Schülerin (18) und Student (21) tot: Gefährlicher Krankheitsausbruch in England
Mehrere Schüler und Studenten sind im Canterbury von einem Meningokokken-Ausbruch betroffen. Zwei junge Menschen sind verstorben. (Symbolbild)
In England kam es in der letzten Woche zu einem großen Ausbruch von Meningokokken-Erkrankungen. Wie BBC berichtet, wurden nicht nur zahlreiche Schüler und Studenten infiziert, sondern auch zwei Todesfälle gemeldet.
15 Meningokokken-Infektionen bestätigt
Großbritannien meldet nach einem Meningitis-Ausbruch in Südengland weitere Infektionen mit Meningokokken der Untergruppe B. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg von sechs auf neun, wie die Gesundheitsbehörde UKHSA am Donnerstag mitteilte. Insgesamt wurden 15 Meningokokken-Infektionen bestätigt, dazu kommen zwölf Verdachtsfälle.
Nach Angaben der Behörde mussten alle der aktuell Betroffenen bis auf einen Fall ins Krankenhaus gebracht werden. Auch in Frankreich wird ein aus Kent zurückgekehrter Mann im Spital behandelt, nach Angaben von Mittwoch befindet er sich in stabilem Zustand. "Dies ist ein sehr ungewöhnlicher Ausbruch", sagte Robin May, Chief Scientific Officer der britischen Behörde, der BBC.
Gezieltes Impfprogramm für Tausende Menschen
In Großbritannien läuft derzeit ein gezieltes Impfprogramm. Zudem bekommen Tausende Menschen vorsorglich eine Antibiotika-Behandlung. Unter anderem gilt das für die Studierenden der Universität. Die Behörde rät zudem Menschen, die Anfang März einen bestimmten Nachtclub in Canterbury besuchten, sich vorbeugend behandeln zu lassen. "Was an diesem Fall besonders bemerkenswert und zugleich unerwartet ist, ist die große Anzahl von Fällen, die offenbar alle auf ein einziges Ereignis zurückzuführen sind", sagte May.
Die ersten Entwicklungen des Krankheitsausbruchs:
2 Todesfälle durch Meningokokken-Erkrankungen
Nachdem mehrere Personen infolge des Ausbruchs einer invasiven Meningokokken-Erkrankung in der Stadt Canterbury und Umgebung schwer erkrankt waren, wurden zudem auch die ersten Todesfälle bekannt. Bei den beiden Toten handelt es sich laut britischen Medienberichten um eine 18-jährige Schülerin der Queen Elizabeth's Grammar School in Faversham und einen 21-jährigen Studenten der Universität in Canterbury.
Am Sonntag bestätigte die Universität Kent, dass auch bei ihnen ein Student an Meningitis gestorben ist: "Angesichts der sich entwickelnden Lage haben wir beschlossen, dass es in dieser Woche keine Präsenzprüfungen geben wird. Ihre Fakultät wird sich direkt mit Ihnen in Verbindung setzen, um Ihnen weitere Einzelheiten zu alternativen Regelungen mitzuteilen", heißt es in einem Statement der Universität auf Instagram.
Elf Personen, die ebenfalls Schüler und Studenten sein sollen, werden zurzeit im Krankenhaus behandelt.
Was sind Meningokokken?
- Meningokokken-Erkrankungen werden von Bakterien namens Neisseria meningitidis hervorgerufen.
- Diese werden durch Tröpfcheninfektionen wie Niesen, Husten, Küssen, die gemeinsame Nutzung von Gläsern oder das Teilen von Zigaretten verbreitet.
- Bei einer Ansteckung können zuerst unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber und Schwindel kommen.
- Die Meningokokken-Impfung ist in Österreich ab dem vollendeten 2. Lebensmonat für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen.
Meningitis als Folge der Infektion
Schwere Erkrankungen führen meist zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis). Dabei können auch hier Symptome wie starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, hohes Fieber, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Laut dem Österreichischen Sozialministerium endet fast die Hälfte der unbehandelten Meningitisfälle tödlich. Frühzeitige Behandlungen mit Medikamenten sind aber meist erfolgreich.
Dadurch, dass sich der Krankheitsverlauf schnell verschlechtert, erfolgt die Behandlung oftmals zu spät.
2024 österreichweit 15 bestätigte Fälle und ein Todesfall
Im Österreichischen Impfplan werden für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowohl Impfungen gegen Meningokokken B als auch gegen Meningokokken A, C, W, Y angeraten. Die Immunisierungen sind nicht im kostenfreien Impfprogramm für Säuglinge und Kleinkinder enthalten.
"Aufgrund der epidemiologischen Situation ist zur Erreichung eines Individualschutzes gegen invasive Meningokokken-B-Erkrankungen die Impfung für alle Kinder und Jugendliche möglichst früh ab dem vollendeten 2. Lebensmonat empfohlen. Nachholimpfungen sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr empfohlen", heißt es im Impfplan.
- Ab dem vollendeten 10. bis zum 13. Lebensjahr ist die Meningokokken-ACWY-Impfung im kostenfreien Impfprogramm enthalten.
- Sie wird unabhängig davon empfohlen, ob das Kind zuvor gegen Meningokokken C oder ACWY geimpft wurde, da in diesem Alter ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.
- Laut AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) wurden für das Jahr 2024 an der Nationalen Referenzzentrale für Meningokokken österreichweit 15 laborbestätigte Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen registriert. Eine betroffene Person sei verstorben.
Ansteckung durch Veranstaltung
Eine Veranstaltung in Canterbury soll im Zusammenhang mit dem Meningokokken-Ausbruch stehen. Wie Independent erklärt, sollen mehrere infizierte Menschen einen Nachtclub namens Club Chemistry besucht haben. Auch die Bar Tokyo Tea Rooms in Canterbury soll betroffen gewesen sein.
Die Clubbesitzerin Louise Jones-Roberts erklärte gegenüber dem Medium, dass sie von der UK Health Security Agency (UKHSA) kontaktiert wurde, um den Ausbruch nachzuverfolgen. Mittels der verkauften Eintrittskarten versuchen die Behörden nun, die Ticketinhaber und möglicherweise infizierten Personen ausfindig zu machen. Beide Locations haben auf Instagram Statements veröffentlicht, in denen sie vor allem Studenten auffordern, sich schnellstmöglich behandeln zu lassen.
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