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Wasserknappheit in Norditalien: Po führt wegen Hitze 80 Prozent weniger Wasser

Steigende Tempertauren führen zu gerinegren Schneereserven. Und ohne Schnee fehlen die Wasserreserven.
FILE PHOTO: Hot and salty: heatwave pushes sea up Italy's Po River, threatening crops

Die Wasserknappheit trifft Italien immer stärker, vor allem im Norden des Landes. Während die Alpen früher mit ihren Schneereserven Flüsse und Seen über Monate speisten, bleiben die Niederschläge heute häufiger aus oder schmelzen wegen steigender Temperaturen innerhalb kurzer Zeit. Experten sehen deshalb einen grundlegenden Wandel und fordern einen raschen Ausbau der Wasserinfrastruktur.

Nach Angaben des italienischen Verbands der Bewässerungs- und Bodenverbände (Anbi) führt der Fluss Po, der längste Fluss Italiens, derzeit rund 80 Prozent weniger Wasser als im langjährigen Durchschnitt. Auch die großen norditalienischen Seen weisen ungewöhnlich niedrige Pegel auf. Der Lago Maggiore ist nur zu rund 40 Prozent gefüllt, der Comer See zu 41 Prozent und der Iseo-See zu 35 Prozent. In der mittelitalienischen Region Umbrien musste auf dem Trasimeno See der Schiffsverkehr zur Insel Polvese wegen des niedrigen Wasserstands zeitweise eingestellt werden.

Größere Wassermengen gehen durch Verdunstung verloren

„Früher war der Schnee unsere Wasserreserve“, sagte Anbi-Generaldirektor Massimo Gargano gegenüber der Tageszeitung La Stampa (Freitagsausgabe). Anders als im Süden habe der Norden lange Zeit keine großen Speicherbecken benötigt, weil sich die Schneemassen im Winter langsam aufgebaut und im Frühjahr nach und nach abgeschmolzen seien. Heute falle der Schnee oft erst im Jänner oder Februar und schmelze wegen der hohen Temperaturen innerhalb kurzer Zeit. „Wir haben nicht die Infrastruktur, um dieses Wasser aufzufangen.“

Nach Einschätzung Garganos liegt das Problem nicht allein am ausbleibenden Regen. Niederschläge habe es durchaus gegeben. Entscheidend sei vielmehr, dass immer größere Wassermengen durch Verdunstung verloren gingen - ein Effekt, der sich durch die anhaltenden Hitzewellen weiter verstärke. Während der Norden nun unter fehlenden Reserven leidet, sieht Anbi Teile Süditaliens besser vorbereitet. Regionen wie Apulien, Basilikata, Sardinien und Molise profitierten von Investitionen in Wasserinfrastruktur, die bereits in früheren Jahrzehnten begonnen und zuletzt mit Mitteln des italienischen Wiederaufbauplans fortgesetzt worden seien.

Nach Angaben des Verbandes wurden im Rahmen entsprechender Programme zuletzt 258 Wasserbauprojekte abgeschlossen. Dadurch könnten rund 1,5 Milliarden Kubikmeter Wasser zusätzlich gespeichert oder eingespart werden. Anbi wirbt nun gemeinsam mit dem Bauernverband Coldiretti für einen nationalen Ausbau von Speicherbecken. Geplant sind Investitionen von rund 7,3 Milliarden Euro, vor allem in den Regionen Piemont, Lombardei und Venetien. Ziel ist es, den Anteil des aufgefangenen Regenwassers von derzeit rund elf auf 40 Prozent zu erhöhen.

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