Anis Amri: SIM-Karte und Telefon gefunden

Anis Amri mit seiner Familie
Die Flucht des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri endete am Freitag im italienischen Sesto San Giovanni. Nun laufen die Ermittlungen auf Hochtouren.

Die italienische Polizei ermittelt um die Bahnfahrten des am Freitag getöteten mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri, mit denen er von Frankreich nach Mailand gelangt ist. In mehrere Züge soll der 24-jährige Tunesier eingestiegen sein, um über das französische Chambery die Kleinstadt Sesto San Giovanni nahe Mailand zu erreichen, wo er von einem Polizisten bei einer Kontrolle erschossen wurde.

Fest steht, dass Amri am Donnerstagabend um 20.30 Uhr den Bahnhof Turin Porta Nuova erreicht hatte. Von hier aus soll er drei Stunden später an Bord eines Regionalzuges in Richtung Mailand abgefahren sein. In Mailand traf er gegen 1.00 Uhr Freitagnacht am Hauptbahnhof ein, stellten die Ermittler fest. Wie er dann nach Sesto San Giovanni weitergefahren sei und was er dort tun wollte, ist noch unklar.

SIM-Karte im Rucksack, Mobiltelefon gefunden

Die Ermittler prüfen Aufnahmen von Videokameras der Bahnhöfe in Turin und Mailand, auf denen Amri klar zu sehen ist. Kontrolliert werden auch die Gegenstände, die Amri in seinem Rucksack hatte, unter anderem eine SIM-Karte. Nicht ausgeschlossen wird, dass der Tunesier damit versuchen wollte, sich mit Bekannten in Verbindung zu setzen. Ein Smartphone hatte er jedoch nicht bei sich.

Anis Amri: SIM-Karte und Telefon gefunden
Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri

Aber am Freitag soll die Berliner Polizei nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel das Handy des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri gefunden haben. Es soll sich um ein Mobiltelefon der Marke HTC handeln. Das Telefon wird Amri zugeordnet. Offenbar wurde das Beweisstück - genau wie die Geldbörse Amris - erst viele Stunden nach dem Anschlag gefunden, nämlich am Dienstag bei einer erneuten Untersuchung des Lastwagens durch die Spurensicherung in einer Halle auf dem Gelände der Berliner Julius-Leber-Kaserne.

Der späte Fund, so heißt es aus Berliner Polizeikreisen, sei der "Akribie der Tatortarbeit" geschuldet. Man habe nach dem Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit gearbeitet.

Auch das Handy des ermordeten polnischen Lkw-Fahrers soll inzwischen sichergestellt worden sein. Zeugen hätten das Gerät in der Nähe des Tatorts gefunden und der Polizei übergeben.

Zusammenarbeit mit Polizei

Inzwischen laufen Ermittlungen um die muslimische Gemeinschaft in Sesto San Giovanni. Seit circa 20 Jahren hat sich in der Industriestadt vor den Toren Mailands eine gut integrierte muslimische Gemeinschaft etabliert. Diese signalisierte ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Polizei, um zu klären, warum Amri nach Sesto San Giovanni gereist war.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere hat ein allgemeines Versagen der Sicherheitsbehörden bestritten. "Es gibt bisher juristisch keine ausreichende Möglichkeit, jeden dieser Gefährder rund um die Uhr überwachen zu lassen", sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag.

Zu diesem Zeitpunkt schon ein abschließendes Fazit zu ziehen, wäre nicht seriös, betonte de Maiziere. "Selbstverständlich werden wir den Fall aber bis ins Detail aufarbeiten und einen entsprechenden Bericht vorlegen."

Die Polizei steht in der Kritik, unmittelbar nach dem Anschlag vom vergangenen Montag mit zwölf Toten wichtige Hinweise auf den mutmaßlichen Täter übersehen zu haben. Zudem hatten die Sicherheitsbehörden zuvor eine monatelange Überwachung des als Gefährder eingestuften Tunesiers Anis Amri eingestellt.

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