Uli Hoeneß muss um die Freiheit zittern

Uli Hoeneß’ Tränen über den Fan-Zuspruch nach seinem Geständnis. © Bild: APA/MARC MUELLER

Der FC Bayern-Chef steht ab Montag vor Gericht. Ein Urteil ist schon fix: Als Vorbild hat er ausgedient.

Er gilt den Medien schon jetzt als "Prozess des Jahres": Eine weitere Lichtgestalt der deutschen Gesellschaft muss sich wegen Steuerhinterziehung verantworten. Uli Hoeneß ist als Präsident des auch international führenden deutschen Fußballklubs der erfolgreichste Sportmanager Europas, war selbst verdienter Nationalspieler und brachte es seither auch zum Wurstfabrikanten. Die Achtung der Gesellschaft für diese Multikarriere nutzte er als moralische Instanz mit anerkanntem sozialem Engagement und emotionalen TV-Auftritten: Er verdammte gierige Banker und verlangte strenge Regeln für die Finanzmärkte: "Zocken gehört verboten", war einer seiner Hauptsätze.

"Sulidarität": Prozessbeginn in München

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Bayern Munich President Hoeness arrives for his tr

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Supporter of Bayern Munich President Hoeness await

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Prozessauftakt gegen Uli Hoeneß

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Uli Hoeness

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Rupert Heindl

Strafmaß völlig offen

Ab heute steht Uli Hoeneß selbst in München vor Gericht: Die Anklage wirft ihm vor, 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben, während er in der Schweiz mit großem Kapitaleinsatz viele Jahre auf Teufel komm’ raus spekulierte. Da sich Hoeneß Anfang 2013 selbst angezeigt hatte, dies von der Anklage, anders als üblich, aber nicht als strafmindernd akzeptiert wird, ist das Strafmaß völlig offen: Es reicht von einer mittleren Geldstrafe bis zu Gefängnis – unbedingtem.

Hoeneß hatte mit einem bisher offenbar nicht völlig geklärten Privat-Darlehen des einstigen Besitzers des Sportartikelherstellers Adidas von 20 Millionen Mark in der Schweiz zu spekulieren begonnen. Die Verbindung zu dem inzwischen verstorbenen Franzosen war über einen Sponsorvertrag von Adidas für den FC Bayern entstanden. Von 2003 bis 2009 soll Hoeneß oft täglich mehrfach über Telefon mit dreistelligen Millionenbeträgen in allen Börsengeschäften jongliert haben. Die Gewinne blieben in Deutschland aber unversteuert.

Er habe lange gehofft, sagt Hoeneß, dass das von der letzten Regierung Merkel geplante Steuerabkommen mit der Schweiz seine Steuerschuld anonym bereinigen würde, so wie es das Abkommen Österreichs mit der Schweiz ermöglicht. Weil die SPD im Bundesrat das Abkommen stoppte, zeigte sich Hoeneß danach selbst an. In der Regel kostet das bei Steuerhinterziehung wie von ihm eingeräumt zwar hohe Geldstrafen, bringt aber maximal eine bedingte Haftstrafe.

Weil die Steuerbehörde in der Selbstanzeige aber Formfehler zu finden glaubte und ihm zur Last legt, sie erst dann eingereicht zu haben, als er schon Wind von Recherchen eines Journalisten hatte, will sie ihm keine Milderungsgründe zugestehen. Die Verteidiger von Hoeneß widersprechen dem und argumentieren unter anderem mit einer Spielsucht von Hoeneß. Der kündigte für den heutigen Prozessauftakt eine große Erklärung im Gericht an.

Zitate zur Steuer-Affäre

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Bayern Munich's manager Hoeness is pictured before

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Bayern Munich's CEO Rummenige and Bayern Munich's

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Bayern Munich's president Uli Hoeness and former p

Nimbus verloren

Obwohl sein Steuerdelikt seit über einem Jahr bekannt ist, hat Hoeneß den Rat vieler Freunde nicht befolgt: Als Präsident des FC Bayern zurückzutreten. Weil der Zuspruch seiner Fans ungebrochen ist, hat sich auch dessen Aufsichtsrat bisher dazu nicht durchgerungen. Hoeneß ist so die bisher letzte öffentliche Figur, die ihren Nimbus wegen schwerer Steuerhinterziehung verloren hat. Zuletzt waren das ein SPD-Staatssekretär in Berlin, die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und Theo Sommer, langjähriger Zeit- Herausgeber: Sie haben als selbst ernannte Moralapostel und Vorbild ausgedient.

Die Finanzämter erwarten wegen des großen medialen Aufsehens um Hoeneß nun eine weitere Welle von Selbstanzeigen ängstlicher Steuersünder.

Hoeneß im Porträt

Erstellt am 10.03.2014