Polizeiaufgebot bei den Demos in Wien

┬ę Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
04/11/2021

15 Festnahmen und Pfefferspray-Einsatz bei Corona-Demo in Wien

Demonstranten wollten Sperren durchbrechen. Insgesamt habe es laut Polizei 22 Versammlungen gegeben, wovon sieben im Vorfeld untersagt worden seien.

15 Festnahmen und einige hundert Verwaltungsstrafanzeigen wegen Nicht-Einhaltung der Corona-Ma├čnahmen hat es am Samstag im Zuge einer Demonstration gegen die Corona-Politik der Regierung in Wien gegeben. Im Verlauf des gesamten Einsatzes seien au├čerdem drei Polizisten verletzt und zwei Dienstkraftfahrzeuge besch├Ądigt worden, teilte die Polizei am Samstagabend mit. Insgesamt habe es 22 Versammlungen gegeben, wovon sieben im Vorfeld untersagt worden seien.

Begonnen hatte die von den Organisatoren als "Mutter aller Demos" angek├╝ndigte und von der Polizei im Vorfeld untersagte Kundgebung zun├Ąchst friedlich zu Mittag im Schweizergarten beim Wiener Hauptbahnhof. Die Organisatoren um den Anti-Corona-Aktivisten Martin Rutter hatten unter dem Motto "Der Park ruft" dazu aufgefordert, angesichts des sonnigen Wetters mit Kindern zu kommen und die frische Luft zu genie├čen.

Kinder waren unter den von der Polizei zun├Ąchst mit einigen Hundert, sp├Ąter dann mit rund 3.000 bezifferten Teilnehmern allerdings kaum - an Ort und Stelle befanden sich unter anderem die FP├ľ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch und der Identit├Ąre Martin Sellner. Neben ├Âsterreichischen, Regenbogen- und Bundesl├Ąnder-Fahnen waren auch Flaggen der Verschw├Ârungstheoretiker-Gruppe QAnon zu sehen. Dazu kamen noch zahlreiche Personen in Thor-Steinar-Outfits, einem Erkennungsmerkmal der rechtsextremen Szene.

Keine Reden

Zum Teil trugen die Teilnehmer Transparente mit Aufschriften wie "Kurz ist der Weg in die Diktatur". Reden gab es keine, haupts├Ąchlich wurde Bier getrunken und Musik geh├Ârt. Gro├čteils habe die Veranstaltung "keinen Manifestationscharakter" gehabt, so ein Polizeisprecher zur APA. Die Polizei hatte die Stra├čen rund um den Schweizergarten bis zum Hauptbahnhof abgesperrt. Vereinzelt wurden schon im Park Anzeigen ausgesprochen, nachdem Teilnehmer Beamte angep├Âbelt hatten.

Demonstranten versuchten Sperre zu durchbrechen

Ein Teil der Demo-Teilnehmer zog sp├Ąter zum Landstra├čer G├╝rtel, wo es beim Versuch des Durchbrechens einer Sperre zum Zusammensto├č mit der Polizei kam. Diese wollte ein Aufeinandertreffen mit einer rund 1.000 Teilnehmer umfassenden Gegendemonstration von antifaschistischen Gruppen verhindern. Nachdem die Demonstranten die Beamten mit Bierdosen beworfen hatten und die Sperre durchbrechen wollten, wurde auch Pfefferspray eingesetzt und die Demo f├╝r aufgel├Âst erkl├Ąrt.

Das hinderte die Demonstranten aber nicht, bei einer weiteren Stra├čensperre beim Belvedere durchbrechen zu wollen. Dazu wurden Seile mit Karabinern verwendet, mit denen die Sperren aus der Verankerung gehoben wurden. Es wurden auch wieder Bierdosen geworfen. Die Polizei setzte daraufhin erneut Pfefferspray ein. Gegen 16.00 Uhr hatte sich die Lage dann vorerst beruhigt - viele Teilnehmer verlie├čen die Kundgebung.

Am sp├Ąten Nachmittag l├Âste sich die Demo nach und nach auf. Allerdings fanden vereinzelt Gruppen wieder zusammen, die die Exekutive aber erfolgreich aufl├Âsen konnte. Gegen 18.00 Uhr sei es dann aber im Bereich der Babenbergerstra├če zu einem Raufhandel und zu einer schweren K├Ârperverletzung mutma├člich zwischen einem Demonstranten der Coronama├čnahmen-Gegner und den Gegendemonstranten gekommen, so die Polizei. Hierbei sei eine Person im Gesichtsbereich verletzt worden. Daraufhin sei der Demonstrationszug der Gegendemonstranten im Bereich der Bellariastra├če angehalten und 118 Identit├Ąten festgestellt worden, teilte die Polizei mit.

Kurz unterstrich Notwendigkeit der aktuellen Ma├čnahmen

Die ├ľVP charakterisierte die Demonstration in einer Aussendung als "Zusammentreffen von amtsbekannten Rechtsextremen, wirren Verschw├Ârungstheoretikern, ber├╝chtigten Corona-Leugnern und folgsamen Kickl-Sympathisanten", die "in zahlreichen t├Ątlichen Angriffen" gegen├╝ber der Polizei gegipfelt habe. ├ľVP-Sicherheitssprecher Karl Mahrer wertete die Teilnahme prominenter FP├ľ-Politiker als Beleg daf├╝r, "welch demokratie- und rechtsstaatsgef├Ąhrdende Entwicklung die FP├ľ unter Herbert Kickl eingeschlagen hat".

Bundeskanzler Sebastian Kurz (├ľVP) hatte am Vormittag in Richtung der Demonstranten erneut die Notwendigkeit der aktuellen Corona-Ma├čnahmen unterstrichen. "Dass die Ma├čnahmen unpopul├Ąr sind, ist vollkommen klar. Da geht es uns so wie Ihnen und der restlichen Bev├Âlkerung." Jeder wolle sein altes Leben zur├╝ckhaben. "Gleichzeitig wollen wir alle, wenn wir krank sind und einen Platz auf einer Intensivstation brauchen, diesen auch erhalten." Er sei aber ├╝berzeugt, dass man mit steigendem Impffortschritt alles tun m├╝sse, um rasche ├ľffnungsschritte zu setzen.

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