Akademikerball: Es soll der letzte Walzer werden

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Foto: KURIER/Gilbert Novy Die Ausschreitungen vom Akademikerball 2014 sollen im kommenden Jahr verhindert werden. Die Polizei setzt auf kommunizieren, während die Ball-Gegner heuer vor allem blockieren wollen.

Antifaschisten mobilisieren schon Monate vorher zum Protest und rufen zur Blockade auf.

In genau 82 Tagen findet einer der umstrittensten Events im Österreichischen Veranstaltungskalender statt. Der Akademikerball lässt schon jetzt die Wogen hochgehen. Die Vorbereitungen laufen bei allen Beteiligten auf Hochtouren. So früh wie nie zuvor mobilisiert etwa die antifaschistische Organisation "Offensive gegen Rechts" (OGR). Sie hat für die Gegendemo bereits eine Veranstaltungseinladung auf Facebook veröffentlicht. 600 Demonstranten sagten schon jetzt zu, am 30. Jänner gegen den Ball auf die Straße zu gehen.

WIENER AKADEMIKERBALL 2014: GUGGENBICHLER Foto: APA/FPÖ-TV FPÖ-Gemeinderat und Ballorganisator Guggenbichler Der Leitspruch der Ball-Gegner für 2015 lautet "FPÖ-Burschenschafterball blockieren. Das muss der Letzte sein". Den Ball nicht mehr zu veranstalten oder in eine andere Location zu verlegen, steht aber nicht auf dem Plan, erklärt Ball-Organisator Udo Guggenbichler: "In unserer Demokratie herrscht Versammlungsfreiheit. Die wollen wir auch weiterhin durchsetzen", sagt der Organisator. "Es ist unangenehm für die Veranstalter, dass wir mittlerweile so viel Aufmerksamkeit auf den Sicherheitsaspekt richten müssen, obwohl es beim Ball noch nie Probleme von unserer Seite gab." Guggenbichler hat auch kein Problem mit dem Protest der Ball-Gegner: "Jeder soll zu seiner Meinung stehen und friedlich protestieren. Für Gewalt habe ich aber absolut kein Verständnis." Und das ist wohl der einzige Punkt, in dem alle Beteiligten einer Meinung sind.

Die Organisatoren der Demonstration sagten dem KURIER gegenüber, dass die Demonstranten auf bunte, breite Aktionsformen setzen werden: "Unter anderem auch auf Blockaden als Mittel von zivilem Ungehorsam, jedoch geht von uns dabei keinerlei Eskalation aus." In der Ankündigung zur Demonstration schreibt die OGR, dass die Proteste der vergangenen Jahre schon viel bewirkt hätten. Besuchermangel am Ball sei eines der Dinge, die sich die Demonstranten auf die Fahnen heften. Außerdem spricht OGR in der Ankündigung auch "Repressalien der Polizei" gegen Demonstranten an. Gemeint ist damit unter anderem die medienwirksame Verhaftung von Josef S. wegen Landfriedensbruchs und der dazugehörige Prozess.

Der dritte Protagonist

Mit dem Stichwort "Polizei", wird von der OGR auch die dritte Größe in Sachen Akademikerball ins Spiel gebracht. Neben den Differenzen zwischen den politischen Lagern wurde die Exekutive beim Ball im Vorjahr nämlich zum neuen Feindbild der Demonstranten erklärt.

Vorstellung der Neuorganisation der Wiener Ueberwa Foto: dapd/Hans Punz Polizeipräsident Gerhard Pürstl will besser kommunizieren Schon im Vorfeld wurden Vermummungs- und Platzverbot der Polizei als übertriebenes Zeichen gegen die Demonstranten und deren Ideologie verstanden. Polizeipräsident Gerhard Pürstl weist darauf hin, dass die Beamten aber einfach nur "ihren Job" gemacht haben. "Glauben Sie, die Polizisten stehen gerne zwischen den Fronten? Es ist einfach unsere Aufgabe, Menschen davor zu schützen, angespuckt und an der Teilnahme an einer Veranstaltung gehindert zu werden", erklärt Pürstl im KURIER-Interview.

Dass die Polizei aber beim Ball 2015 als "neuer Gegner" gesehen wird, will Pürstl mit verbesserter Kommunikation im Vorfeld verhindern (siehe unten). Das nächste Zusammentreffen aller drei Protagonisten wird am 29. November bei der Demonstration gegen den Kommers des Korporationsrings stattfinden, der im Rathauskeller veranstaltet wird.

Nachgefragt

Pürstl: "Polizei darf nicht als Gegner gesehen werden"

Polizeipräsident Pürstl wurde zu einer der Schlüsselfiguren in der Diskussionen nach dem Akademikerball 2014. Immer wieder wurde der Exekutive Fehlverhalten vorgeworfen. Heuer soll schon im Vorfeld besser kommuniziert werden.

KURIER: Die Gegner des Balls formieren sich bereits. Wie geht die Polizei damit um?

Gerhard Pürstl: Wir beobachten das Geschehen. Eine Strategie kann erst endgültig entwickelt werden, wenn es eine Gefährdungslage gibt. Eine Sache, die aber schon im Vorfeld besser funktionieren muss, ist die Kommunikation mit den Ball-Gegnern.

Wie ist das zu verstehen?

Die Polizei darf von den Demonstranten nicht als Gegner gesehen werden. Wir müssen ein Klima schaffen, in dem unsere Rolle vorher klar dargestellt wird. Es ist nicht unsere Aufgabe, politisch zu agieren und das tut die Polizei auch nicht. Wir sind zum Schutz aller Beteiligten dort.

Sind Ihre Befürchtungen vor dem Ball 2015 größer als im vergangenen Jahr?

Nein, das sind sie nicht. Niemand konnte damit rechnen, dass es so eskaliert. Ein zentraler Punkt wird es 2015 sein, Unbeteiligte, wie jene, deren Eigentum beschädigt wurde, besser zu schützen.

(kurier) Erstellt am
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