Der Tsunami machte 2011 tausende Häuser unbewohnbar.

© EPA/FRANCK ROBICHON

Japan
01/17/2017

Tausenden Fukushima-Flüchtlingen droht Armut

Japanische Behörden streichen rund 27.000 Betroffenen das Wohngeld. Für viele sei die Übernahme der Mietkosten jedoch der "einzige Rettungsanker".

Fast sechs Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima droht tausenden Flüchtlingen der Verlust ihrer bisher kostenlosen Wohnungen in anderen Teilen Japans. Die Behörden streichen rund 27.000 Menschen, die das Gebiet um den Unglücksreaktor nach der Katastrophe im März 2011 freiwillig verlassen hatten, ab Ende März das Wohngeld.

Für viele Betroffene sei die Übernahme der Mietkosten jedoch der "einzige Rettungsanker", sagte die Betroffene Noriko Matsumoto am Dienstag.

Matsumoto lebte früher in Koriyama, rund 50 Kilometer von Fukushima entfernt. Nach der Atomkatastrophe verließ sie ihr Haus, weil ihre zwölfjährige Tochter unter gesundheitlichen Problemen wie Nasenbluten und Übelkeit litt. Obwohl Mutter und Tochter mittlerweile im rund 250 Kilometer entfernten Kanagawa leben, leidet die 55-Jährige nach eigenen Angaben inzwischen selbst unter Beschwerden wie hormonellen Störungen und einem gutartigen Schilddrüsentumor.
"Ich bin wütend, dass die japanische Regierung und die Präfektur Fukushima uns erst stigmatisiert und jetzt fallengelassen haben", sagte Matsumoto vor Journalisten in Tokio. Für viele der sogenannten "freiwillig Evakuierten" sei das Wohngeld die einzige finanzielle Unterstützung. Alleinerziehende Mütter wie sie selbst drohten nun in die Armut abzurutschen.
Ein Sprecher der örtlichen Regierung wies die Vorwürfe zurück. Alle Gebiete, für die es keine offizielle Evakuierungsanordnung gegeben habe, seien inzwischen wieder sicher. Die Bewohner könnten dort wieder ein "normales Leben" führen. Sie hätten daher keinen Anspruch mehr auf eine Ersatzwohnung. Einige Flüchtlinge könnten aber weiterhin ein geringes Wohngeld erhalten.
Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, bei der 18.500 Menschen starben, hatte im Atomkraftwerk Fukushima einen schweren Störfall ausgelöst. Das Kühlsystem fiel aus, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Es war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.
Die Umgebung wurde radioaktiv verseucht, mehr als 160.000 Menschen verließen die verstrahlte Gegend. Einige sind bereits zurückkehrt, viele haben sich aber längst ein neues Leben in anderen Teilen Japans aufgebaut oder haben weiter Angst vor der Strahlung. Nach Behördenangaben gilt die Evakuierungsanordnung noch für rund 84.000 Menschen. Die Aufräumarbeiten in Fukushima sollen noch mindestens drei Jahrzehnte dauern.

AKW nahe New York schließt: Sicherheit von 20 Millionen gefährdet

Aus Sorge wegen erhöhter Konzentration radioaktiver Stoffe im Grundwasser nahe New York sowie wegen anderer Gefahren soll das Atomkraftwerk Indian Point schließen. Der Betreiber habe sich verpflichtet, die beiden noch genutzten Blöcke bis April 2021 herunterzufahren, sagte Gouverneur Andrew Cuomo in einer Rede am Montag. Das AKW gefährde die Sicherheit von 20 Millionen Bewohnern sowie die Umwelt.

Zuvor war es an dem in der Stadt Buchanan gelegenen AKW mehrfach zu Zwischenfällen gekommen, etwa zu einem Stromausfall in einem Reaktorkern und einem Brand an einem Transformator, bei dem auch Öl in den Hudson River gelangte. Cuomo hatte die Vorfälle als "extrem beunruhigend" bezeichnet und sich für eine Schließung des alternden Werks eingesetzt. Anrainer und Aktivisten hatten unter anderem nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die Schließung des Werks gefordert.

Die beiden noch genutzten Blöcke des Kraftwerks wurden 1974 und 1976 in Betrieb genommen. Indian Point kann etwa ein Viertel des Energiebedarfs von New York decken.

Japan erwartet fast doppelt so hohe Kosten nach Fukushima-Unglück

Die Kosten der Fukushima-Reaktorkatastrophe dürften der japanischen Regierung zufolge fast doppelt so hoch liegen wie bisher erwartet. Inzwischen werde von 21,5 Billionen Yen (etwa 177 Milliarden Euro) ausgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium im Dezember mit. Es hatte die Kosten 2013 noch mit elf Billionen Yen beziffert.

"Wegen neuer Entwicklungen und unvorhergesehener Faktoren besteht die Möglichkeit, dass sie noch weiter steigen", sagte Wirtschaftsminister Hiroshige Seko. Die Regierung in Tokio hat Insidern zufolge ihre Kredithilfen für den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks, Tepco, deutlich aufgestockt. Im März 2011 hatten ein Erdbeben und ein Tsunami die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl ausgelöst.

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