Quarantäne für Spanien-Rückkehrer: Briten schockieren Madrid

Surge in coronavirus cases causes cancellations and hotel closures in Barcelona
Wer aus dem Urlaub auf der Iberischen Halbinsel zurückkommt, muss 14 Tage zuhause bleiben. Über die spontane Verschärfung sind viele enttäuscht.

Ein Schock für Spanien, aber auch für viele Briten: Am Samstagabend kündigte die britische Regierung ohne Vorwarnung an, dass ab sofort eine Quarantäne-Pflicht für Spanien-Reisende gelte. Wer aus dem Land zurück nach Großbritannien fliegt, muss 14 Tage zuhause bleiben. „Das ruiniert alle unsere Pläne“, sagt Emily Harrison aus Essex, die gerade von Madrid nach London fliegen wollte. Sie wäre auf eine Hochzeit eingeladen – das muss sie jetzt canceln.

„Ärgerlich“, sagt sie. Aber immerhin konnte sie ihren Urlaub noch genießen. Für andere wird es das nicht spielen. Denn das britische Außenministerium empfiehlt, auf alle unvermeidbaren Reisen nach Spanien zu verzichten – darunter fallen auch Urlaube.

Der Grund: In Spanien stiegen die Corona-Infektionszahlen nach einem Abwärtstrend im Mai und Juni zuletzt stark. Spanien ist das am neuntstärksten vom Coronavirus betroffene Land, was die absoluten Zahlen angeht. Es zählte zuletzt 319.501 positive Fälle und 28.432 Tote.

Betroffen seien vor allem Saisonarbeiter in der Landwirtschaft und Besucher von Nachtlokalen, hieß es. Aber auch Familienfeiern, Beerdigungen oder Geburtstagsfeiern haben zu einer neuen Welle von Corona-Infektionen in dem südeuropäischen Land geführt. In der Vorwoche wurden jeden Tag zwischen 30 und 40 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert und mit der Krankheit diagnostiziert. Die Reproduktionszahl liege seit zwei Wochen über 1. Experten des Gesundheitsinstituts Carlos III. schätzen sie auf 1,3.

Rund tausend neue Ansteckungen pro Tag

Knapp tausend neue Ansteckungen erfolgen laut Gesundheitsministerium derzeit innerhalb von 24 Stunden. Besonders besorgniserregend ist die Situation in einigen nordöstlichen Regionen Spaniens.

Die neuesten Zahlen sind weit entfernt von den täglich 2.000 Personen, die im April in Krankenhäusern eingeliefert wurden, als der „Höhepunkt“ der COVID-19-Pandemie in Spanien erreicht wurde und die Intensivstationen überfordert waren.

Manche Offizielle sprachen dennoch bereits von einer „zweiten Welle“. Man habe die Situation aber immer noch im Griff, ist man sich beim Gesundheitsministerium sicher. Viele spanische Regionen haben deshalb in den vergangenen Tagen die Menschen wieder aufgefordert, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen. Im Norden Spaniens, besonders in Barcelona, gelten seit kurzem wieder verstärkte Corona-Maßnahmen.

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Herber Rückschlag

Enttäuscht über die neuen britischen Maßnahmen sind aber nicht nur die britischen Urlauber. Die spanische Tourismusindustrie, sowie internationale Reiseveranstalter keuchten bereits zuletzt schon. TUI, das nach der Ankündigung der britischen Regierung alle Flüge auf das spanische Festland und die Kanaren kurzfristig cancelte, zeigte sich überrascht: "Wir sind unglaublich enttäuscht, dass wir nicht früher von dieser Ankündigung erfahren haben", sagte der TUI-Geschäftsführer für Großbritannien und Irland, Andrew Flintham. Wenig später entschied sich der Reiseveranstalter, ab Montag zumindest die Kanaren und die Balearen wieder anfliegen zu wollen.

Die Tourismuschefin der Region zeigte sich auf Twitter erfreut: „Wir feiern die Entscheidung von TUI“, schrieb Yaiza Castilla am Sonntag. Denn auch auf den Kanaren, die von größeren Ausbrüchen momentan verschont sind, ist man geschockt. Die britische Entscheidung sei ein herber Rückschlag für den Weg zurück zum wirtschaftlichen Überleben. „Eigentlich brauchen wir Flugzeuge voll mit Touristen, wenn wir uns wieder erholen wollen“, sagte Castilla gegenüber El Pais.

Der Bürgermeister vom Ferienort Benidorm an der Costa Blanca, Antonio Perez, sprach von einem "harten Schlag", Briten machen in Spanien 20 Prozent der Nächtigungen aus. Die Regierung in Madrid erklärte, Spanien sei ein sicheres Land mit nur lokalen und isolierten Coronavirus-Ausbrüchen. Castilla hoffte zuletzt, dass auch die Quarantäne-Regelung bald wieder aufgehoben werden könne, basierend auf „strengen spanischen Sicherheitschecks“.

Regelungen für Urlauber

Bei einer Einreise erfolgt eine Gesundheitskontrolle durch Temperaturmessung. Außerdem müssen seit dem 1. Juli Flugreisende vorab ein Gesundheitsformular ausfüllen. Es ist auf dem Spain Travel Health-Portal hinterlegt und erzeugt einen QR-Code, der bei der Einreise vorgelegt werden muss. Bis Ende Juli kann auch weiterhin ein Formular in Papierform bei Einreise ausgefüllt werden.

Österreich warnte bis zuletzt nicht vor einer Reise nach Spanien. Die aktuellen Reiseinformationen werden laufend auf der Homepage des Außenministeriums aktualisiert.

An vielen Orten in Spanien gilt eine Maskenpflicht. Außerdem wird ersucht, Mindestabstände einzuhalten. Hotels, Bars und Restaurants haben begrenzte Kapazitäten. Man soll außerdem nach Möglichkeit bargeldlos bezahlen. Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die Gemeinden, die für den jeweiligen Strand zuständig sind.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen hatte die spanische Regierung bereits zuvor für die Bewohner von Barcelona und einiger Vororte erneut über strenge Ausgangsbeschränkungen verfügt. In der Region Katalonien wurde zuletzt über die Verhängung einer strikten Ausgangssperre gestritten. Die Region hat ein Dekret über ein Ausgehverbot erlassen, nachdem eine Richterin die Lockdown-Anordnung für acht Gemeinden (160.000 Menschen) gekippt hatte. Es ist das erste Ausgehverbot seit dem Ende des landesweiten Notstands am 21. Juni. Ob die Maßnahme rechtens ist, wird derzeit noch diskutiert.

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