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Chronik Wien
07/18/2019

Beweisvideo als Nachschlag in der Leberkäs-Posse

Beweisvideo soll nun Glaubwürdigkeit der „Vier Pfoten“ belegen. Angedrohte Klage lässt die Tierschützer kalt.

von Bernhard Ichner

Die Fiaker-Leberkäse-Causa ist noch nicht gegessen. Jetzt meldet sich in der Debatte um die umstrittene Aussage eines Wiener Kutschers erneut die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zu Wort: Durch die Veröffentlichung eines geheim aufgenommenen Videos will man beweisen, dass das Leberkäse-Zitat des Fiakerfahrers, das zuletzt für Aufregung sorgte, keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen wurde – wie der Mann und sein Arbeitgeber behaupten. Letzterer kündigte ja rechtliche Schritte gegen die Tierschützer an.

Zur Erinnerung: Es geht um ein Video, das Touristen im Zuge einer Fiakerfahrt aufgenommen und den Vier Pfoten zugespielt haben sollen. Darin sagt der Kutscher in gebrochenem Deutsch, dass sich ein Pferd sein Futter verdienen müsse – „oder machen wir Leberkäse aus ihm“.

Für die Tierschützer ein gefundenes Fressen – wollen sie die Fiaker per Petition doch aus der Innenstadt verbannen. Dass das Szenario eigentlich Unsinn ist, weil das Gesetz ohnehin verbietet, Arbeitstiere für die Fleischproduktion zu töten, ist da sekundär. Und auch, dass der Kutscher im Nachhinein beteuerte, niemals zuzulassen, dass aus den Pferden Maxi und Burli (die im Video zu sehen sind) Leberkäse gemacht werde. Die Tierschützer zitierten in einem YouTube-Clip aus besagtem Video, um ihre Forderung zu untermauern.

Kritik an Tierschutzorganisation

Den Fiakerfahrer nannte man dabei namentlich zwar ebenso wenig wie das Unternehmen, für das er tätig ist. Doch der Arbeitgeber des Mannes ging in die Offensive, gab Interviews und kritisierte, die Passage sei aus dem Kontext gerissen. Was wiederum den „Vier Pfoten“ teils heftige Kritik einbrachte.

Der Leberkäse-Sager wäre „ein Gedankenspiel“ gewesen, so der Kutscher – eine Antwort auf die Frage: „Was passiert, wenn die Politiker die Pferde in der Stadt verbieten?“

Harte Bandagen

Diese Frage stellten ihm die Fahrgäste in der betreffenden Videosequenz allerdings gar nicht. Der Fahrer wurde bloß gefragt, ob es auch Wiener gebe, die die Fiaker nicht mögen. Daraufhin setzte er zum Monolog an – in dessen Verlauf das Leberkäse-Zitat fiel. Das belegt der Ausschnitt, den die „Vier Pfoten“ nun auf Facebook veröffentlichen wollen, um ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen – nicht zuletzt gegenüber ihren Spendern.

Dass es sich um eine hypothetische Debatte handelt, ändert nichts daran, dass bei Leberkäse-Gate mittlerweile mit harten Bandagen gekämpft wird. Zumindest stellte besagter Fiaker-Unternehmer rechtliche Konsequenzen in Aussicht. Einer Klage sehe man aber gelassen entgegen, betont „Vier Pfoten“-Kampagnenleiterin Martina Pluda. Es sei „nicht um einen individuellen Angriff, sondern um prinzipielle Kritik an der Branche“ gegangen.