Ghislaine Maxwell (60) wurde in New York verurteilt

© REUTERS/JANE ROSENBERG

Chronik Welt
12/30/2021

Nach dem Maxwell Schuldspruch muss Prinz Andrew „jetzt zittern“

Die erstinstanzlich verurteilte Epstein-Freundin wird vielleicht auspacken. Ihr Vergleich von 2009 mit einem der Sex-Opfer wird veröffentlicht.

von Dirk Hautkapp

Nach dem Schuldspruch gegen Ghislaine Maxwell, „rechte Hand“ des in der High-Society blendend vernetzt gewesenen Sexualverbrechers Jeffrey Epstein, schieben sich aus Sicht von US-Rechtsexperten zwei Fragen in den Vordergrund:

Wird die 60-jährige Society-Lady, die nach Ansicht der Geschworenen die Garantin dafür war, dass Epstein über Jahre minderjährige Frauen missbrauchen konnte, etwaige prominente Mit-Profiteure des Sex-Rings preisgeben, um einer potenziell lebenslangen Freiheitsstrafe zu entgehen? Epstein hatte sich 2019 einem Prozess durch Selbstmord im Gefängnis entzogen.

Und: Was bedeutet das am Mittwochabend ergangene Urteil für den Sohn der Queen, der eine feste Rolle im Beziehungsgeflecht Epstein/Maxwell hatte? Opfer-Anwältin Lisa Bloom sagt es gegenüber dem Magazin Rolling Stone so: „Ich denke, Prince Andrew sollte wie Espenlaub zittern.“

Vorweg: Weder hat Richterin Alison Nathan bisher den Termin für die Verkündung des Strafmaßes gegen Maxwell bekanntgegeben. Noch ist verlässlich absehbar, wie eine von der Verteidigung Maxwells fest angekündigte Berufung gegen das Urteil ausgehen wird.

Die Menschenhändlerin

Tatsache ist, dass Maxwell bis zu 65 Jahre Haft drohen könnten. Allein der Anklagepunkt „Menschenhandel mit Minderjährigen zu Zwecken des sexuellen Missbrauchs“ kann mit bis zu 40 Jahren bestraft werden.

Würde Maxwell aus dem Nähkästchen plaudern und VIP-Promis belasten, die bei dem jahrelangen sexuellen Missbrauch mitgemacht haben, könnte sich das für sie „strafmildernd auswirken“. Opfer-Anwalt David Boies ist sich sicher, dass „viele reiche und einflussreiche Kollaborateure“ mit im Spiel waren.

Das Votum der Jury steht für das Scheitern der Verteidigungsstrategie. Die hoch dotierte Anwaltsarmada der Millionärin warf der Staatsanwaltschaft vor, sich auf die von Erinnerungslücken durchzogenen Aussagen von vier geldgierigen Möchtegern-Opfern eines Missbrauchs gestützt zu haben, der nie stattgefunden habe.

Vier Frauen sagten aus

Drei Frauen, die anonymisiert als „Jane“, „Kate“ und „Carolyn“ aussagten, sowie die unter ihrem echten Namen auftretende Annie Farmer hatten dagegen minutiös auch im Kreuzverhör rekapituliert, wie sie seit Anfang der 90er-Jahre von Maxwell systematisch für sexuelle Dienstbarkeiten für Epstein rekrutiert und präpariert worden seien.

Der royale Freund

Schon am nächsten Dienstag geht der Epstein-Maxwell-Komplex in die nächste Runde. Dann wird ebenfalls in New York ein Richter darüber entscheiden, ob die inzwischen 38 Jahre alte Virginia Roberts Giuffre ihren Zivilprozess gegen Prinz Andrew fortsetzen kann. Giuffre hatte mehrfach unter Eid ausgesagt, als Minderjährige von Epstein und Maxwell missbraucht worden zu sein. Als „Sexsklavin“ musste sie nach eigenen Angaben auch Prominenten wie Prinz Andrew zu Willen sein. Prinz Andrew streitet die Vorwürfe ab. Seine Anwälte fordern die Abweisung des Verfahrens. Maxwells Verurteilung kommt da mehr als ungelegen. Doch der „Royal“ ist plötzlich der selbsterklärte Freund einer verurteilten Sexualverbrecherin.

Bereits am Montag wird der Inhalt eines brisanten Vergleichs zwischen Epstein und Giuffre aus dem Jahr 2009 öffentlich. Dabei soll es um viel Geld gegangen sein – und indirekt um Prinz Andrew. Die Anwälte des Adligen hatten darauf gepocht, dass das Papier geheim bleibt. Zwei Richter entschieden gegenteilig.

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