Chronik | Welt
29.10.2016

Mexiko City imitiert Totenparade aus Bond-Film

Der traditionell wirkende Umzug aus "Spectre" war nur eine Erfindung der Filmemacher. Jetzt will Mexiko City aus dem echten "Tag der Toten" ein großes Event machen.

James Bond geht durch eine feiernde Menschenmasse in Mexiko City. Es ist ”Día de los Muertos”, Tausende Menschen sind als Skelette verkleidet und tanzen durch die Straßen. Am Höhepunkt der opulenten Eröffnungsszene des Actionreißers "Spectre” liefert sich Darsteller Daniel Craig einen Kampf in einem Helikopter, der gefährlich nah über den (Toten-)Köpfen hin- und hertrudelt.

Mehr Aufmerksamkeit kann man sich als Tourismusland kaum wünschen, als gleich zu Beginn eines Bond-Films elf Minuten lang ins Bild gerückt zu werden. Schon Monate vor der weltweit erwarteten Kinopremiere im vergangenen Herbst wurde über die aufwendigen Dreharbeiten für die traditionelle ”Tag der Toten”-Parade berichtet. Allein: Im echten Leben Mexikos existiert so eine große Parade gar nicht. Es wird zwar jedes Jahr Ende Oktober der ”Tag der Toten” gefeiert, aber es gibt eben keine Totenparade in Mexiko City.

Wenn das Leben einen Film imitiert

Bis jetzt. Denn das internationale Interesse an dem Film und an dem Karneval der Skelette war so groß, dass sich die mexikanische Regierung gezwungen sah, tatsächlich so eine Parade auszurichten, berichtet CNN. Aus Fiktion wird also Realität. Heute, Samstag, am 29. Oktober, wird also die erste ”Día de los Muertos”-Parade in Mexiko City über die Bühne gehen. Beginnen wird sie am Nachmittag (20 Uhr MEZ) am Platz des Unabhängigkeitsengels. Enden wird die 3,5 Kilometer lange Route am Zócalo, dem riesigen Hauptplatz der riesigen Stadt. Dort, wo Bond im Film mit dem Helikopter kreiste.

150.000 bis eine Million Menschen erwarten die Veranstalter. Vielleicht besänftigt der Zustrom auch jene Einzelhändler, die während der "Spectre"-Dreharbeiten zusperren mussten und insgesamt finanzielle Einbußen in Millionenhöhe hinnehmen mussten.

Eine der Gestalterinnen der Parade sagte gegenüber CNN über die Beweggründe: ”Wir wollten die Aufmerksamkeit durch den Film nützen und die Ehre, die wir den Toten erweisen, auch auf die Straßen bringen. Es ist eine Gelegenheit für alle Mexikaner, der Welt ihre Tradition zu zeigen.”

Uraltes Kulturerbe

Gemäß eines uralten Glaubens besuchen die Toten einmal im Jahr die Lebenden und kehren zu ihren Familien zurück. Was furchteinflößend klingen mag, ist ein lebensbejahendes, fröhliches Fest, bei dem im ganzen Land farbenprächtig gestaltete Altäre aufgestellt werden. Den Toten werden süße Leckereien wie Zucker-Totenköpfe gereicht - und natürlich jede Menge Tequila.

2003 wurde der Brauch, der in verschiedenen Landesteilen jeweils anders gefeiert wird, von der UNESCO zum ”Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit” ernannt.