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Chronik | Wien
06/17/2019

Berufsverbot gegen umstrittenen Mediziner aufgehoben

Thomas Unden wurde als Arzt, der keine Asylwerber behandeln will, bekannt. Nun tat sich eine Lücke im Ärztegesetz auf.

Eigentlich ist der Mediziner Thomas Unden bereits in Pension.  Er hat Zeit.  Auch für „diese Kasperliade“, wie er es einst bezeichnete. Unden geriet in die Öffentlichkeit, als er im Jänner 2016 erklärte, „keine Asylanten“ in seiner Praxis in Wien-Strebersdorf behandeln zu wollen. Was folgte, war ein Verlust des Kassenvertrags, eine Anklage wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz  und ein Berufsverbot durch die Ärztekammer.


Gegen Letzteres kämpft Unden mit seinem Anwalt Adrian Hollaender noch immer an – Montagfrüh errang er im Landesverwaltungsgericht Wien einen Erfolg. Der Bescheid der Ärztekammer Wien, in dem ihm die Berufszulassung entzogen worden war, wurde aufgehoben. „Die Sperre wurde zu Unrecht ausgesprochen“, sagt Anwalt Hollaender.

Vertrauenswürdigkeit fehlt

Die Ärztekammer sah damals die erforderliche Vertrauenswürdigkeit des Mediziners nicht mehr als gegeben an. Auch wegen diverser Facebook-Postings. So schrieb er etwa den SS-Wahlspruch „Meine Ehre heißt Treue“ und argumentierte das so: „Das ist ein hoch humanistisches Ideal.“


In der Ärztekammer hält man sich mit Äußerungen zu dem Fall noch zurück. „Wir haben noch keine schriftliche Urteilsausfertigung“, erklärt Johannes Zahrl, Kammeramtsdirektor der Österreichischen Ärztekammer. Allerdings: Inhaltlich sei kein Fehler passiert – Thomas Unden sei als Arzt noch immer nicht vertrauenswürdig.


Doch der Verfassungsgerichtshof hat einen Formulierungsfehler im Ärztegesetz festgestellt. Die falsche Behörde hätte deshalb über das Berufsverbot entschieden. Der Ball liegt nun bei der  Bezirksverwaltungsbehörde.