Zwei Meter lang und bissig: Italien kämpft gegen Riesenwels im Gardasee
Wels im Gardasee auf dem Vormarsch: Italien startet Offensive.
Der Gardasee zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen Italiens, doch unter der Wasseroberfläche sorgt derzeit ein ungewöhnlicher Bewohner für wachsende Sorgen. Der sogenannte Riesenwels breitet sich im größten See des Landes zunehmend aus. Auch Urlauber könnten unangenehme Begegnungen mit dem Raubfisch machen.
Über zwei Meter lang
Wie die italienische Online-Zeitung Il NordEst Quotidiano berichtet, werden im Gardasee immer häufiger Exemplare des Europäischen Welses (Silurus glanis) gefangen. Die Tiere können mehr als zwei Meter lang werden und zählen zu den größten Süßwasserfischen Europas.
Aus Sicht der Behörden ist allerdings nicht ihre Größe das Hauptproblem. Der Wels gilt als invasive Art und steht als Spitzenprädator an der Spitze der Nahrungskette. Dadurch setzt er heimische Fischarten unter Druck und verändert das ökologische Gleichgewicht des Sees. Stellt der Fisch auch eine Gefahr für den Menschen dar?
Wels-Biss möglich, aber selten
Ja, ein Wels kann zubeißen – für Menschen ist das aber in der Regel nicht gefährlich. Er besitzt zahlreiche kleine, feine Zähne. Sie sind eher wie die Borsten einer raue Bürste aufgebaut und dienen dazu, Beute festzuhalten, nicht sie zu zerreißen. Ein Biss kann schmerzhaft sein und kleine Verletzungen verursachen, ist aber normalerweise nicht schwerwiegend.
Wann greifen Welse Menschen an?
Dass Welse Menschen angreifen, kommt nur selten vor. Mögliche Gründe sind:
- Revierverteidigung: Vor allem während der Laichzeit können Welse ihr Nest verteidigen und Schwimmer oder Taucher anstupsen oder in Einzelfällen auch beißen.
- Verwechslung: Bewegungen im Wasser können den Fisch dazu verleiten, kurz zuzupacken.
- Fütterung: Werden Welse von Menschen regelmäßig gefüttert, können sie ihre Scheu verlieren und sich ungewöhnlich verhalten.
Mit der immensen Ausbreitung ist bislang nicht vollends geklärt, ob die Fische sich künftig ungewöhnlich verhalten werden.
Wels in Brombachsee erschossen
Erst 2025 sorgte ein mehr als zwei Meter langer Riesenwels im Brombachsee in Mittelfranken für Aufsehen, wie auch der KURIER berichtete. Laut Polizei hielt sich das rund 90 Kilogramm schwere Tier längere Zeit im Bereich einer Schwimminsel auf und griff wiederholt Badegäste an.
Mindestens fünf Schwimmer wurden dabei durch Bisse verletzt. Die Wunden wurden von Rettungskräften des Roten Kreuzes direkt vor Ort versorgt. Weil der Fisch weiterhin aggressiv reagierte, erschoss ein Polizist den Wels schließlich mit seiner Dienstwaffe, wie die Polizei mitteilte.
Berufsfischer kämpfen mit beschädigten Netzen
Der Wels verursacht in der Gegend jedoch auch wirtschaftliche Probleme. Laut dem Bericht von Il NordEst Quotidiano beschädigen die kräftigen Tiere regelmäßig die Fangnetze der Berufsfischer. Die Reparaturen verursachen zusätzliche Kosten und erschweren den Fischfang.
Um die Fischer zu unterstützen, stellt die Region Venetien nun insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Mit den Fördergeldern sollen unter anderem spezielle Netze, Schutzsysteme und weitere Ausrüstung angeschafft werden. Pro Betrieb sind Zuschüsse von bis zu 20.000 Euro vorgesehen.
Wels soll künftig häufiger auf den Teller kommen
Die Behörden verfolgen mit dem Programm noch ein weiteres Ziel: Die gefangenen Welse sollen künftig stärker als Lebensmittel vermarktet werden. In mehreren europäischen Ländern gilt Wels bereits als beliebter Speisefisch.
Nach Angaben von Dario Bond, dem für Fischerei zuständigen Regionalrat von Venetien, möchte die Region dadurch nicht nur den Bestand des Raubfisches reduzieren, sondern gleichzeitig neue wirtschaftliche Möglichkeiten für regionale Fischereibetriebe schaffen.
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