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Mann (60) stalkte Wiener Galeristin jahrelang: „Hatte Hoffnung auf Beziehung“

Mann völlig uneinsichtig: „Hatte die Hoffnung, dass sie sich auf die Beziehung einlässt.“ Er habe mit ihr „eine Familie gründen wollen“. Zuletzt schickte der 60-Jährige der Galeristin Nacktfotos: „Weil ich mich umfassend vorstellen wollte.“
Symbolbild

Weil er eine Wiener Galeristin seit 2023 beharrlich verfolgt und in ihrer Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt haben soll, sitzt ein 60-Jähriger seit sechseinhalb Wochen in der Justizanstalt Josefstadt wegen Tatbegehungsgefahr in U-Haft. 

„Das ist ein Wahnsinn. Mein Leben ist zerstört. Mein Ruf ist ruiniert“, lamentierte der Bezieher einer Invaliditätspension am Mittwoch vor einem Schöffensenat am Landesgericht. Zum Stalking-Vorwurf war er uneinsichtig.

„Die Hoffnung oder den Wahn?“

Ich hatte die Hoffnung, dass sie sich auf die Beziehung einlässt“, verantwortete sich der 60-Jährige. „Die Hoffnung oder den Wahn?“, bemerkte darauf der vorsitzende Richter. Kennen gelernt hatte der 60-Jährige die Frau, als er eines Tages - angeblich auf Empfehlung - ihre Galerie betrat. In weiterer Folge tauchte er dort regelmäßig, zuletzt täglich auf und suchte die Nähe der Frau. Er schrieb ihr auch ständig Briefe an ihre berufliche Adresse. Als er ihre Telefonnummer herausgefunden hatte, folgten Textnachrichten mit teilweise anzüglichem Inhalt.

Mann verschickte Nacktfotos und wollte Familie gründen

Zuletzt schickte er der Frau Nacktfotos. „Weil ich mich umfassend vorstellen wollte“, erklärte er dazu auf Befragen des Richters. Er habe mit ihr „eine Familie gründen wollen“, führte der 60-Jährige aus. „Sie war interessiert an mir“, behauptete er, „sie war nicht interessiert an einer persönlichen Beziehung. Sie war interessiert an einer schriftlichen Beziehung.“

 „Ich wollte ihr meine Malerei vorstellen“

„Sie hat sie angezeigt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat“, hielt der Richter dem 60-Jährigen vor. „Ich wollte ihr meine Malerei vorstellen“, rechtfertigte sich der Mann. Die Galerie sei ihm „von einer Kunsthistorikerin“ empfohlen worden. Er habe zunächst Kontakt zur Galeristin gesucht, „weil ich wollte, dass sie sich zu meiner Arbeit äußert“. Auf die Frage des Richters, was er denn an Kunstwertem schaffe, erwiderte der Mann: „Ich male Emotionen.“ Seine Kunst sei „sehr gut“.

Die Frau habe ihn abgewiesen. Das sei für ihn „sehr verstörend“ gewesen, gab der 60-Jährige zu Protokoll: „Da wollte ich wissen, warum das mit den Push Backs gewesen ist.“ Er habe sich gefragt, „warum ich als Künstler auf Widerstand stoße und sie nicht mit mir redet“.

Sachverständiger ortete „Liebeswahn“

Der beigezogene psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann bescheinigte dem Mann einen „Liebeswahn“. Es liege eine schwerwiegende und nachhaltige psychische Störung vor. Infolge einer unbehandelten paranoiden Schizophrenie sei der Mann zurechnungsunfähig, betonte Hofmann. Der Experte bekräftigte, die von der Staatsanwaltschaft gemäß § 21 Absatz 1 StGB beantragte Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum sei insofern geboten, als von dem Mann eine Gefahr ausgehe. Ohne im Maßnahmenvollzug gewährleistete therapeutische Maßnahmen müsse mit weiteren Straftaten mit schweren Folgen gerechnet werden, darunter auch solche gegen die sexuelle Integrität von Frauen.

Verhandlung musste vertagt werden

Die Verhandlung musste vertagt werden. Die betroffene Frau befindet sich derzeit im Urlaub, ihre Einvernahme als Zeugin ist unverzichtbar. Dass er weiter in U-Haft bleiben muss, echauffierte den 60-Jährigen: „Das ist überschießend. Von mir geht keine Gewalt aus. Ich bin zu Unrecht in Haft.“ Er sei „noch nie so gesund wie jetzt“ gewesen: „Ich hab' ein verkorkstes Leben. Ich war zu wenig gelassen. Ich hab daraus gelernt.“ Zukünftig werde er nicht aktiv nach Frauen suchen, sondern „es auf mich zukommen lassen“.

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