Anis Amri

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Berlin-Anschlag
12/28/2016

Amris Bruder: "Westen muss seine Verantwortung übernehmen"

Die Familie vom mutmaßlichen Attentäter von Berlin, Anis Amri, berichtet, dass der Tunesier vom Virus des Fundamentalismus angesteckt worden ist, "nachdem er 2011 Tunesien verlassen hat".

Die Mutter des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri ist der Ansicht, dass ihr Sohn indoktriniert wurde. Im Video, in dem er zu Anschlägen in Europa aufruft, sei er mit Kopfhörern zu sehen. "Es scheint, als würde er aufgenommen werden, während jemand ihm zuflüstert, was er sagen soll", sagte die Frau im Interview mit dem italienischen RAI-Sender RaiNews24.

"Ich bin sicher, dass er nicht aus eigenem Willen gehandelt hat. Er war jung, jemand hat ihn zur Ausführung des Anschlags getrieben."

Ihr Sohn, der am Freitag in Sesto San Giovanni nahe Mailand von einem Polizisten erschossen wurde, spreche in diesem Video nicht frei. "An gewissen Stellen zögert er", meinte die Frau. Sie forderte die italienischen Behörden zur Rückgabe der Leiche ihres Sohnes auf. "Er ist tot und mit ihm ist auch die Wahrheit gestorben", sagte die Frau. Sie und die ganze Familie hätten ihren Sohn verleugnet. "Ich bin sicher, dass er nicht aus eigenem Willen gehandelt hat. Er war jung, jemand hat ihn zur Ausführung des Anschlags getrieben. Ich weiß nicht, wie sie ihn indoktriniert haben", betonte die Frau.

Jemand anderer soll Text geschrieben haben

"Anis ist vom Virus des Fundamentalismus angesteckt worden, nachdem er 2011 Tunesien verlassen hat", berichtete Amris Bruder Mohamed. Im Video spreche der mutmaßliche Attentäter in klassischem Arabisch. Dies bezeuge, dass jemand anderer für ihn den Text geschrieben habe, meinte Mohamed Amri.

"Auch der Westen muss seine Verantwortung übernehmen."

Der Bruder des mutmaßlichen Attentäters drückte seine Solidarität mit den Opfern des Anschlags in Berlin und ihren Familien aus. Er kritisierte jedoch die Behörden in Europa. Amri habe sich zutiefst geändert, nachdem er nach Europa gekommen sei. "Auch der Westen muss seine Verantwortung übernehmen", sagte der Mann.

Journalisten von RaiNews24 interviewten auch Freunde Amris. Diese berichteten, dass der Tunesier keine radikalislamischen Tendenzen hatte. Er habe Alkohol getrunken, gelegentlich war er wegen Raufereien mit anderen Jugendlichen mit dem Gesetz in Konflikt geraten, erzählten sie.