Chronik | Wien
16.11.2017

Bauprojekt Philipshaus: Rauer Wind am Wienerberg

Zwei Baufirmen klagen überfällige Millionen-Zahlungen beim Handelsgericht ein, Projektbetreiber wirft Baufirmen angebliche technische Mängel vor.

Der luxuriöse Umbau des Philipshauses ("Phil"s Place") an der Wiener Triester Straße hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Wie das Handelsgericht Wien dem KURIER bestätigte, haben die zwei Bauunternehmen Wilhelm Sedlak GmbH und AY-KA Bau GmbH bereits am Montag eine Klage gegen den Philipshaus-Bauherrn RBB Renovatio eingebracht. Sie klagen die Zahlung überfälliger Teil-Rechnungen (1,875 Millionen Euro) ein und fordern 65.000 Euro Skonti zurück. Bereits vor Monaten sind die Kläger vom Werkvertrag mit der RBB Renovatio zurückgetreten.

"Wenn Willi Sedlak eine Klage einbringt, dann muss man schon Feuer auf dem Dach sein", sagt ein namhafter Immobilienentwickler zum KURIER. "Er ist eigentlich einer, der immer eine Lösung findet." Offenbar gibt es Auffassungsunterschiede über die erbrachten Leistungen bzw. deren Qualität. Neben den Baufirmen hat auch ein Ziviltechniker mit der RBB Renovatio einen heftigen Schriftverkehr.

Heftiger Schriftverkehr

Am 23. Oktober 2017 ersuchte der Statiker den Bauherrn, angeblich überfällige Alt-Rechnungen (125.368 Euro) binnen 14 Tagen zu bezahlen. Zugleich forderte er eine Sicherstellung von 20 Prozent des Gesamtauftragswertes (539.500 Euro) u.a. in Form einer Bankgarantie für seine weiteren Leistungen. Ansonsten sehe er "die Existenz seines Büros durch das Ausmaß der Außenstände in seiner Existenz gefährdet", heißt es in einem Schreiben.

RBB-Renovatio- und Sans-Souci-Chef Norbert Winkelmayer versteht die Aufregung nicht. "Gemäß unserer Buchhaltung wurden sämtliche fälligen Rechnungen an den Ziviltechniker bezahlt", teilt Winkelmayer dem KURIER mit. Offen seien (zum Stichtag 23. Oktober) lediglich Forderungen in Höhe von netto 60.000 Euro. Diese sollen nach Prüfung binnen 30 Tagen beglichen werden.

Schuldzuweisungen

Auch für den Streit mit den Baufirmen Wilhelm Sedlak und AY-KA, die als Arge Wienerberg Philipshaus auftraten, hat Winkelmayer eine Erklärung. "Bei der Ausführung der Rohbau-Maßnahmen im Flachbau kam es durch die Arge zu technischen mangelhaften Ausführungen, deren Mangelbehebung umgehend durch uns, dem Auftraggeber, eingefordert wurde", heißt es in einer Stellungnahme. "Ohne diese Mangelbehebung ist die Arge Wienerberg ungerechtfertigter Weise im Sommer 2017 vom Vertrag zurückgetreten."

Alles nicht wahr

Indes kontert die Baufirma Sedlak, dass "die nunmehr erhobenen Mängeleinreden eine reine Schutzbehauptungen darstellen, was sich durch die dokumentierten Zahlen belegen lässt". Demnach könnten "diese beanstandeten Mängel" im schlimmsten Fall mit 40.000 Euro bewertet werden.

Laut RBB-Co-Geschäftsführer Friedrich Gruber wurden Gutachter mit der Überprüfung der Leistung der beiden Baufirmen beauftragt. Gruber räumte Anfang der Woche auch ein, dass es Liquiditätsengpässe bei der RBB Renovatio aufgrund der massiven Baukostenüberschreitungen gab. Zugleich wurde das Projekt erweitert, was sich mit fünf Millionen Euro zu Buche schlägt. Statt ursprünglich bei 15 Millionen Euro liegen die Investitionen nun bei 25 Millionen Euro.

"Es ist ein Top-Projekt mit einer guten Philosophie", sagt Gruber. "Die Liquiditätslücke wurde mittlerweile geschlossen." Die beiden RBB-Renovatio-Eigentümer, die Sans Souci-Group und die 6B47 Real Estate Investors, haben die nötigen Finanzmittel zur Verfügung gestellt.