Imane Fadil (Mitte) nach ihrer Zeugenaussage

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Chronik Welt
03/17/2019

Mord an Berlusconis Bunga-Bunga-Zeugin

Neben seiner Ex-Frau war sie die einzige, die Silvio Berlusconi gefährlich werden konnte.

von Susanne Bobek

Derzeit deutet alles daraufhin, dass die 33-jährige Marokkanerin Imane Fadil mit einer radioaktiven Substanz vergiftet wurde. Am 1. März starb sie nach einem Monat Todeskampf in einer Mailänder Klinik. Eine Blutanalyse deutet auf Mord hin, am Mittwoch oder Donnerstag wird Fadils Leiche obduziert.

Imane Fadil war eine Kronzeugin im Prozess gegen den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Jahr 2012. Ihm wurde die Förderung der Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch vorgeworfen, weil er eines der Mädchen , Ruby Rubacuori (Ruby Herzensbrecherin), nach Interventionen bei der Mailänder Polizei abholen ließ. Ruby war unter anderem wegen Diebstahls ohne Aufenthaltsrecht festgenommen worden.

Der Nonnenstrip

Fadil hatte vor Gericht ausgesagt, dass Berlusconi ihr beim ersten Mal, als sie auf eine Party in seine Villa Aurora bei Mailand gekommen war, 2000 Euro in bar gegeben habe und gesagt habe, sie solle „nicht beleidigt“ sein. An diesem Abend hätten zwei andere Frauen im Nonnenkostüm mit „schwarzen Tuniken, weißen Schleiern und Kreuzen“ vor dem konservativen Politiker gestrippt.

Der Bunga-Bunga-Prozess sorgte in Italien für ein Beben. In erster Instanz war Berlusconi zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, musste aber wegen seines Alters nur Sozialdienst leisten. 2015 wurde das Urteil in der letzten Instanz wegen Mangel an Beweisen kassiert.

Die Ruby-Affäre ist allerdings bis heute nicht erledigt, denn die Mailänder Staatsanwälte glauben, belegen zu können, dass Berlusconi sich das Schweigen der anderen Mädchen 17 Millionen Euro hat kosten lassen. Sie bekamen offenbar teure Wohnungen und gut dotierte Jobs. Gegen den Medienmogul läuft jetzt ein Verfahren wegen Zeugenbestechung im Bunga-Bunga-Fall.

Zeugin ohne Job

Imane Fadil ging vollkommen leer aus und bekam auch keine Aufträge mehr als Model. Ihr Versuch, zwei Millionen Euro Entschädigung von drei Männern zu erhalten, die sie dazu überredet hätten, Sex mit Berlusconi zu haben, ging schief.

Zuletzt wollte die 33-Jährige ihre Sicht der Bunga-Bunga-Partys in einem Buch schildern. Daraufhin wurde sie von Medien aus dem Berlusconi-Imperium fertig gemacht: Sie habe einen religiösen Wahn, leide unter geistiger Verwirrtheit und behaupte, von einer Heiligen abzustammen.

Silvio Berlusconi der über seine Partei Forza Italia immer noch in der italienischen Politik mitspielt, hatte schon im ersten Prozess erklärt, Fadil nicht zu kennen. Ihre Aussagen vor Gericht, seien ihm „erfunden und absurd“ vorgekommen. Am Wochenende sagte er: „Es ist traurig, wenn ein junger Mensch stirbt.“

Öffentlich gemacht hat den Bunga-Bunga-Skandal übrigens Berlusconis zweite Ehefrau Veronica Lario, die seit der Scheidung 2010 monatlich 1,4 Millionen Euro Unterhalt bekommt. (Ursprünglich kassierte sie sogar drei Millionen.)