Chronik | Welt
31.01.2018

Tutenchamun: Das Rätsel um versteckte Grabkammer

Neue Forschungen sollen Geheimnis um Tutanchamun-Grab endgültig lüften.

Es waren nur ein paar schemenhafte und unter Einsatz von hochauflösender Bildgebung sichtbare Linien, doch sie sollten 2015 für die sensationellste Theorie in der Ägyptologie seit Jahrzehnten sorgen. Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves hatte diese Linien in der Grabkammer von Tutanchamun im Tal der Könige entdeckt und sah sie als eindeutigen Hinweis darauf, dass sich hinter dem Grab des kindlichen Pharao noch weitere Kammern befinden könnten. Die entdeckten Linien seien Risse, die an den Rändern zweier verschlossener Grabkammern aufgetreten waren.

Reeves vermutete sogar, dass es sich um das bisher unentdeckte Grab der Königin Nofretete handeln könnte. Sollte also das Grab des Tutanchamun der Ägyptologie ein zweites Mal eine Sensation liefern? Ägyptische Regierungsstellen sprachen bereits von der Entdeckung des Jahrhunderts.

Die Öffnung des Grabes des so jung, mit 19 Jahren, verstorbenen Pharaos durch Howard Carter in den 1920er-Jahren hatte der Archäologie völlig neue Erkenntnisse gebracht. Reeves spekulierte, dass auch die verborgenen Grabkammern – so wie jene von Tutanchamun – nie von Grabräubern entdeckt und geplündert worden waren. Die mit Schätzen gefüllte Grabanlage des um 1330 vor Christus verstorbenen Tutanchamun lieferte ja Wissenschaft und Museen bis heute einzigartiges Material.

Letzter Anlauf

Doch nach dem monatelangen Hype um die möglichen neuen Kammern im berühmten Grab mit der Kennziffer KV62 kehrte Ernüchterung ein. Erste, vielversprechende Radaraufnahmen eines japanischen Experten wurden bei folgenden Scans nicht bestätigt. Geophysiker Dean Goodman sagte dem Magazin National Geographic: "Wenn wir einen Hohlraum hätten, müsste es eine starke Reflexion geben." Diese gebe es aber schlicht und einfach nicht.

Neue Messungen eines italienischen Teams sind nun vielleicht die letzte Chance, um Reeves’ Theorie doch noch einmal Leben einzuhauchen. Von dieser Woche an dürfen Wissenschafter der Polytechnischen Universität in Turin zusammen mit weiteren Experten Radarmessungen in der Grabkammer des Kindkönigs durchführen, wie die Hochschule mitteilte.

Dem Chef des Forscherteams, Franco Porcelli, zufolge werden für die Aufnahmen bis zum 6. Februar drei verschiedene Radarsysteme der neuesten Art eingesetzt. Damit könnten versteckte Strukturen im Umfeld des Grabes – oder ihre Abwesenheit – mit einer Sicherheit von 99 Prozent aufgespürt werden. Die Auswertung der Bilder könnte allerdings Wochen bis Monate dauern.