Amerikaner kaufen Waffenregale leer

The Gun Gulf
Foto: AP/Pat Sullivan Ein Kunde begutachtet eine Schrotflinte in einem Waffengeschäft in Texas.

Vor vielen Geschäften bilden sich Schlangen. Auch die mächtige Waffenlobby NRA erfreut sich regen Zulaufs.

Die Waffenkäufe in den USA sind in den vergangenen Wochen rapide angestiegen - offensichtlich aus Sorge, dass es bald schärfere Waffenkontrollgesetze geben könnte. In manchen Geschäften stünden die Menschen Schlange, um sich rasch mit einer Schusswaffe einzudecken, berichtete die New York Times am Samstag. Auch Magazine, mit denen ohne Nachladen viele Schüsse abgegeben werden könnten, seien heiß begehrt. Leere Vitrinen und Regale gehörten in Waffengeschäften in vielen Bundesstaaten zum gewohnten Bild.

Auch die mächtige Waffenlobby National Rifle Association NRA, die nach eigenen Angaben vier Millionen Mitglieder zählt, freut sich über Zuwächse: Seit dem Amoklauf in Newtown in Dezember mit 27 Toten registrierten sich 100.000 neue Mitglieder bei der Organisation.

US-Präsident Barack Obama hatte nach der Schießerei in Newtown entschlossenes Handeln gegen die Waffengewalt im Land gefordert - sehr zum Unmut der NRA. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung seines Vize Joe Biden wird voraussichtlich am Dienstag Vorschläge für künftige Beschränkungen bei Waffenkäufen vorlegen. Zu den möglichen geplanten Maßnahmen zählen unter anderem ein Verkaufsverbot für halbautomatische Waffen und besonders große Magazine sowie gründlichere Personenüberprüfungen bei Waffenkäufen.

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. In rund 42 Millionen Haushalten finden sich Waffen, zumeist Gewehre. In den USA werden jährlich etwa 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden dabei getötet. Der Oberste Gerichtshof sprach im Juni 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die höchsten Richter erklärten ein Gesetz im Stadtbezirk Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. Sie entschieden, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe zu jagen und sich selbst zu verteidigen. Das Urteil wurde als Sieg für die mächtige Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet, die im Waffenbesitz stets ein verbürgtes Freiheitsrecht gesehen hatte. Während die Waffenlobby auf das verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz pocht, sehen die Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit der hohen Gewaltkriminalität. Rund 250 Millionen der weltweit 650 Millionen Schusswaffen in privater Hand befinden sich im Besitz von US-Bürgern, mittlerweile verfügt jeder vierte über mindestens eine Waffe. Die Befürworter bestreiten das. So sei etwa in Texas die Mordrate um ein Vielfaches höher als in Vermont, obwohl in beiden Staaten jeder dritte Bürger bewaffnet ist. Auch sei in vielen Großstädten mit hoher Kriminalität der Verkauf von Schusswaffen seit jeher verboten. Das Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" wurde vor mehr als 200 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Seit den 1930er Jahren wurden Regulierungen mit der Interpretation begründet, die Verfassung erlaube nur Bürgerwehren und Streitkräften, Waffen zu besitzen.

(APA / jt) Erstellt am
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