31 Tote bei Waldbränden: "Wie nach Bombenangriff"

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Foto: APA/AFP/JOSH EDELSON Verbrennenden Weinreben im Napa Valley

In Kalifornien wüten weiter schwere Brände. Die Ursachen sind unklar, befeuern aber die Debatte über den Klimawandel

„Wir sind weit davon entfernt, dass es zu Ende ist“, sagt Ken Pimlott, Direktor von CalFire, jener Organisation, die seit Tagen versucht, die verheerenden Brände im Westen der USA unter Kontrolle zu bringen: Mindestens 31 Menschen sind dabei bisher gestorben; und die Zahl wird, so befürchtet man, noch weiter steigen. Mehrere Hundert Menschen sind als vermisst gemeldet. Viele Gebiete sind ohne Strom und Telefonnetz, was das Auffinden von Angehörigen schwierig macht.

Seit dem Ausbruch der Brände in der Nacht zum Montag kämpfen Tausende Feuerwehrleute gegen die Flammen in der Weinanbauregion nördlich von San Francisco an. Nach Schätzungen wurden mehr als 3500 Häuser zerstört; die Areael sehen aus „wie nach einem Bombenangriff“, sagt Joe Nielsen dem San Francisco Chronicle. Er ist einer von Dutzenden Weinbauern aus Napa Valley, dem wohl berühmtesten Anbaugebiet Kaliforniens, wo die schlimmsten Feuer wüten.

Asche und Knochen

US-FIRE-CALIFORNIA Foto: APA/AFP/JOSH EDELSON Derzeit ist die Polizei mit Spürhunden in den ausgebrannten Vierteln unterwegs, denn die Identifizierung der Leichen sei schwierig, so Polizeichef Rob Giordano. „Wir finden Leichen, die fast unversehrt sind, von anderen Leichen sind nur noch Asche und Knochen übrig“. Es sei „unrealistisch“ zu hoffen, dass nicht noch mehr Opfer gefunden werden, erklärte Giordano.

Das Inferno forderte damit schon mehr Menschenleben als das verheerende Feuer von 1991 in den Hügeln der Stadt Oakland, bei dem mehr als 2800 Häuser abbrannten. 25 Menschen kamen damals ums Leben. Der Sachschaden des „Oakland Hills“-Feuers wurde auf zwei Milliarden Dollar beziffert.

Mehrere zehntausend Menschen sind zudem  auf der Flucht, „sie überfahren rote Ampeln, es gibt Chaos“, sagt Ron Dodds, ein Bewohner der am stärksten betroffenen Region, dem regionalen Sender KTVU. „Es war wie im Armageddon.“ In der Region hätte jetzt eigentlich die Weinernte beginnen sollen, viele Touristen halten sich darum dort auf. Stattdessen gelten nun in manchen Städten Ausgangssperren, weil man  Angst vor Plünderungen hat, und man hat den   Ausnahmezustand ausgerufen: „Die Hitze, die  geringe Luftfeuchtigkeit und die starken Winde machen es schlimmer“, so Gouverneur Jerry Brown.

Die Klima-Frage

US-MULTIPLE-WILDFIRES-CONTINUE-TO-RAVAGE-THROUGH-C Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/DAVID MCNEW Er hat bereits am Dienstag auch um Hilfe aus Washington gebeten, denn die Katastrophe könne nicht allein mit Mitteln des Bundesstaates bewältigt werden, so der Demokrat Brown in seinem Fünf-Seiten-Brief an Präsident Trump. Leicht hat er es nicht in Washington: Kalifornien ist wegen seiner Alleingänge gegen Trumps Immigrations-Ideen im Weißen Haus nicht gut angeschrieben.

Auch die Stimmen, die auf einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den Bränden hinweisen, wird man dort nicht gerne hören. Davon  gibt es allerdings nicht zu wenige: Derzeit wird noch gerätselt, ob die Feuer durch Brandstiftung, Funkenflug von Stromleitungen oder etwas anderes ausgelöst wurden - ein Grund sei aber jedenfalls der extrem heiße Sommer dieses Jahr gewesen, so Experten. Belegen lässt sich das auch im Rückblick:  Seit den 1970ern hat sich die Zahl der Waldbrände im Westen versiebenfacht; die Universität Madison schätzt, dass  die Hälfte aller Waldbrände  in den vergangenen 30 Jahren durch wärmere Temperaturen, dürre Böden und vertrocknete Pflanzen entstanden sind.

(kurier/dpa / ep) Erstellt am
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