Barry Steenkamp

© REUTERS/POOL

Südafrika
06/14/2016

"Sie muss so viele Schmerzen gehabt haben"

Beim Pistorius-Prozess rührte der Vater von Reeva Steenkamp mit einer emotionalen Aussage.

Während einer emotionalen Aussage vor Gericht hat der Vater der von Oscar Pistorius erschossenen Reeva Steenkamp über den Verlust seiner Tochter gesprochen. Barry Steenkamp weinte am Dienstag, dem zweiten Tag der Verhandlung über das Strafmaß für den einstigen südafrikanischen Profisportler. Weitere Zeugenaussagen ergaben ein widersprüchliches Bild des Angeklagten.

Pistorius hatte am Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen. Er war in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Davon leistete er ein Jahr ab, bevor die Strafe in Hausarrest umgewandelt wurde. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen Mordes. Pistorius drohen nun mindestens 15 Jahre Haft.

Insulinspritzen

Er habe sich nach dem Tod seiner Tochter mit Insulinspritzen Verletzungen zugefügt, erklärte Barry Steenkamp. "Ich habe Diabetesnadeln in meine Arme und meinen Bauch gestochen, um den gleichen Schmerz wie Reeva zu fühlen." Als er vom Tod seiner Tochter erfahren habe, sei er in Panik ausgebrochen. "Was sie in diesen letzten Sekunden durchlebt haben muss, in diesen wenigen Sekunden - sie muss so viele Schmerzen und Angst gehabt haben."

Steenkamp leidet seitdem unter Schlaflosigkeit und hat schwere gesundheitliche Probleme. Zu Weihnachten stelle die Familie immer noch einen Sessel für Reeva auf, und auch ihr Geburtstag werde weiterhin gefeiert, sagte Steenkamp. "Oscar muss bezahlen für das, was er getan hat."

Pistorius sei eine "gewalttätige Person"

Eine Gefängnis-Krankenschwester berichtete im Zeugenstand von mehreren Streitigkeiten, die sie mit Pistorius während seiner Zeit in Haft hatte. "Er ist eine gewalttätige Person", sagte Charlotte Mashabane. Pistorius sei laut geworden, habe auf den Tisch gehauen und vor Wut gezittert. Ein von der Verteidigung bestellter Pastor bezeichnete Pistorius hingegen als "gebrochenen Mann", der Trauer empfinde.

Pistorius hörte den Aussagen regungslos zu. Bekleidet mit einem schwarzen Anzug saß er ruhig auf der Bank im Gerichtssaal und schaute oft auf den Fußboden. Am Montag hatte ein von der Verteidigung bestellte Gutachter erklärt, Pistorius leide an Depressionen und könne daher nicht aussagen. Die Verhandlung um das Strafmaß soll spätestens am Freitag abgeschlossen werden.

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