Ex-Miss Universe Alicia Machado wurde von Trump „Miss Piggy“ genannt

© APA/AFP/JOSEPH L. HUGHES

USA
10/01/2016

Die Schönen und das Biest

Clintons Wahlkampagne erwischt Herausforderer Trump an seiner Achillesferse: Macho-Allüren.

von Konrad Kramar

Die Musik säuselt, der Weichzeichner lässt die Gesichter der Teenager-Mädchen noch sanfter wirken, wenn sie unsicher in die Kamera lächeln. Doch dann fährt dröhnend laut die Männerstimme über die netten Bilder drüber: "Fette Sau, Fressmaschine, Schlampe", eine brutale Beschimpfung nach der anderen, von einer Stimme, die perfekt nach Donald Trump klingt.

Am Ende all dieser verbalen Misshandlungen steht nur noch eine Frage: "Wollen Sie diesen Mann als Präsi-denten für unsere Töchter?" Der jüngste Werbespot von Hillary Clintons Werbekampagne setzt gezielt auf das Thema, das den US-Wahlkampf seit der TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten zu Wochenbeginn beherrscht. Clinton hatte Trump dort mit dem Vorwurf attackiert, er habe 1996 eine Miss Universe aus Lateinamerika namens Alicia Machado als "Miss Piggy" und als "Miss Putzfrau" – die meisten Putzfrauen in den USA sind Latinas – herabgewürdigt.

Trump wich dem Angriff etwas ungeschickt aus, ließ sich aber davon nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Schließlich schien die Angelegenheit zwei Jahrzehnte alt. Doch Clintons Wahlkampfteam setzte schon am nächsten Tag nach, mit einem brandaktuellen Interview mit Alicia Machado. Darin ließ sich die ehemalige Schönheitskönigin über Trumps offensichtlich menschenunwürdigen Umgang mit ihr aus, erzählte, wie er sie öffentlich gedemütigt hatte, weil sie nach der Wahl ein paar Kilo zugenommen hatte. Trump, damals Inhaber des gesamten Miss-Unternehmens, zwang sie, in einem Fitnessstudio vor laufender Kamera zu trainieren, und ließ sich dabei über ihre Figur aus. Sie habe jahrelang unter Depressionen und Bulimie gelitten, sei in psychiatrischer Behandlung gewesen, gestand die Venezolanerin.

"Zu viel zugenommen"

Dass Machado wegen ihres Gewichtes damals von zahlreichen Medien bösartig veräppelt worden, Trump also nur einer von vielen war, ging in der Debatte völlig unter. Denn während der Milliardär mit seiner öffentlichen Rechtfertigung – "sie hatte ja wirklich viel zu viel zugenommen" – nur noch weiter seine völlige Ignoranz bei dem heiklen Thema unter Beweis stellte, tauchen jetzt im Stakkato ganz ähnliche Vorwürfe auf. Weitere ehemalige Teilnehmerinnen an Trumps Schönheitswettbewerben gehen mit ähnlichen Vorwürfen an die Öffentlichkeit, die LA Times berichtet, dass sich Trump für einen seiner Golfplätze die Mitarbeiterinnen nach Aussehen und Gewicht ausgesucht hat.

Für den Republikaner ist das ein Wahlkampf-Desaster, nicht nur weil es um weibliche Wähler geht, bei denen er ohnehin nicht punkten kann, sondern auch weil es ihn bei seinen schlimmsten menschlichen Schwächen erwischt hat: Seine grundsätzlich verachtende Haltung gegenüber Frauen und seine Besessenheit beim Thema Übergewicht. Die Biografie des zum dritten Mal verheirateten Milliardärs ist gepflastert mit völlig ungebremsten verbalen Entgleisungen, die nicht nur seine Ehefrauen betreffen. So plauderte er in Interviews gerne darüber, dass ihm das wichtigste an seiner derzeitigen Gemahlin Melania ihr – zumindest nach US-Medienberichten – chirurgisch aufgerüsteter Busen sei. Als Megan Kelly, Starmoderatorin des ihn eigentlich vorbehaltlos unterstützenden rechten TV-Nachrichtensenders Fox News, ihm vor einigen Monaten seine Macho-Allüren vorhielt, kanzelte er sie mit den Worten, sie sei ja eine, "die aus zahlreichen Löchern blutet", ab.

"Fett, hässlich"

Am schlimmsten aber wird es, wenn der selbst übergewichtige Trump sich über zu viele Kilos bei Frauen auslässt. Die ehemalige Miss ist da kein Einzelfall. Da fällt dem Kandidaten zu einer TV-Satirikerin, die ihn parodiert hatte, nur ein, dass sie ein "fettes, hässliches Gesicht" habe, da fantasiert er über einen angeblichen weiblichen Computer-Hacker, der mit 200 Kilo vor dem Bildschirm hocken würde.

In den sozialen Medien kocht die weibliche Empörung täglich höher, auch weil nicht nur Trumps patzige Gegenwehr die Sache weiter anheizt, sondern weil auch seine engsten Verbündeten kräftig ins Fettnäpfchen treten. Newt Gingrich, einst mächtiger Fraktionschef der Republikaner, meldete sich zu Wort: Eine Miss World könne eben nicht einfach so hemmungslos essen und zunehmen. Dabei, so antwortete ein Kommentator prompt, "hat der Mann selbst einen Autoreifen umgeschnallt".

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