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100 Mio. Touristen erwartet: Aktivisten kleben Airbnb-Schlösser ab

Die Spanier und Spanierinnen wehren sich gegen den Tourismus in ihrem Land und greifen zu äußerst Maßnahmen.
Die spanische Flagge weht vor einem verzierten Gebäude.

Der Übertourismus in Spanien sorgt bei den Einheimischen für Frustration und Aufruhr. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Proteste dagegen in Barcelona und Madrid, Touristen wurden sogar mit Wasserspritzpistolen attackiert (der KURIER berichtete). 

Jetzt gibt es neue Methoden, um den Reisenden den Spanienurlaub zu vermiesen: Aktivistengruppen haben es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Zahlenschlösser und Tasten für die Codeeingabe bei Türen von Airbnb-Wohnungen zuzukleben.

Aktivistengruppen gehen gegen Tourismus vor 

Die Organisationen Islas de Resistencia und Colectivo Tabaiba machen mit ihren Aktionen auf das „Tourismus-Problem“ aufmerksam. Dabei teilen sie unter anderem Videos im Netz, die Touristen dabei zeigen, wie sie Absperrungen oder Vorschriften nicht respektieren. Ende Mai wurde etwa ein Video geteilt, in dem unbekannte Personen mehrere Zahlenschlösser von Airbnb-Wohnungen und -Häusern auf den Balearen und Kanarischen Inseln mit Kaugummi oder Kleber beschädigen. Im Hintergrund hört man den Song „Rompe“ von Daddy Yankee. Der Titel bedeutet auf Deutsch übersetzt „(zer)brechen“ oder „kaputt machen“ von Gegenständen. 

Bereits im März berichtete das Portal Russpain, dass in Madrid mehr als 240 Airbnb-Schlüsselkästen und Co. beschädigt wurden. Vor allem die Bezirke Centro, Vallecas, Carabanchel, La Latina, Tetuán und Prosperidad sind heiße Touristen-Hotspots in der Stadt. In diesen Gebieten ist die Einwohnerzahl in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen – immer mehr Wohnungen werden an Touristen vermietet.

64 Millionen Euro Bußgeld für Airbnb

2025 wurde bekannt, dass die Plattform für Kurzzeitvermietungen Airbnb in Spanien eine Millionenstrafe wegen unzulässiger Angebote zahlen soll. Das Verbraucherschutzministerium verhängte ein Bußgeld in Höhe von rund 64 Millionen Euro. Zahlreiche auf der Plattform angebotene Wohnungen hätten demnach nicht touristisch vermietet werden dürfen. Airbnb müsse „die festgestellten Mängel beheben und die illegalen Inhalte entfernen“, teilte das Ministerium mit.

„Tausende Familien leben aufgrund der Wohnungskrise in prekären Verhältnissen, während sich einige wenige dank Wirtschaftsmodellen, die Menschen aus ihren Wohnungen vertreiben, bereichern“, erklärte Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy. 

Airbnb wird vorgeworfen, insbesondere in Städten wie Barcelona und Valencia zur Wohnungsknappheit beizutragen, weil es für Eigentümer einträglicher sei, ihre Wohnung kurzzeitig an Touristen zu vermieten, anstatt dauerhaft an Einheimische.

Neue Proteste geplant

In einem Video vom 3. Juni sieht man, wie die spanischen Aktivisten und Aktivistinnen Flyer an Autos heften, auf denen steht: „Indem Sie sich für ein Ferienhaus in unserem Dorf entscheiden, tragen Sie zu unserer Verdrängung bei.“ 

Die Organisation Menys Turisme Mes Vida („Weniger Tourismus, mehr Leben“) kündigte auf Instagram an, dass der nächste große Massenprotest am 26. Juli um 19 Uhr auf Mallorca stattfinden soll. 

Unter der Protestankündigung heißt es unter anderem: „Wir sagen, dass Mallorca am Limit ist: am ökologischen, territorialen und sozialen Limit, am Limit der menschlichen Belastung und am Limit der Widerstandsfähigkeit seiner Bevölkerung. Wir weigern uns, von unserer eigenen Insel verdrängt zu werden. Wir werden nicht akzeptieren, dass die Antwort auf den sozialen Unmut durch reaktionäre Diskurse kanalisiert wird, die falsche Schuldige benennen, während sie die wirtschaftlichen Interessen schützen, die für diese Situation verantwortlich sind.“

Ein Sprecher der Organisation, David Comas, erklärte gegenüber DailyMail, dass sich Mallorca in eine Art „Vergnügungspark“ verwandelt hätte. Für junge Menschen wie ihn sei es nun „unmöglich, unabhängig zu werden und einen anständigen Wohnraum zu bekommen.“

Weitere Tourismus-Welle für 2026 erwartet 

Seit Jahren beschweren sich Einheimische über den massenhaften Tourismus in Spanien. Obwohl dieser die Wirtschaft ankurbelt und 13 Prozent davon ausmacht, ist die Bevölkerung immer negativer gegen Urlauber und Urlauberinnen eingestellt. Auf Hausfassaden findet man immer häufiger den Spruch „Tourists go home“ („Touristen, geht nach Hause“)

  • Schätzungen zufolge besuchten 2025 rund 97 Millionen Reisende das Land. Damit stieg die Besucherzahl gegenüber 2024 um 3,5 Prozent. 
  • Die Einnahmen aus dem Tourismus stiegen um 6,8 Prozent auf 135 Milliarden Euro
  • Spanien gehört weltweit zu den beliebtesten Reisezielen überhaupt und 2026 dürften laut Schätzung mit rund 100 Millionen Touristen und Touristinnen ein neuer Besucherrekord erreicht werden. 

Ende März erklärte Tourismusminister Jordi Hereu, dass Spanien aufgrund der zahlreichen internationalen Konflikte als sicheres Urlaubsland gesehen wird, was den Inlandstourismus noch beliebter mache.

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