Das geflutete Dorf taucht wieder auf

© APA/AFP/MIGUEL RIOPA

Chronik Welt
11/27/2021

Spanisches Dorf taucht nach 30 Jahren wieder auf

Die Tragödie von Aceredo begann in der Franco-Dikatur. Das Dorf versank in einem Stausee.

von Susanne Bobek

Weil der Wasserstand im Lindoso Stausee sinkt, kommen böse Erinnerungen wieder hoch: 1968 vereinbarten der spanische Diktator Francisco Franco und sein portugiesisches Pendant António de Oliveira Salazar den Grenzfluss Lima im Norden Portugals aufzustauen und die spanischen Dörfer Aceredo, Buscalque, O Bao, A Reloeira und Lantemil einfach unter Wasser zu setzen.

Über Jahre passierte gar nichts, mit dem Projekt zur Errichtung der Talsperre wurde es aber ab 1983 ernst. Und ab 8. Jänner 1992 wurde das Wasser aufgestaut – die Dörfer verschwanden in dem 1,05 Quadratkilometer großen Stausee.

Alle Proteste der Bewohner, bis hin zu Hungerstreiks und Auseinandersetzungen mit der Polizei, brachten nichts, die Menschen wurden vom portugiesischen Kraftwerksunternehmen EDP zunächst großzügig abgefunden, und als 51 Prozent der mehr als 500 Gehöfte in den Dörfern abgelöst waren, wurden die anderen Bewohner zwangsenteignet.

Während in einigen Orten die Kirchtürme abgebaut und sogar die lieben Verwandten aus ihren Gräbern exhumiert worden waren und weiter oben im Tal wieder Kirchtürme aufgebaut und neue Friedhöfe angelegt wurden, weigerten sich andere Bewohner bis zuletzt, ihre Sachen zu packen.

Und so kam es, dass am Ende, als das Wasser immer höher stieg, sich einige Sturschädel im wahrsten Sinne nur mit Hemd und Hose schwimmend in Sicherheit bringen konnten. Viele Tiere verendeten.

Dass die Ortschaft Aceredo fast 30 Jahren später, wegen der immensen Trockenheit wieder aus dem Wasser herauskommt, fasziniert viele Menschen, vor allem auch Touristen. Die alten Dorfbewohner finden in den Ruinen heute noch vereinzelt Gegenstände, die zwar unbrauchbar geworden sind, doch in ihnen lebhafte Erinnerungen wachrufen.

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