Chronik | Welt
16.03.2016

Polizei-Aktion in Brüssel: Zwei Verdächtige auf der Flucht

Polizei geht weiterhin gegen mögliche Beteiligte an den Terroranschlägen von Paris vor. Getöteter war Algerier.

[Update: 12:32 Uhr]

Einen Tag nach dem Anti-Terror-Einsatz in der Brüsseler Gemeinde Forest hat es am Mittwoch erneut einen Polizeieinsatz gegeben. In dem Viertel seien mehrere Häuser evakuiert worden, wie der Fernsehsender RTBF berichtete. Bei dem rund einstündigen Einsatz sei nach Flüchtigen der gestrigen Schießerei - bei dem ein Attentäter getötet und vier Polizisten verletzt wurden - gesucht worden.

Zwei Verdächtige sind weiterhin auf der Flucht. Das bestätigte die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Außerdem wurden am Dienstagabend zwei Verdächtige in der Nähe der belgischen Hauptstadt festgenommen. Über deren Identität wollte die Staatsanwaltschaft noch nichts sagen. Nach Angaben der Zeitung La Derniere Heure (DH) soll nach zwei Brüdern - Khalid und Ibrahim El B. - gefahndet worden sein, die wegen Banditentum und Terrorismus gesucht werden.

Getöteter war Algerier

Bei dem am Dienstag von der Polizei getöteten Angreifer handelte es sich den Angaben zufolge vermutlich um einen radikalen Islamisten. Bei ihm wurden eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sowie ein Buch zum Salafismus gefunden. Der von einem Scharfschützen getötete Mann sei ein 1980 geborener Algerier, hieß es. Er lebte illegal in Belgien und war bisher lediglich wegen eines Diebstahl-Delikts aufgefallen.

Der Anti-Terror-Einsatz in dem Brüsseler Stadtteil Forest stand im Zusammenhang mit Ermittlungen zu den jüngsten Anschlägen von Paris. Am 13. November hatten dort mehrere Attentäter im Konzertsaal "Bataclan", an verschiedenen Bars und Restaurants sowie am Fußballstadion im Vorort Saint-Denis insgesamt 130 Menschen getötet.

Anrainer überrascht

Sicherheitskräfte hatten am Dienstag einen Einsatz in der Gemeinde Forest gestartet. Dabei wurde der Verdächtige, der laut Staatsanwaltschaft mit einem Schnellfeuergewehr bewaffnet war, getötet. Der Einsatz hatte bereits am Nachmittag begonnen. Es fielen Schüsse, dabei wurden die Polizisten leicht verletzt. An der Anti-Terror-Aktion waren nach Angaben des belgischen Innenministeriums auch französische Ermittler beteiligt. Unter den Verletzten ist demnach auch eine französische Polizistin. Zwei der Verletzten hätten das Krankenhaus schon wieder verlassen, heißt es laut Informationen der Staatsanwaltschaft.

Die Beamten riegelten das Areal in Forest weiträumig ab. Bürger konnten zunächst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. "Ich bin sehr überrascht. Das ist eigentlich ein familiäres und ruhiges Viertel", sagte eine Anrainerin. Sie habe stundenlang an einer Absperrung warten müssen, um zu ihrem Sohn zu gelangen. Forest ist ein sozial gemischtes Viertel mit einem großen Audi-Werk.

Abdeslam weiter flüchtig

Der 26 Jahre alte Franzose Salah Abdeslam soll nicht in die Vorgänge involviert gewesen sein. Abdeslam steht im Verdacht, an den Pariser Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Er ist deswegen einer der meistgesuchten Terroristen Europas. Abdeslam ist zugleich Bruder eines der Selbstmordattentäter, die sich in Paris mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gesprengt hatten. Wie andere berüchtigte Islamisten wuchs auch er in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek auf. Diese gilt als Islamistenhochburg.

Bei den Pariser Anschlägen vom 13. November hatten mehrere Attentäter im Konzertsaal "Bataclan", an verschiedenen Bars und Restaurants sowie am Fußballstadion im Vorort Saint-Denis zugeschlagen. Insgesamt starben bei der Terrorserie 130 Menschen.