Soldaten befreien in Toledo Straßen von Eis und Schnee

© EPA/Angeles Visdomine

Chronik Welt
01/12/2021

Schnee statt Sonne: Spanien erlebt härtesten Winter seit Jahrzehnten

Mindestens sechs Menschen starben bereits wegen des Wintersturms "Filomena" und der anhaltenden Eiseskälte.

Der Wintersturm „Filomena“ und Temperaturen bis unter minus zehn Grad haben Spanien weiter im Griff. Am Dienstag starben in Barcelona zwei auf der Straße lebende Männer im Alter von 32 und 37 Jahren, vermutlich durch Unterkühlung. Das berichtete die Zeitung La Vanguardia. Die Zahl der Kältetoten stieg damit auf sechs.

"Filomena" zieht seit Donnerstag über Spanien und wird von den heftigsten Schneefällen seit mindestens 50 Jahren begleitet - wie dieses Satellitenbild zeigt.

Vor allem in der Millionenmetropole Madrid war die Lage nach einer bitterkalten Nacht mit Temperaturen bis zu minus 8 Grad auch am Dienstag weiter schwierig.

Vor allem die Schneemassen vom Wochenende behinderten weiterhin den Verkehr. Die Schulen wurden bis mindestens kommenden Montag geschlossen und die Versorgung mit Frischwaren wie Gemüse, Obst und Fleisch stockte.

Viele spanische Häuser sind wegen der sonst vorherrschenden milden Temperaturen nur unzureichend isoliert, in manchen Wohnungen gibt es keine Heizung. „Wir haben die Heizung voll aufgedreht, aber es ist trotzdem kalt“, beklagte ein Madrilene. Ein Nachbar hat sogar nur Heizlüfter und eine Wärmflasche. „Ich komme mir vor wie in einem Iglu“, erzählt er.

Jahrhundertwinter

Der Jahrhundertwinter trifft Spanien mitten in der Corona-Krise. Schnee und Eis behinderten dabei auch die gerade erst mit Schwierigkeiten angelaufene Impfkampagne.

In sozialen Medien machten sich manche einen Spaß: „In Madrid machen sie wirklich ernst mit der Kühlkette für den Impfstoff“, scherzte etwa einer auf Twitter. Andere meinten, der Wintereinbruch könne auch seine gute Seite haben, weil die Menschen nun endlich mal wirklich zuhause blieben.

Relativ kalte Winter sind in Madrid nicht ungewöhnlich. Die Stadt liegt rund 650 Meter über dem Meeresspiegel und mehr als 300 Kilometer vom Meer entfernt, hat also ein eher kontinentales Klima. Aber auf solche Schneemassen wie am Wochenende und für die angekündigte Kältewelle sind weder die Behörden noch die Menschen vorbereitet. 

Klimawandel?

Der Klimaforscher Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagte, dass extreme Wintereinbrüche auch im Klimawandel nicht ausgeschlossen seien. „Wetterlagen, die im Sommerhalbjahr mit Starkregen in dieser Region verbunden sind, können im Winter bei um die Null Grad zu Starkschneefall führen“, sagte Hoffmann der Deutschen Presse-Agentur.

Der Deutsche Wetterdienst führt den Wintereinbruch vor allem auf die besondere Wetterlage zurück. Es gebe derzeit eine Umdrehung der normalen Strömungsverhältnisse in Europa, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. „Mit Klimawandel hat das absolut nichts zu tun“, so Friedrich.

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