-Jähriger attackiert eine Frau mit einer Eisenstange und verletzt sie tödlich. Das Opfer, eine 54-Jährige, ist mit einer Arbeitskollegin auf dem Weg zur Arbeit, als der 21-Jährige aus Kenia stammende Mann plötzlich zwischen zwei Marktständen auf sie losstürmt und auf sein Opfer einschlägt.

Obdachloser Kenianer war bekannt

Der 21-Jährige war - wie sich nach der Bluttat herausstellte - am Brunnenmarkt seit längerem als Unruhestifter bekannt bzw. gefürchtet. Er lebte dort als Obdachloser und soll mit gewalttätigem Verhalten und als Cannabis-Straßenverkäufer eine Art "Stammkunde" der Polizeiinspektion Brunnengasse gewesen sein.

Zwischenbericht der SoKo

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) richtete daraufhin eine Sonderkommission ein. In der Soko sind zahlreiche Fachkräfte, darunter auch Sektionschefs von Justiz- und Innenministerium, vertreten.

Nun liegt der erste Zwischenbericht vor. Tenor: Es hätte eine Chance gegeben, den gewaltsamen Tod der Frau am Brunnenmarkt zu verhindern.

Trotz zahlreicher vorangegangener Vorfälle sei die Unterbringung des verdächtigen Obdachlosen nicht erfolgt. Nicht nur am Brunnenmarkt ist der Mann immer wieder aufgefallen, sondern auch in Döbling am Hungerberg, berichet Wien heute. Der 21-Jährige sei mit heruntergelassener Hose und einer Axt in der Hand in der Hungerbergstraße gestanden. Die Beamten machten eine Meldung, wie bei anderen auffälligen Verhaltensweisen auch.

Helfried Haas, Leiter der Sonderkommission, wird auf orf.at zitiert: "Wir haben auch diese Informationen, aber genau da ist das Problem, diese Informationen sind bei der Polizei nicht zusammengeführt, so dass sich kein einheitliches Bild ergeben hat, aus dem sich vielleicht eine psychische Erkrankung und die Notwendigkeit einer Intervention mit Hilfe der Psychiatrie ergeben hat."

Vielmehr "hat jeder ein bisschen was gewusst, aber keiner hat es zusammengeführt", konstatierte er. Die beteiligten Institutionen kommunizierten demnach nicht genug innerhalb und miteinander. Die Vorfälle seien teilweise von den Institutionen auch nicht "ausreichend beurteilt" worden. Sonst wäre wohl eine frühere und womöglich rechtzeitige Betreuung des 21-Jährigen - soziologisch und psychiatrisch etwa - möglich gewesen.

Haas glaubt nicht, dass es sich hier um eine Verkettung unglücklicher Umstände handelt. "Das ist schon ein systemisches Problem. Das eine ist, dass jeder auf seinen Informationen sitzen bleibt und sie nicht weitergibt, aus Datenschutzgründen oder wegen des Amtsgeheimnisses", analysierte Haas. Das zweite sei, dass niemand sich darum gekümmert hat, weitere Maßnahmen in die Wege zu leiten. Ausnahme sei der Kommandant der Polizeiinspektion Brunnenmarkt gewesen, der ein sogenanntes Case Management versucht habe, aber dazu gebe es leider keine ausreichenden Ressourcen.

Bis Jahresende

Es gebe also keine Dokumentation, die eine Unterbringung in die Psychiatrie vorantreiben hätte können. Ganz allgemein müssten Behörden umdenken, heißt es weiter. Die "SoKo Brunnenmarkt" unter der Leitung von Haas arbeitet nun an Verbesserungsvorschlägen, die bis Jahresende dem Justizminister übermittelt werden sollen.

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