Chronik | Wien
14.10.2017

Aslan verteidigt Beschäftigung des externen Faktensammlers

Der 10.000 Euro teure Beitrag des Unternehmensberaters habe für den Endbericht aber keine große Bedeutung gehabt, sagt der Studienautor.

Religionspädagoge Ednan Aslan von der Uni Wien steht wegen seiner Studie zu islamischen Kindergärten erneut in der Kritik. Nachdem der Falter berichtet hatte, dass deren Ergebnisse von Beamten des Integrationsministeriums umformuliert und zugespitzt worden sein sollen, wurden dem KURIER Unterlagen zugespielt, wonach Aslan einen Teil der Feldforschung an einen Wiener Unternehmensberater auslagerte. Wie berichtet, bekam dieser für seine Recherche 10.000 Euro Honorar. Als Co-Autor genannt wurde er aber nicht. Nun stellt sich Studienautor Aslan erstmals den Fragen des KURIER.

KURIER: Herr Professor, warum wurde ein Teil der Faktenbeschaffung überhaupt ausgelagert?
Ednan Aslan: Es wurde nichts ausgelagert. Es gab einfach eine Aufgabenteilung im Team. Der Kollege übernahm eine Aufgabe, die Teil des Gesamtprojekts war. Wir haben ihn nicht als Unternehmer, sondern als Absolvent der Universität eingestellt.

Aber warum haben Sie einen Unternehmensberater, der keine spezifische wissenschaftliche Ausbildung hat, engagiert?
Der Herr ist Absolvent des Lehrgangs „ Muslime in Europa“. Diesen Lehrgang haben wir gerade für Studierende konzipiert, die in der muslimischen Gemeinde als Seelsorger oder Imame arbeiten können. Das heißt, dass er explizit für solche Kommunikationen in den islamischen Organisationen ausgebildet worden ist. Außerdem war uns sein Zugang zu den muslimischen Kindergartenbetreibern sehr wichtig. Ohne ihn hätten wir keinen einfachen Zugang zu diesen Einrichtungen gehabt. Zudem habe ich an meinem Institut pro Jahr mindestens drei Projekte – mit zwei Institutsassistenten kann man den Personalbedarf nicht abdecken. Ob der Kollege unseren Erwartungen entsprochen hat, ist eine andere Frage.

Inwiefern befähigt ein Weiterbildungskurs für Seelsorger zur empirischen Sozialforschung?
Er hat ja keine empirische Forschung durchgeführt. Das war nicht seine Aufgabe. Wegen seiner Muttersprache sollte er vor allem die Interviews mit den türkischen Betreibern führen. Er hat seine Beobachtungen in fünf Kindergärten protokolliert. (Zudem nahm er laut eigener Angabe Homepages und Publikationen der Betreibervereine unter die Lupe, sammelte Zeitungsberichte und Fotos oder recherchierte Vereinsstrukturen; Anm.) Mit der empirischen Auswertung bzw. dem Verfassen des Endberichts hatte er nichts zu tun. Deshalb werden Sie im Endbericht keinen einzigen Satz aus seinem Erfahrungsbericht finden.

Laut einer Projektbeschreibung vom 20. Mai 2015 gehörte zu den Aufgaben des Unternehmers auch die Konzeption für die Durchführung der Studie. Sollte diese nicht ein Wissenschaftler erstellen?
Diese Aufgabendefinition stammt von unserem Antrag, den wir auch bei der Stadt Wien und beim Ministerium eingereicht haben. Natürlich sollte uns der Herr sagen, wie er seine Aufgaben in seinem Bereich gestalten möchte. Und das hat er im Team auch gemacht. Ein Konzept für die Gesamtstudie von ihm zu erwarten, hätte seine Kompetenzen aber überfordert.

Warum haben Sie für die Mitarbeit des Unternehmers 10.000 Euro bezahlt – also fast ein Drittel des Projektbudgets? Die Höhe der Gage lässt eine große Bedeutung seines Beitrages vermuten.
Er hat für uns fast sechs Monate gearbeitet. Wenn ich Mitarbeiter für 10 bis 15 Stunden fix einstelle, sind die Bruttokosten viel höher. Deshalb ist es an der Uni üblich, dass Mitarbeiter, die nur bestimmte Aufgaben zu erledigen haben, mit einem Werkvertrag beschäftigt werden. In vielen Fällen ist das für das Projektbudget viel günstiger.

Sie sagen, im Endbericht stehe kein einziger Satz des Auftragnehmers. Waren die 10.000 Euro insofern nicht hinausgeschmissenes Geld?
Ob er die Leistung, die wir von ihm erwartet haben, tatsächlich erbracht hat, kann man im Nachhinein infrage stellen. Aber wenn Sie Mitarbeiter befristet einstellen, können Sie den erwünschten Ertrag nie garantieren. Das gilt allerdings nicht nur für die Mitarbeiter mit Werkvertrag, sondern für alle. Das ist das Risiko bei allen Projekten: dass wir meist auf externe neue Mitarbeiter angewiesen sind.

Inwieweit fanden die Rechercheergebnisse des Mannes dann überhaupt Eingang in die Studie?
Wie schon erwähnt, hat er in einigen Kindergärten Interviews geführt. Seine Protokolle über Gespräche mit einzelnen Betreibern waren aber weder belegbar, noch aus rechtlichen Gründen verwendbar. Aus diesem Grund waren zusätzliche Interviews in diesen Kindergärten notwendig. Einige seiner Aussagen waren auch zu oberflächlich.

Wenn seine Informationen zum Teil nicht verwendbar waren, war sein Engagement also ein Fehler?
Man hat immer höhere Erwartungen. Die Zusammenarbeit im Team hat den Sinn, dass wir uns gegenseitig ergänzen. Seine Beschäftigung war kein Fehler.

Im Gespräch mit dem KURIER meinte der Betreffende, Sie seien nicht neutral an die Studie herangegangen und hätten „alles sehr negativ betont“. Was sagen Sie dazu?
Mir gegenüber hat er andere Aussagen gemacht und gemeint, dass er das bereut. (Auch dem KURIER gegenüber sagt der Unternehmensberater, er bereue - aber nicht, dass er Journalisten die Wahrheit erzählt habe, sondern dass er sich überhaupt an der Studie beteiligte; Anm.)

Bildungsministerin Hammerschmid meint, es widerspreche der guten wissenschaftlichen Praxis, beteiligte Dritte nicht zu nennen.
Bis auf zwei Interviews, die der Herr durchgeführt hat, war für uns in seinem Bericht nichts brauchbar. Außerdem wollten wir nach den medial übertriebenen Reaktionen auf die Studie unsere Mitarbeiter und Studenten schützen.