© REUTERS/AMMAR AWAD

Chronik Welt
12/26/2019

Seilbahn zur Klagemauer? Streit um Projekt für Jerusalem

Ein kühnes Tourismus-Projekt soll die Schlangen rund um Klagemauer und Tempelberg verkürzen, sorgt aber für Streit.

Das spektakuläre Panorama von Jerusalem, das Millionen Touristen in die Heilige Stadt lockt, könnte schon bald um ein hochmodernes Element bereichert werden: Eine Seilbahn soll über eine Strecke von 1,4 Kilometern mit 72 Gondeln und einer Kapazität von 3.000 Fahrgästen pro Stunde in die Nähe der Klagemauer führen. Das Projekt sorgt jedoch für hitzige Debatten.

„Die Seilbahn wird Jerusalems Gesicht verändern und Touristen und Besuchern einen leichten und bequemen Zugang zur Klagemauer bieten“, schwärmte Tourismusminister Jariv Levin im Mai 2018 bei der Beschlussfassung. „Jerusalem ist kein Disneyland“, warnten dagegen 70 israelische Architekten und Archäologen in einem offenen Brief an den Minister.

Die israelische Regierung hat für das Vorhaben mehr als 52 Millionen Euro bereitgestellt, 2021 soll die Seilbahn in Betrieb gehen. Zu den wichtigsten Argumenten der Regierung gehört die wachsende Zahl der Besucher. Innerhalb von fünf Jahren hat sie sich laut Tourismusministerium auf rund vier Millionen in diesem Jahr verdoppelt.

Über den Berg Zion

Der Transport der Touristen bringt auch Umweltprobleme mit sich. Da könnte die Seilbahn, die über 15 Stahlmasten verlaufen soll, für Abhilfe sorgen. Sie soll an einem stillgelegten Bahnhof aus der Zeit des Osmanischen Reichs im Westteil Jerusalems beginnen, über den Zionsberg verlaufen, dann das Stadtviertel Silwan überqueren und am Touristenkomplex der Elad-Stiftung nahe der Klagemauer enden.

Die Unterzeichner des Appells „Jerusalem ist nicht Disneyland – sein Erbe steht nicht zum Verkauf!“ hingegen sehen in der Seilbahn eine Gefährdung des architektonischen Erbes der Heiligen Stadt. Auch eine Gruppe von 30 renommierten Architekten und Wissenschaftern aus aller Welt fordert einen Verzicht auf das Projekt. Eine Seilbahn sei für antike Städte wenig „angemessen“, deren Skyline seit Hunderten von Jahren bewahrt werde.

Die Palästinenser sehen in dem Projekt einen neuen Versuch Israels, seine einseitige Annexion des Ostteils von Jerusalem zu zementieren. Die Seilbahn sei eine „grobe Verletzung der Kultur, Geschichte und Geografie“ Jerusalems, schimpfte die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi. Ende November, nach dem grünen Licht der Regierung, zogen die Gegner vor den Obersten Gerichtshof Israels.

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