ABD0036_20161027 - ILLUSTRATION - Eine Schülerin der sechsten Klasse schreibt am 25.10.2016 in einem Klassenzimmer an einem Gymnasium in Straubing (Bayern) an einer Tafel das Wort "Deutsch". Foto: Armin Weigel/dpa (zu dpa "«Bildungstrend» und PISA - die deutsche Schulpolitik im Test-Stress" vom 27.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© APA/dpa/Armin Weigel

Deutschland
10/28/2016

Vorsitzender warnt vor "massiven Niveauverlust" an deutschen Schulen

Deutscher Gymnasiallehrerverband vermisst Leistungsorientierung an Schulen.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt vor einem "massiven Niveauverlust" an den deutschen Schulen durch eine nicht leistungsorientierte Bildungspolitik.

Mit Blick auf den Vergleichsreport "IQB-Bildungstrend 2015", den die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) in der Früh in Berlin präsentiert, sagte Meidinger, für ihn sei der Absturz Baden-Württembergs in dem Bundesländer-Ranking daher auch "keine Überraschung".

"Im Gegenteil, ich hätte darauf wetten können", sagte Meidinger in Berlin. "Jeder, der die schul-und bildungspolitischen Entwicklungen in Baden-Württemberg in den letzten fünf Jahren mitverfolgte, musste mit einem massiven Niveauverlust rechnen." In diesem Zeitraum regierte in Stuttgart eine grün-rote Regierung, seit einigen Monaten bilden Grüne und CDU eine Koalition.

"Massive Sparpolitik hat Spuren hinterlassen"

Der Chef der Gymnasiallehrer-Gewerkschaft nannte aus seiner Sicht mehrere Ursachen. So habe "die massive Sparpolitik im Bildungsbereich insbesondere an den herkömmlichen Schularten, was Lehrerstellen, Klassengrößen, pädagogische Rahmenbedingungen anbetrifft, deutliche Spuren hinterlassen". Vor allem führe "die Abschaffung jeglicher Orientierung an Leistungskriterien beim Übergang an weiterführenden Schulen zu einem Anstieg von Sitzenbleibern, Schulwechslern, zu einer Zunahme der Heterogenität", kritisierte Meidinger.

Die IQB-Ergebnisse für die deutschen Neuntklässler in Deutsch und Englisch lassen sich so zusammenfassen: Spitzenreiter Bayern, Aufsteiger Schleswig-Holstein und Sachsen, Verlierer Baden-Württemberg, Schlusslichter Bremen und Berlin. Die Studie lag der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in wesentlichen Auszügen vor.

Bayern und Schleswig-Holstein top

Das CSU-regierte, in der Bildungspolitik stark leistungsorientierte Bundesland Bayern platzierte sich im Fach Deutsch wie schon beim ersten Test vor acht Jahren durchweg unter den besten Drei. Aber auch das rot-grüne Schleswig-Holstein kann jubeln - es ist in Deutsch immer weit oben dabei und machte insgesamt den deutlichsten Sprung nach vorn. Auch in Englisch schafften Bayern und Schleswig-Holstein Top-Ergebnisse, über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen hier teilweise Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Langzeitvergleich möglich

Das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) organisiert den deutschlandweiten Ländervergleich seit 2008/2009, er ist seitdem praktisch das regionale deutsche Pendant zum internationalen PISA-Test. Nach IQB-Angaben nahmen diesmal mehr als 37.000 Mädchen und Buben der neunten Jahrgangsstufe aus mehr als 1.700 Schulen teil. Bereits vor acht Jahren wurden Kompetenzen der neunten Klassen geprüft - daher ist für Deutsch und Englisch jetzt ein Langzeitvergleich möglich. In Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz wurde zusätzlich Französisch getestet.

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