Konfisziertes Bargeld nach koordinierten Razzien in den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien

© MET POLICE via REUTERS

Chronik Welt
07/04/2020

Polizei hackte Krypto-Chats Krimineller: Hunderte Verhaftungen

Monatelang haben französische und niederländische Ermittler in verschlüsselten Chatsystemen von Dealern und Killern mitgelesen. Diese Woche schlugen sie zu.

von Ingrid Steiner-Gashi

Ein gewaltiger Schlag gegen die Organisierte Kriminalität: Mehrere hunderte Verdächtige wurden diese Woche in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien bei Razzien verhaftet. 19 Drogenlabore wurden allein in den Niederlanden ausgehoben und Tausende Kilo Kokain, Crystal Meth und andere Drogen beschlagnahmt.

Am Anfang dieses Erfolges stand ein Hack: Französische Ermittler fanden heraus, dass das verschlüsselte und insbesondere von Kriminellen gern genutzte Chat-Netzwerk Encrochat einige Server in der Stadt Lille unterhielt. Spezialisten der Polizei gelang es, dort den geheimen Datenverkehr zu unterwandern und auszuleiten.

Live über Encrochat mitgelesen

Seit dem 1. April konnten die Ermittler somit live mitlesen, wie über Encrochat Drogen- und Waffengeschäfte abgewickelt und sogar ein Mord in Auftrag gegeben wurden.

20 Millionen Nachrichten

Insgesamt haben die französischen und niederländischen Ermittler mehr als 20 Millionen verschlüsselter Nachrichten abgeschöpft, wie die europäische Justizbehörde Eurojust in Den Haag mitteilte. Das Eindringen in die technische Infrastruktur des Anbieters von EncroChat habe "Schockwellen durch organisierte Verbrecherbanden quer durch Europa" geschickt.

Zahlreiche Verbrechen konnten unterbunden werden, so Eurojust - darunter der oben erwähnte Mordversuch und Drogentransporte.

Erst Mitte Juni fiel dem Betreiber des Encrochat-Netzwerkes auf, dass das System kompromittiert worden war. "Unsere Domain wurde illegal von Regierungseinheiten übernommen", schrieben die Betreiber von Encrochat und warnten die überwiegend kriminellen Kunden: "Wir raten dazu, euer Gerät auszuschalten und physisch zu beseitigen."

 "Bis dahin war es so, als würden wir direkt am Konferenztisch der Kriminellen sitzen", sagte die niederländische Polizeichefin Janine van den Berg.

746 Festnahmen

Nach der Warnung durch Encrochat schlugen die Behörden in mehreren europäischen Ländern zu: Allein in Großbritannien gab es 746 Festnahmen, berichteten die National Crime Agency und der Verband der britischen Polizeibehörden. Zudem seien 54 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 60 Millionen Euro), 77 Schusswaffen und mehr als zwei Tonnen Drogen sichergestellt worden. In den Niederlanden stellte man 20 Millionen Euro sicher und schloss 19 Drogenlabore. Mehrere hundert Personen wurden dort ebenso wie in Frankreich, Schweden und Norwegen verhaftet.

Der inzwischen geschlossene Kurznachrichtendienst EncroChat hatte 60.000 Nutzer weltweit. Er war ein Anbieter von speziellen,  Android-basierten Smartphones, die zum Stückpreis von 1000 Euro verkauft wurden. Der verschlüsselte Chatdienst kostete extra - rund 1500 Euro für sechs Monate.

Es ist bereits das vierte Mal, dass es Ermittlern in Europa gelungen ist, verschlüsselte Datennetze von Kriminellen zu hacken.

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