Ein zerstörtes Gebäude in der italienischen Stadt Visso

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Region Marke
10/27/2016

Erdbeben in Mittelitalien: Tausende verbrachten die Nacht im Freien

Bei dem Erdbeben sind am Mittwoch auch zahlreiche Kirchen eingestürzt. "Es ist wie nach einem Bombenangriff".

Nach drei schweren Erdbeben, die am Mittwochabend die mittelitalienische Region Marke erschüttert hatten, haben tausende Menschen in der Region Marken die Nacht in Autos oder in Notunterkünften verbracht. Trotz heftiger Regenfälle verzichteten sie darauf, in ihre teils beschädigten Wohnungen zurückzukehren. Die Gemeinden organisierten Zelte und Notunterkünfte.

EU verspricht "volle Solidarität"

Die Erdbeben in Mittelitalien waren auch in Teilen Österreichs spürbar. Donnerstag am späten Vormittag wurde neuerlich ein deutlich spürbares Nachbeben gemeldet.

Die EU-Kommission hat Italien "volle Solidarität" nach dem neuerlichen Erdbeben in Mittelitalien versichert. Auf Ansuchen der italienischen Stellen sei der Notdienst des EU-Beobachtungsprogramm Copernicus aktiviert worden, um Satellitenbilder von dem Schadensausmaß in der betroffenen Region zur Verfügung zu stellen, erklärte die EU-Behörde am Donnerstag in Brüssel.

"Alptraum-Nacht"

"Wir haben eine Alptraum-Nacht erlebt", berichteten Betroffene. Die schlechte Wetterlage und Stromausfälle erschwerten den Einsatz der Feuerwehrmannschaften in den am stärksten betroffenen Ortschaften Ussita, Camerino, Visso und Castelsantangelo sul Nera. Erhebliche Sachschäden gab es auch in Arquata del Tronto, einer bereits beim Beben am 24. August schwer zerstörten Gemeinde. In der ganzen Region Marken sollten am Donnerstag die Schulen geschlossen bleiben.

Wahrscheinlich in Folge des Erdbebens hat ein 73-Jähriger nach offiziellen Angaben einen Herzinfarkt erlitten und ist gestorben. Der Schock könnte den Infarkt ausgelöst haben, Todesopfer, die auf Schäden an Gebäuden zurückzuführen seien, wurden nicht gemeldet.

Krankenhaus aus Sicherheitsgründen evakuiert

In Visso war der heftigste Erdstoß gemessen worden. Die Stärke variierte nach Angaben unterschiedlicher Erdbebenwarten zwischen 5,9 und 6,1 auf der Richter-Skala. Viele hatten hier wegen eines Vorbebens schon ihre Häuser verlassen und hielten sich im Freien auf. Das Krankenhaus der Kleinstadt Norcia in Umbrien, Heimatort des Heiligen Benedikts, wurde aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Patienten wurden in das Krankenhaus der Stadt Spoleto gebracht.

Zahlreiche Kirchen schwer beschädigt

Auch schwere Schäden am Kulturerbe der Region Marken wurden gemeldet. Zahlreiche Kirchen der Gegend wurden schwer beschädigt. Der Kirchenturm des Wallfahrtsorts von Santa Maria in Via in der Kleinstadt Camerino stürzte auf ein gegenüber liegendes Gebäude. Der Kirchturm war bereits 1997 von einem Erdbeben beschädigt und restauriert worden. Dem Erdbeben am 24. August hatte der Kirchentum noch Stand gehalten. "Ganz Camerino ist mit seinem historischen Kern ein Monument. Die Sachschäden sind enorm. Auch die Kirche des Heiligen Philipp hat schwere Schäden erlitten", berichtete der Bürgermeister von Camerino Gianluca Pasqui.

Auch in Visso stürzte eine Kirche ein. "Es ist wie nach einem Bombenangriff", berichteten Augenzeugen. Der Erzbischof von Spoleto-Norcia, Renato Boccardo, berichtete, dass die Kirche San Salvatore in Campi di Norcia, rund 20 Kilometer südlich von Visso, eingestürzt sei. Im umbrischen Norcia, Geburtsstadt des Heiligen Benedikt (geb. 480), waren auch nach dem Erdbeben vor zwei Monaten Sachschäden gemeldet worden.

"Erdbeben ohne Ende"

"Das Erdbeben ohne Ende", titelte die römische Tageszeitung La Repubblica. "Als Mittelitalien dabei war, sich von der Katastrophe vom 24. August zu erholen, bebt die Erde wieder. Zum Glück gibt es keine Todesopfer", kommentierte Zivilschutzchef Fabrizio Curcio. Seismologen schlossen nicht aus, dass die drei Beben am Mittwochabend mit dem verheerenden Erdstoß am 24. August verbunden sind.

Erinnerung an Amatrice

Die Erdstöße ereigneten sich in jener Region, die erst Ende August von einem heftigen Beben getroffen worden war. Damals kamen 298 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in der Ortschaft Amatrice. Der dortige Bürgermeister Sergio Pirozzi sagte, auch in seinem Ort sei es erneut zu Schäden gekommen. Viele Menschen verbrachten die Nacht in einer Sporthalle.

Weitere Nachbeben wurden am frühen Donnerstag gemeldet, zwei davon mit einer Magnitude über 4.0, teilte das nationalen Institut für Geologie und Vulkanologie mit. Ein Beben mit Magnitudo 4.1 wurde um 5.19 Uhr wahrgenommen. Es folgte ein weiteres um 4.4 um 5.50 Uhr.

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