Chronik | Welt
13.11.2016

Tsunami-Wellen nach Erdbeben in Neuseeland

Nach einem schweren Erdbeben auf der Südinsel Neuseelands wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben. Zwei Tote wurden gemeldet.

Bei dem schweren Erdbeben in Neuseeland sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Das sagte Premierminister John Key am Montag (Ortszeit), ohne Einzelheiten zu nennen.

Nach den schweren Erdstößen auf der neuseeländischen Südinsel rollte ein Tsunami auf die Inseln zu. eine erste Welle hatte die Nordostküste der Südinsel erreicht, teilte der neuseeländische Zivilschutz mit. Die Tsunami-Warnung wurde mittlerweile aber wieder heruntergestuft. Die Zivilschutzbehörde warnte am Montagmorgen nur noch vor Wellen von bis zu einem Meter Höhe an Teilen der Ostküsten von Süd- und Nordinsel Neuseelands. Zuvor hatten an einigen Abschnitten bis zu fünf Meter hohe Tsunami-Wellen gedroht.

Das Beben, das sich in der Nacht zum Montag (Ortszeit, rund 12.00 MEZ am Sonntag) ereignete, hatte laut Deutschem Geoforschungszentrum in Potsdam eine Stärke von 7,9. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke mit 7,8 an, in Neuseeland war von 7,5 die Rede.

Erste Meldungen über Verletzte

Das Beben war im gesamten Land zu spüren, die Behörden warnten die Bevölkerung vor Nachbeben. Den Experten zufolge ereignete sich das Beben in einer Tiefe von zehn Kilometern, das Zentrum lag demnach 90 Kilometer nördlich von Christchurch. Menschen in der Region berichteten in den sozialen Medien von sehr heftigen Erdstößen. Im Internet kursierten Bilder von Schäden: Sie zeigten zerbrochene Glasscheiben, mit Splittern übersäte Gehsteige, Risse in Straßendecken, umgefallene Ziegelmauern, eingerissene Plafonds, beschädigtes Mobiliar. Laut dem Onlineportal stuff.co.nz gab es auch Meldungen über Verletzte.

Das Beben war nicht nur in Christchurch auf der Südinsel, sondern auch in Wellington, Taranaki, Hamilton und Auckland auf der Nordinsel sehr deutlich zu spüren. In der Region Taranaki fiel in mehreren Städten der Strom aus.

Hunderte Menschen in den Straßen

In der Hauptstadt Wellington sammelten sich Hunderte Menschen in den Straßen, während Alarmsirenen heulten und Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge durch die Straßen jagten. Von einigen Gebäuden schienen Mauerteile auf die Straße gefallen zu sein. In der Nähe des Civic Square zitterten Hotelgäste in Bademänteln und warteten darauf, in ihr Gebäude zurück zu dürfen. In einer nahen Bar trotzten die Stammgäste dem Chaos, sie tranken und rauchten weiter.

In Christchurch, der größten Stadt der Südinsel, verließen die Bewohner der Uferzonen ihre Häuser in Richtung höher gelegener Stadtteile. Es wurde dichter Autoverkehr gemeldet. Viele Menschen standen auf den Straßen und teilten auf Mobiltelefonen mit, dass sie wohlauf seien. Eine Studentin sagte, sie könne Freunde in der Kleinstadt Waiau unweit von Hanmer Springs nicht erreichen. "Es gibt sechs Menschen in Waiau, die niemand erreichen kann", sagte sie. Schließlich wurden auch Nachbeben registriert.

Unsanftes Erwachen

In Hamilton (Nordinsel) gab es für Wayne Timmo ein unsanftes Erwachen, als die Küchenmarkise gegen das Fenster schlug. "Das Wasser im Swimming Pool des Nachbarn schwappte hin und her und die vom Erdbeben geweckten Leute liefen auf die Straße", sagte er. Die Reporterin Rachel Thomas berichtete stuff.co aus Hataitai am Stadtrand von Wellington, sie und ihre Mitbewohner seien vom Ächzen des Daches geweckt worden. "Unser Nymphensittich fiel von seiner Stange. Wir drei drängen uns im Morgenmantel unter dem Küchentisch mit einem zitternden Vogel zwischen uns."

Eine Polizeisprecherin in Christchurch, der größten Stadt der Südinsel Neuseelands, sagte, bis auf ein Loch in einer Straße seien noch keine Schäden gemeldet worden. "Seien Sie nur vorsichtig auf den Straßen wegen möglicher Schäden", sagte sie.

Schweres Erdbeben im Jahr 2011

In Christchurch waren im Februar 2011 insgesamt 185 Menschen durch einen Erdstoß der Stärke 6,3 ums Leben gekommen. Im September hatte ein Erdbeben der Stärke 7,1 an der Ostküste Neuseelands einen kleinen Tsunami ausgelöst, bei dem es aber nicht zu größeren Schäden kam.

Der pazifische "Ring of Fire"

Neuseeland liegt am sogenannten "Ring of Fire" (Ring aus Feuer) rund um den Pazifik. In dieser hufeisenförmigen Zone befindet sich etwa die Hälfte aller aktiven Vulkane weltweit. Das Gebiet reicht von der südamerikanischen Westküste über die Westküste der USA, Russland und Japan bis nach Südostasien und Neuseeland.

Längs des "Ring of Fire" treffen verschiedene Erdplatten aufeinander und es kommt zu Verschiebungen - die Folge sind Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis. Die Region gilt als eine der geologisch gefährlichsten Zonen weltweit. Etwa 90 Prozent aller Erdbeben ereignen sich dort.