Akademikerball: 8000 tanzten gegen den Ball an

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Foto: Kurier/Juerg Christandl Rund 8000 Menschen demonstrierten.

Die Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt. Strache eröffnete die Veranstaltung in der Hofburg und sprach sich erneut gegen Antisemitismus aus.

30 Personen. So viele marschierten gegen 16.15 Uhr gestern vom Wallensteinplatz in Wien-Brigittenau weg. Rund 8000 Teilnehmer waren es laut Polizei zwei Stunden später bei durchaus frischen Temperaturen. Sie trafen sich bei der Uni, um gegen den Akademikerball und die Regierung zu demonstrieren und marschierten bis zum Karlsplatz.

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Singende Omas

"Widerstand!"-Rufe und Gesänge der "Omas gegen rechts" mischten sich mit Trommel-Klängen. Zwischendurch widmeten die Teilnehmer Udo Landbauer, dem Spitzenkandidaten der FPÖ für die Landtagswahl in NÖ, ein Schmählied (in Anspielung auf die Liederbuch-Causa).

Demo Akademikerball 2018 Foto: Kurier/Juerg Christandl Ein Seitenhieb auf ein bedenkliches Burschenschafter-Liederbuch. Auch der KZ-Überlebende Rudolf Gelbard war vor Ort, um gegen den Ball und die Regierung zu demonstrieren. "Ich habe mich kurzzeitig selbst aus dem Krankenhaus entlassen, um hier her zu kommen", sagt er.

Rund 3000 Polizisten waren für die Demonstration und das Umfeld (Staatsbesuch aus Kolumbien) im Einsatz. Rund um die Hofburg wurde ein Rekord-Sperrkreis errichtet, fast die halbe Innenstadt war Verbotszone. Auch zwei Wasserwerfer wurden positioniert.

Demo

In der Hofburg wiederum trafen die ersten Gäste schon gegen 17 Uhr beim Akademikerball ein. Unter den Besuchern befand sich – wie angekündigt – auch FP-Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit seiner Frau Philippa. Strache erklärte vorab, den Ball zu "einer Bühne gegen Antisemitismus" machen zu wollen – als Reaktion auf die Causa Landbauer.

Beim Ball fand er deutliche Worte, sprach zunächst vom "nationalen freiheitlichen Lager mit seiner langen Geschichte, in der wir für Freiheit und Selbstbestimmung gekämpft haben". Strache erinnerte daran, dass Studentenverbindungen 1938 verboten worden seien und nach dem Krieg anlässlich ihrer Wiedergründung beschlossen hätten, sich von Antisemitismus und Rassenwahn  zu distanzieren. Jeder anständige Bürger, Couleurstudent und Waffenstudent sei aufgerufen, antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. "Das ist unser Verständnis. Und wer das nicht teilt, der ist bei uns nicht willkommen.", so Strache.

WIENER AKADEMIKERBALL 2018: STRACHE Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Fast 3000 Ballgäste bedeuteten Besucherrekord für den Akademikerball. Darunter auch Anneliese Kitzmüller, die dritte Nationalratspräsidentin, der Wiener FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp und sein Vorgänger Johann Gudenus sowie Martin Sellner, Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung.

Vorbereitung

Schon im Vorfeld wurde der Demobereich gesäubert, Container mit Glasflaschen abtransportiert und sogar die Blumenkästen nach möglichen Wurfgegenständen durchsucht. Vor Jahren hatten Linksextreme einmal eine Baustelle demontiert und Gegenstände auf die Polizei geworfen – so etwas wollte man verhindern. Die Veranstalter hatten außerdem im Vorfeld bereits einen Stadtplan mit möglichen Blockadepunkten veröffentlicht.

Demo Akademikerball2018 Foto: Kurier/Juerg Christandl Von linksextremer Seite war im Vorfeld heftig gegen Polizei, Wirtschaft und Medien agitiert worden. Diese seien für allfällige Eskalationen verantwortlich zu machen, hieß es. Die Polizei hatte mit Randalen gerechnet, kurz zuvor aber ihre Einschätzungen in Richtung friedlicher Demo korrigiert. Bis zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb das auch so. Lediglich ein paar Feuerwerke wurden abgeschossen.

Die Befürchtung der Polizei, dass Randalierer aus dem Ausland anreisen könnten, bewahrheitete sich nicht. Die Exekutive wiederum ging zurückhaltend vor – so verzichteten die Beamten etwa auf das Tragen ihrer Helme.

Demo Akademikerball 2018 Foto: KURIER/Gilbert Novy

Nächster Protest

Nach der Demo ist vor der Demo. Während in Wien Freitagabend Tausende gegen den Akademikerball protestierten, rüstet sich Linz bereits für den nächsten Protest. Angesichts der aktuellen Diskussion und des organisierten Widerstands gegen die türkis-blaue Bundesregierung wird Linz nach Wien nächster Schauplatz für eine Großdemonstration sein. Die Plattform "Linz gegen Rechts" hat bereits angekündigt, den alljährlich heftig kritisierten Burschenbundball im Linzer Kaufmännischen Vereinshaus am 3. Februar zum Anlass für eine Protestkundgebung zu nehmen.

Im Vorjahr hatte die Demonstration ein gerichtliches Nachspiel für sieben Teilnehmer. Auf der Zufahrt zum Ball in der Linzer Innenstadt war Oberösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner, FPÖ, von einer Gruppe vermummter Demo-Teilnehmer attackiert worden. Ein 22-jähriger Student aus Bayern wurde von Haimbuchners Frau wiedererkannt. Der Deutsche wurde verurteilt, sechs weitere Angeklagte gingen frei.

Selbstverständlich werde er den Ball, so wie jedes Jahr besuchen, kündigte Haimbuchner an. "Ein wirklich schöner harmonischer Ball. Ich lasse mir diesen Ball nicht madig machen", meinte Haimbuchner in Richtung der Organisatoren. Die kritisieren den rechten Dunstkreis der Burschenschaften und haben die Kundgebung unter das Motto Widerstand gegen Sozialabbau gestellt.

Proteste gegen Akademikerball: Rund 8000 Teilnehmer

(kurier) Erstellt am
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