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Chronik Wien
11/24/2020

Anwalt starb auf LSD-Trip: Kollege angeklagt

Staatsanwältin wirft dem Angeklagten Imstichlassen eines Verletzten vor. Der Anwalt war von seiner Terrasse gestürzt.

von Michaela Reibenwein

Es war ein ausgelassener Abend im Sommer 2018: Die beiden Freunde und Kollegen trafen einander schon am frühen Abend, tranken ein paar Gläser, flirteten mit jungen Frauen. Doch Stunden später war einer von ihnen tot. Der 35-jährige Rechtsanwalt war 23 Meter tief von seiner Dachterrasse gestürzt. Am Dienstag musste sich deshalb sein Freund im Landesgericht für Strafsachen in Wien verantworten - die Staatsanwaltschaft wirft ihm Imstichlassen eines Verletzten vor. Und zwar deshalb, weil ihm der Freund an diesem Abend LSD und Xanor gegeben haben soll - was der Auslöser für die Tragödie gewesen sein könnte.

"Dadurch kam es zu einem massiven Rauschzustand. Die Wahrnehmung war beeinträchtigt. Dennoch hat er ihn alleine mit einem Taxi nach Hause fahren lassen - er hat nicht nach ihm gesehen, keine ärztliche Hilfe veranlasst", sagt die Staatsanwältin.

"Nicht schuldig"

Dass er ihm LSD und Xanor überlassen hat, bestreitet der angeklagte Freund nicht. Dennoch erklärt er: "Nicht schuldig!" Seinem Freund sei es gut gegangen. "Wir waren spitze drauf." Nicht im schlimmsten Albtraum hätte er an die "Kombination LSD und Dachterrasse" gedacht.

Sein Verteidiger Zaid Rauf kann die Anklage nicht nachvollziehen und zieht einen Vergleich: "Eine Gesundheitsschädigung kann auch durch Alkohol hervorgerufen werden. Hätten sie nur gemeinsam getrunken - müsste er sich dann auch verantworten?" Und er hat auch noch ein weiteres Beispiel parat: "Eine Gruppe Jugendlicher reicht einen Joint herum. Ein Jugendlicher stirbt. Dann müssten alle Jugendlichen angeklagt werden."

Der Angeklagte und das Todesopfer waren schon viele Jahre befreundet. In erster Linie feierte man gern gemeinsam. "Was das Party machen angeht, war der P. ein Tier", beschreibt er seinen Freund. Der Angeklagte selbst konsumierte laut eigenen Aussagen hin und wieder Kokain und LSD. "LSD hat eine bewusstseinserweiternde Wirkung für mich. Es war immer eine bereichernde und heilende Erfahrung. Ich habe das als edlen Rausch empfunden."

LSD-Premiere

Sein Freund hätte selbst Marihuana und Kokain konsumierte. LSD allerdings noch nie. An diesem Abend habe es der 35-Jährige erstmals probieren wollen. Man fuhr also in die Wohnung, gönnte sich jeweils einen Tropfen. "Er hat mir gesagt: In deinem Klo hatte ich jetzt die erste LSD-Erfahrung meines Lebens. Wir haben gelacht." Dann fuhren die Männer noch auf eine Party am Cobenzl. Dort habe sein Freund zwei Mädchen angesprochen und geflirtet. Die Stimmung sei gut gewesen.

"Aber dann ist etwas passiert, was ich mir nicht erklären kann: Er nimmt plötzlich das Xanor (zum Runterkommen, Anm.) aus der Tasche, konsumiert es und sagt, dass er geht." So schnell habe er gar nicht schauen können - und schon saß der Freund im Taxi.

Als er ihn wenig später anrief, soll er gesagt haben: "Ich sitze auf meiner Couch." Drei Mal telefonierte man insgesamt noch. Der Freund habe vorgeschlagen, die Party doch in seiner Wohnung weiterzufeiern. Beim letzten Anruf soll der Gestorbene so gewirkt haben, als sei er genervt und habe aufgelegt. Wenig später starb er.

"Was hätte er tun sollen?", fragt sein Verteidiger. "Ihm nachfahren obwohl er gesagt hatte, dass es ihm gut geht? Die Rettung rufen?"

Ein Urteil in diesem Fall soll am Donnerstag fallen.

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