© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
03/05/2021

Betrunkener Ex-Polizist in Verkehrskontrolle: "Könn' ma da nix machen?"

Prozess in Wien: 2.700 Euro Geldstrafe für ein unmoralisches Angebot.

von Michaela Reibenwein

Der ehemalige Polizist wirkt am Freitag vor der Richterin zerknirscht. "Es war ein kompletter Blödsinn, sagt er. "Es ist ihm äußerst unangenehm", ergänzt sein Verteidiger. Der junge Mann ist wegen der  versuchten Bestimmung zum Amtsmissbrauch angeklagt. Er war alkoholisiert in eine Verkehrskontrolle geraten und hatte eine blöde Idee. "Könn' ma da nix machen?", fragte er die Polizisten und ließ seinen alten Dienstausweis vorblitzen.

Es war ein launiger Sommerabend mit einem Freund. Erst sah man sich Tennis in der Wiener Stadthalle an - und konsumierte etliche Becher Bier. Dann wollten die Freunde weiterziehen zum Schwedenplatz. Taxi war keines in Sicht. Also setzten sich die jungen Männer auf die Vespa - und gerieten am Ring in die Kontrolle. "Wissen Sie, warum wir sie aufgehalten haben?, fragten die Polizisten. Wusste er nicht. Er war mit seiner Vespa quer über die Straßenbahngleise gefahren und war so den Beamten aufgefallen. Wenig später konnten sie auch deutlich eine Alkoholfahne wahrnehmen.

"Euer Ernst?"

Ein Alkotest stand an. "Ich bin ein Kollege", erklärte der Mann, hantierte an seinen Papieren und zeigte seinen alten Polizeiausweis. Und: "Ist das euer Ernst, mir den Deckel wegzunehmen?"

Ein Inspektor von damals erinnert sich an den Zwischenfall. "Das war eine richtig schwierige Situation für einen Polizisten." Der Angeklagte sieht das ein. "Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie in diese Lage gebracht habe."

Die Richterin und die Schöffen kommen zu der Erkenntnis, dass in diesem Fall eine Diversion reicht - der Strafrahmen würde theoretisch bis zu fünf Jahre reichen. Doch so bekommt der Ex-Polizist, der jetzt Recruiter ist, eine Geldbuße über 2.700 Euro. Er nimmt die Strafe an. Auch die Staatsanwältin hat nichts dagegen einzuwenden.

 

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