Eröffnung Pferdemesse "Equitana"

© APA/dpa/Roland Weihrauch / Roland Weihrauch

Chronik Wien
08/24/2020

Betrugsprozess: Mann träumte von eigener Pferdezucht

Der Beschuldigte war weitgehend geständig. Die Verhandlung wurde vertagt.

von Konstantin Auer

Er wollte jemand sein, der er in Wirklichkeit nicht ist: Ein Pferdebesitzer mit einer eigenen Trakehner-Zucht. Er wollte teure Reisen nach Asien machen und einen Range Rover fahren. Doch am Montag musste sich der 39-Jährige wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten. Von seinen Träumen bleibt wohl nichts, außer Schulden von rund 1,5 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Verträge über den Kauf von Zuchtstuten und Zuchthengsten für sein - wie sich herausstellte, imaginäres - Pferdegestüt abgeschlossen zu haben.

Ein solches Gestüt wollte er zwar kaufen, das wurde ihm wegen seiner Vorstrafen, seiner Schulden und weil er kein Einkommen hatte aber untersagt. Der Angeklagte stand nicht zum ersten Mal wegen Betruges vor Gericht.

Zuletzt wurde er im Oktober 2014 vom Landesgericht Salzburg zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt, von der er im Jänner 2018 für eine Probezeit von drei Jahren bedingt entlassen wurde.

Während der jüngsten Haftstrafe glitt der gelernte Gärtner nach eigenen Angaben immer stärker in eine "Parallelwelt" ab, in der er ein Pferdegestüt betrieb. "Ich habe mich in Lüftschlösser geflüchtet, mir ist der Sinn für die Realität völlig verloren gegangen", sagte er. Das ständige Scheitern habe er nicht mehr ertragen, deshalb habe er sich in die Welt der Trakehner geflüchtet.

Er gab sich als Pferdezüchter und Gutsbesitzer aus und kaufte laut Anklage in Österreich und Deutschland unter anderem die Zuchtstute "Konzertina" im Wert von 80.000 Euro, die Zuchtstute "Highness" im Wert von 10.000 Euro, den Hengst "Ballzauber" im Wert von 188.971 Euro sowie weitere Stuten um 165.000 Euro.

Dafür schaltete er sogar Inserate in Fachzeitschriften - die er nicht bezahlt haben soll. Schon in der Haft soll er sich ein Fachwissen über die Pferde angeeignet haben. "Ich wollte mit den Verkäufern einfach über Pferde reden und konnte einfach nicht 'Nein' sagen", erklärte der Angeklagte vor Gericht. Er habe nicht zugeben wollen, dass er sich die Pferde nicht leisten kann.

Gefälschte Zahlungsbelege

Zu einer Übergabe der Pferde kam es deshalb auch nicht: Die Verkäufer sollen vom Angeklagten lediglich gefälschte Zahlungsbelege oder minimale Anzahlungen, aber niemals die gesamte Summe erhalten haben.

Bei anderen Delikten, wie nicht bezahlten Reisen, Hotelnächtigungen, medizinischen Behandlungen, Internet-Bestellungen und Inseraten in Pferdefachzeitschriften, soll der Angeklagte aber erfolgreich gewesen sein.

Der Angeklagte zeigte sich grundsätzlich geständig, lediglich der Schadenshöhe bei einigen Delikten widersprach er. Er sei "kein richtiger Betrüger", verteidigte ihn seine Anwältin Astrid Wagner. "Echte Betrüger" seien berechnend, manipulativ und dadurch erfolgreich.

Ihr Mandant sei aber eher ungeschickt und nicht erfolgreich gewesen. Nur weil er nicht rational gedacht habe, habe er nicht verstanden, dass das Ganze schief gehen muss, sagte Wagner.

Prozess vertagt

Er sei sich zwar bewusst gewesen, dass er das Geld für seine Einkäufe nicht besaß "aber ich Trottel dachte mir, ich bekomme das wieder in den Griff", meinte der Angeklagte. Zudem habe er in dieser Zeit sehr viel Alkohol getrunken und unter psychischen Problemen gelitten.

Der Prozess wurde am Montag auf unbestimmte Zeit vertagt. Bis zur neuerlichen Aufnahme soll ein Gutachten zum Alkoholkonsum sowie ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden. Zudem müssen zu einigen offenen Delikten noch weitere Zeugen befragt werden.

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