Streit um Wiener „Eiles“-Platane eskaliert: Baum-Retter Saller steigt aus
Im Februar 2021 – also vor fast genau fünf Jahren – sorgte die Aktion für gewaltiges Aufsehen und Resonanz in internationalen Medien: Eine vor dem Café Eiles in der Josefstadt acht Jahrzehnte gewachsene Platane wurde ausgebuddelt, auf einen Kran verfrachtet und einige Meter weiter am Schmerlingplatz neu eingesetzt. Nicht nur ein teures, sondern auch ein riskantes Unterfangen, das grandios hätte scheitern können: Denn einen derart alten Baum – 25 Meter hoch, 60 Tonnen schwer – hatte man noch nie erfolgreich verpflanzt.
Doch gestorben wäre die Platane sowieso, weil sie dem Bau von U2/U5 an der Zweierlinie zum Opfer gefallen wäre.
Schließlich war es ein Triumvirat, das die Platanen-Verpflanzung durchsetzte: Der auf Baumrettung spezialisierte „Baumchirurg“ Manfred Saller, Umweltaktivist Gerhard Heilingbrunner und der damalige SPÖ-Finanzstadtrat Peter Hanke.
Halbe Million investiert
Dass Hanke mittlerweile in der Bundesregierung als Infrastrukturminister tätig ist, dürfte auch den aktuellen Clinch um die berühmte „Eiles“-Platane mitverursacht haben: Denn per Handschlag hatte Hanke einst die nicht unumstrittene Aktion eingefädelt (rund 50.000 Euro kamen an Transportkosten von den Wiener Linien); erst im Oktober 2024 wurde bei einem Fototermin unter der Platane die weitere Pflege im besten Einvernehmen verlängert (der KURIER berichtete). Doch jetzt ist alles anders.
Denn Saller, der bisher „eine halbe Million Euro aus eigener Tasche“ für die Baumpflege investiert hat, pocht auf eine vertraglich fixierte Regelung für die kommenden Jahre. „Es war immer klar, dass ich den Baum nicht ewig gratis betreuen kann – auch, wenn es mein persönliches Lieblingsprojekt ist“, sagt Saller. Bis auf einen kleinen Betrag von knapp 10.000 Euro nach dem Hanke-Fototermin habe er aber nie etwas von der Stadt Wien bekommen.
Deshalb habe er sich an die Stadtgärten (MA 42) gewandt, um für die nächsten drei Jahre Kostensicherheit zu erhalten: „Wie jeder sehen kann, gedeiht der Baum ja prächtig – aber er braucht weiter umfassende Pflege.“ An heißen Tagen „schlucke“ er bis zu 10.000 Liter Wasser, dazu brauche es spezielle Nährstofflösungen für die Wurzeln. Bei dem übermittelten Pauschalangebot für die Jahrespflege in Höhe von 39.840 Euro netto würde er wegen hoher Sach- und Personalkosten „nichts verdienen“, beteuert Saller.
Dennoch habe das Stadtgartenamt das Angebot abgelehnt und eine detaillierte Aufschlüsselung aller Posten – inklusive eingesetzter Präparate – verlangt: „Damit würde ich aber Betriebsgeheimnisse verraten und meine Geschäftsgrundlage aufs Spiel setzen. Jeder würde dann wissen, wie ich es mache“, so der „Baumchirurg“.
MA 42 muss übernehmen
Daher drohte der Unternehmer mit dem Ausstieg: „Ich habe dem Stadtgartenamt schriftlich mitgeteilt, dass ich ohne vertragliche Lösung die Baumpflege ab 4. März einstellen werde. Sollte die Platane dann Schaden nehmen, weiß jeder, wer daran schuld ist“, sagt Saller.
Die MA 42 zeigt sich in einer knappen Stellungnahme unbeeindruckt: Man verfüge über „umfassende fachliche Expertise“ und werde die Platane in „Erhaltung und Betreuung“ übernehmen; die Versorgung des Baums sei „gewährleistet“.
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