Meeresschleim erstickt das Marmarameer

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Welt
09/14/2021

Experte zu Meeresschleim in T√ľrkei: Marmarameer "jetzt totes Meer"

Forscher warnen: Fast 60 Prozent der Tier- und Pflanzenarten sind bereits verschwunden.

Seit Mai dieses Jahres k√§mpft man im t√ľrkischen Marmarameer mit einer gewaltigen Schleimkatastrophe: Der Schleim, das Ausscheidungsprodukt bestimmter Algen, setzt sich am Meeresboden ab und st√∂rt das √Ėkosystem des Meeres. F√ľr Organismen, die auf dem Meeresboden leben, hat das negative Folgen: Das Wachstum von Muscheln werde verlangsamt, weiche Korallen k√∂nnten von Schleim bedeckt nicht ihrer eigentlichen Aufgabe, n√§mlich das Wasser zu filtern, nachkommen. Auf lange Sicht nehme durch den fehlenden Sauerstoff auch das Zooplankton im Wasser ab, von dem sich viele Fische ern√§hren.

"Insgesamt sind bereits 60 Prozent der Spezies im Marmarameer verschwunden", warnt der Hydrobiologe Levent Artuz.

Hoher Stress f√ľr das Marmarameer

Doch die Schleimkatastrophe hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die ans√§ssige Bev√∂lkerung: Er verschmutzt die K√ľsten und macht zeitweise das Fischen unm√∂glich.

Zwar ist der Schleim seit August nicht mehr sichtbar an der Oberfl√§che sichtbar, doch die die Katastrophe sei keineswegs vor√ľber, sagte Mustafa Sari, Professor f√ľr Wasserressourcenmanagement an der t√ľrkischen Universit√§t Bandirma Onyedi Eyl√ľl: Die Schichten seien abgesunken und beg√§nnen, sich zu zersetzen. Bei der Zersetzung des Meeresschleims werde unter anderem Sauerstoff im Wasser verbraucht, was wiederum die Bildung von neuem Meeresschleim bef√∂rdere.

Schuld an der starken Vermehrung der Algen ist laut Expertinnen und Experten der Klimawandel und der Umweltverschmutzung des Menschen: Die Algen vermehren sich durch h√∂here Temperaturen, unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird und geringe Flie√ügeschwindigkeit.

"Marmarameer ist jetzt ein totes Meer"

Im Oktober seien die Bedingungen f√ľr eine neue Ausbreitung besonders g√ľnstig, gibt Sari zu bedenken. Er rechnet darum damit, dass im November erneut Schleim an der Oberfl√§che sichtbar sein werde. Artuz etwa f√ľrchtet, der Schleim k√∂nne sich auch auf das Schwarze Meer und die √Ąg√§is ausweiten und warnt vor einer regionalen √∂kologischen Krise. Gemeinsam mit 20 Experten √ľberwacht Artuz bereits seit Anfang des Jahres an 450 Stellen die Ausbreitung der Plage. Der Meeresschleim habe das √Ėkosystem des Marmarameeres "irreversibel" besch√§digt.

Die Regierung reagierte auf den Ausbruch im Mai und lie√ü Teile des Schleims absch√∂pfen. Experten sind sich jedoch einig, dass diese Ma√ünahmen nicht ausreichen. Die Einleitung unbehandelten Abwassers m√ľsse sofort gestoppt werden, sagt Artuz. "Nach drei Jahrzehnten intensiver Verschmutzung ist das Marmarameer jetzt ein totes Meer." Er hoffe, den umliegenden Gew√§ssern drohe nicht eine √§hnliche Zukunft.

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