© APA/AFP/PETER PARKS

Chronik Welt
01/16/2020

Zelt-Klinik auf Kangaroo Island: Wo Koalas ums Überleben kämpfen

Vor der Feuerkatastrophe war der Koala-Bestand auf kangaroo Island drei Mal so groß - jetzt gibt es kaum mehr Lebensraum für die gefährdete Art.

Touristen, die die putzigen Tiere bestaunen - das war einmal: Bis vor Kurzem war Kangaroo Island ein Paradies für Koalas. Weite Teile der drittgrößten Insel Australiens stehen unter Naturschutz, die Beuteltiere hatten alles, was sie für ein glückliches Leben in den Bäumen brauchten. Bis die Buschbrände ausbrachen.

Nun werden jeden Tag Dutzende verletzte Koalas in eine improvisierte Tierklinik auf der Insel gebracht. Sie klammern sich an ihre Retter, werden in Wäschekörben oder Katzenkäfigen eingeliefert. Es sind so viele Koalas, die dringend medizinische Hilfe brauchen, dass den Pflegern keine Zeit bleibt, ihnen Namen zu geben. Stattdessen bekommt jedes Tier eine Nummer.

Zehntausende Koalas verbrannt

Einer von ihnen ist Koala Nummer 64, der vor ein paar Tagen mit Verbrennungen an allen vier Pfoten eingeliefert wurde. Nun liegt er zur Behandlung seiner Wunden betäubt auf dem Untersuchungstisch im Zelt. "Sie verheilen gut", sagt der Tierarzt Peter Hutchison. Nicht alle Koalas in der Klinik haben solches Glück. Viele sind so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden müssen.

Vor Ausbruch der Buschbrände auf der Insel lebten dort etwa 46.000 Koalas, sagt Steven Selwood vom tierärztlichen Notdienst des Bundesstaates South Australia, der die Klinik leitet. Nur 9.000 von ihnen haben die Feuer überlebt, schätzt er. "Das ist ziemlich niederschmetternd."

"Die Brände hier waren besonders heftig und breiteten sich rasch aus. Deshalb finden wir hier weniger verletzte Tiere als nach anderen Bränden", schildert Selwood. Doch das ist nicht etwa eine gute Nachricht - die meisten der Tiere sind verbrannt.

In ganz Australien ist der Koala-Bestand "extrem betroffen" von den seit Monaten wütenden Feuern, sagt die australische Umweltministerin Sussan Ley. Zum ersten Mal überhaupt müssten die Koalas künftig möglicherweise als "bedrohte Art" eingestuft werden.

Kein Lebensraum für Tiere mehr

Kangaroo Island ist die einzige Region in Australien, wo es unter Koalas keine Chlamydien gibt - eine sexuell übertragbare Krankheit, die für die Beuteltiere tödlich ist. Die Koalapopulation auf der Insel galt deshalb als Versicherung für den Fortbestand der Art. Da auch auf dem Festland zahlreiche Koalas in den Flammen umgekommen sind, galt der Bestand auf Kangaroo Island als umso wichtiger zum Erhalt der Tierart.

Doch fast die Hälfte der Inselfläche wurde vom Feuer zerstört, vom Lebensraum der Koalas sind nur noch 20 Prozent übrig. Das stellt die Helfer in der Tierklinik vor die Frage, wohin sie die Tiere nach ihrer Genesung bringen können.

"Er muss noch eine weitere Woche in der Klinik bleiben", sagt Veterinär Hutchinson, während er die Pfoten von Nummer 64 verbindet. "Danach muss er im Käfig leben, denn im Moment gibt es keinen Lebensraum, in den er zurückkehren könnte."