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© REUTERS/BAZ RATNER

Nahost
11/27/2016

Waldbrände als neue Form des Terrors?

In Israel glaubt inzwischen niemand mehr, dass es bei den Großbränden der vergangenen Tage um reine Naturereignisse handelt. Regierungspolitiker und Medien sprechen von einer neuen Form des Terrors.

Tagelang wüteten Großbrände in Israel und im Westjordanland. Dörfer und Viertel in Haifa, der drittgrößten Stadt Israels, mussten zwangsevakuiert werden. Auch in der jüdischen Siedlung Halamish bei Ramallah im Westjordanland wurden nach Polizeiangaben Dutzende Häuser zerstört oder beschädigt. Weitere Brände waren aus den Siedlungen Dolev, Alfei Menashe und Karnei Shomron gemeldet worden. Zehntausende Menschen waren gezwungen, in Hotels, bei Verwandten oder in Stadien zu übernachten. Erst am Sonntag teilte die israelische Feuerwehr mit, dass es keine aktiven Brandherde mehr gebe. Die Lage habe sich beruhigt.

Doch auch nach den meterhohen Feuerwänden, die nach Behördenangaben einen Schaden in Höhe von 113 Millionen Euro verursacht und mehr als 570 Häuser unbewohnbar gemacht haben, herrscht noch immer eine latente Gefahr in Nahost. Denn offenbar sind die Brände absichtlich gelegt und politisch motiviert worden.

Zwar leistete das Wetter einen entscheidenden Beitrag. Die heißen Sommermonate führten zu einer Dürre in den Wäldern des Nordens, und die Winterregen lassen in diesem Jahr auf sich warten. Doch dass es sich bei den Bränden um reine Naturereignisse handelt, glaubt inzwischen niemand mehr. Israelische Medien sprechen gar von einer "Feuer-Intifada" gegen ihr Land.

35 mutmaßliche Brandstifer festgenommen

Sicherheitskräfte haben seit Beginn der landesweiten Brandserie 35 mutmaßliche Brandstifter festgenommen. Die meisten stammten aus den Palästinensergebieten, berichtete der israelische Rundfunk am Sonntag. Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit, habe zur Zerstörung der Häuser von Brandstiftern aufgerufen. Erdan sprach von einer neuen Form des Terrors und schätzte, dass mehr als die Hälfte der Brände absichtlich gelegt wurden. Polizeikommandeur Roni Alsheich sagte in Haifa: "Wer ein Feuer legt, tut das nicht einfach nur aus Pyromanie. Es ist anzunehmen, dass die Feuer aus nationalen Motiven gelegt wurden."

Auch Premierminister Benjamin Netanyahu sprach von "Terrorismus". Er kündigte an, wer auch immer versuche, Teile Israels in Brand zu setzen, werde bestraft.

Der Politikwissenschaftler Shaul Bartal von der Bar Ilan Universität in Tel Aviv geht sogar noch weiter. Gegenüber Spiegel Online sagt er, dass die Brandstiftung bereits seit den Dreißigerjahren von den Palästinensern als Waffe benutzt wird. "Allerdings habe es noch nie Feuer von solch einem Ausmaß gegeben."

Er sei überzeugt, dass die Feuer um Haifa waren koordiniert und organisiert. "Das waren keine Einzeltäter." Mehrere Brände seien gezielt zur gleichen Zeit gelegt worden. Außerdem hätten die Täter Windrichtungen gekannt und genutzt, um möglichst viel Zerstörung zu erreichen.

Feuer macht keinen Unterschied zwischen Juden und Araber

Vertreter der israelischen Araber, die 17,5 Prozent der Bevölkerung in Israel ausmachen, wiesen die Vorwürfe scharf zurück. Sie seien von den Feuern ebenso betroffen wie ihre jüdischen Nachbarn, erklärten sie, das Feuer mache keinen Unterschied zwischen Juden und Araber. Zugleich warfen sie der Regierungskoalition in Israel vor, die Brände politisch zu instrumentalisieren. Die Rede war von einer "Hetzkampagne" gegen arabische Israelis und Palästinenser.

An den Löscharbeiten beteiligte sich neben den israelischen Einsatzkräften auch die palästinensische Feuerwehr. Das führte auch zu einer eher ungewöhnlichen Aktion Netanyahus. Er dankte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas am Samstag für palästinensische Hilfe bei der Bekämpfung gedankt. Er habe Abbas am Abend angerufen, teilte sein Büro mit.

Während des Gesprächs habe er Dankbarkeit darüber ausgedrückt, dass die Palästinenser acht Feuerwehrwagen und 40 Einsatzkräfte nach Israel geschickt haben. "Netanyahu schätzt auch die Tatsache, dass Juden und Araber Opfer der Feuer in ihren Häusern aufgenommen haben", hieß es in der Mitteilung. Auch Oppositionsführer Yitzhak Herzog dankte den Palästinensern und äußerte die Überzeugung, "dass aus dieser Tragödie ein Schimmer der Hoffnung erwächst, dass die Dinge anders sein können".

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