Anrainer fordern Schutz für Jahrhundert-Bäume in Wien
147 Jahre steht die große Platane im Arne-Karlsson-Park bereits an Ort und Stelle. Ihre beiden „Schwestern“, ebenfalls zwei Platanen, wurden 1899 gepflanzt. Mit einem Kronendurchmesser von über 21 Metern spenden die drei Bäume den Parkbesuchern regelmäßig Schatten – so auch an diesem Freitagvormittag. Zwei Burschen spielen Fußball, eine Gruppe Kinder picknickt im Schatten.
Wie lange diese Idylle im Arne-Karlsson-Park so noch aufrechterhalten werden kann, ist unklar. Ausgerechnet die drei großen Platanen könnten durch den bevorstehenden Bau der neuen U-Bahnstation im Park gefährdet werden. Das wollen die drei Anwohnerinnen Alexandra Baer-Zwick, Anja Harsch und Katharina Tschernitsch nicht zulassen. Gemeinsam riefen sie eine Petition ins Leben – mit dem Ziel, die drei Platanen offiziell als Naturdenkmäler unter Schutz zu stellen.
„Natürliche Klimaanlage“
„Wir blicken mit großer Besorgnis auf die kommenden Bauarbeiten im Park. Großprojekte wie der U-Bahn-Bau dürfen nicht auf Kosten unseres wertvollen Altbaumbestandes gehen“, heißt es in ihrer Petition. Die Anwohnerinnen, die sich beim Gassi Gehen im Park kennengelernt haben, betonen, dass sie nicht gegen den Ausbau der U-Bahn seien. Man wolle aber die drei Bäume retten.
Die Platanen würden gerade im dicht verbauten Gebiet des neunten Bezirks eine natürliche Klimaanlage bilden. „Gerade an dem Eck Spitalgasse, Währinger Straße und Nussdorfer Straße sind die Temperaturen im Sommer nicht tragbar. Da kann man Spiegeleier auf dem Asphalt braten“, sagt Alexandra Baer-Zwick.
Die Hundezone befindet sich direkt bei den zwei Platanen.
Eingriffe reduzieren
Mit der Petition „Rettet die Drei Schwestern“ wenden sich die drei Anrainerinnen direkt an Bürgermeister Michael Ludwig und die Stadt Wien (MA 22). Die Magistratsabteilung verwies auf KURIER-Anfrage an die Wiener Linien. „Der Schutz und der größtmögliche Erhalt von Grünflächen und Bäumen hat für uns höchste Priorität. Deshalb erfolgt der Ausbau nach dem Prinzip einer möglichst schonenden, 'minimal-invasiven' Bauweise“, sagte ein Sprecher der Wiener Linien. Bauverfahren würden so gewählt, dass Eingriffe in Parks und Grünräume „auf das notwendige Minimum“ reduziert werden. Das klare Ziel sei es, jeden Baum zu erhalten oder zu verpflanzen.
Der Baustart für die zweite Baustufe der U5 bis Hernals ist für 2028 geplant. Auf den weiteren Bestand der Platanen angesprochen, betonte der Sprecher, dass die „Baustelleneinrichtung bewusst in den angrenzenden Straßenraum verlegt wurde, und auch das Stationsgebäude in Richtung Straße gerückt werde“. Ob diese Maßnahmen das Überleben der drei alten Bäume sichern, wurde nicht explizit zugesichert.
Baumgutachter eingesetzt
Vonseiten des Bezirks heißt es, dass sich Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) von Anfang an für die Bäume und insbesondere für die großen Platanen im Park eingesetzt habe, betonte eine Sprecherin der Bezirkschefin. Es wurde ein Baumverfahren gewählt, dass Eingriffe in den Park auf das notwendige Minium reduziere – außerdem werde ein „unabhängiger Baumgutachter“ das Projekt durchgehend begleiten.
Für die drei selbst ernannten „Platanenfreundinnen“ gehen diese Maßnahmen aber nicht weit genug. Sie wünschen sich, dass die „Drei Schwestern“ rechtlich geschützt werden. Dafür müssen gewisse Kriterien erfüllt sein: Die Naturgebilde müssen eine wissenschaftliche oder kulturelle Bedeutung haben, selten vorkommen, das Landschaftsbild besonders prägen oder eine wichtige Funktion für die Natur erfüllen. Die Entscheidung darüber obliegt letztendlich der Naturschutzbehörde.
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