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Chronik Welt
07/02/2020

Krisenjet 737 Max: Zertifizierungsflüge abgeschlossen

Nach zwei Flugzeugabstürzen musste der Problemflieger am Boden bleiben. Wann er wieder abheben darf, ist völlig unklar.

von Susanne Bobek

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA teilte Donnerstag Früh mit, dass die dreitägigen Zertifizierungsflüge beendet worden seien. Damit sei ein wichtiger Meilenstein erreicht, allerdings blieben noch eine Reihe weiterer Hürden, wie etwa die Auswertung der Flugdaten. Das Startverbot werde nur aufgehoben, wenn die Sicherheitsexperten der FAA überzeugt seien, dass die Maschine alle Standards erfüllt, betonte die Behörde.


Als Hauptursache der Abstürze gilt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm, das die Flieger in den Sturzflug brachte, ohne, dass die Piloten etwas dagegen tun  konnten. Die Ethiopian Airlines stürzte   im März 2019 in Adis Abeba mit 157 Menschen ab. An Bord waren drei junge österreichische Ärzte und ein evangelischer Pfarrer aus Kärnten.
Bereits im November 2018 war eine Maschine der Lion Air  in Indonesien abgestürzt.  Auch hier wurde schnell klar, dass Flugsteuerungssoftware  das Problem war.  Allerdings wurde daraus nichts gelernt, sodass der zweite Absturz hätte vermieden werden können.

Piloten hatten keine Chance

Weil bei den beiden Unglücksflügen falsche Daten eines Anstellwinkelsensors dem System ein Hochkippen der Nase vortäuschte, stürzte das MCAS-System die ansonsten voll funktionsfähigen Flugzeuge nach unten. Die Piloten hatten keine Chance.


Boeing wollte dieses Softwareproblem schnell beheben, stattdessen kamen aber immer neue Mängel hinzu. Einige Flugzeugtechniker warnten vor dem Todesvogel.


So dauerte es über ein Jahr, bis die FAA die entscheidende Phase der Zertifizierung einläutete. Wenn nun alles glatt geht, könnte die 737 Max in den kommenden Monaten wieder zugelassen werden.


Das ehemals meist bestellte Flugzeug wird zum Ladenhüter. Anfang Mai lagen die Orderzahlen für 2020 bereits bei minus 295 Bestellungen. Im Juni stornierten Norwegian Airlines 92 sowie BOC Aviation 30 nicht ausgelieferte Boeing 737 Max.

Kein Vertrauen der Piloten

Das Vertrauen vieler Piloten in die 737 Max ist gestört. Deshalb sollen sie bessere Lehrmaterialien bekommen, die ihnen ein umfangreiches Verständnis des Flugsteuerungssystems vermitteln sollen. Im Falle fehlerhafter Sensordaten sollen Piloten diese künftig auf einer Anzeige im Cockpit miteinander abgleichen können. Ebenso zeigt eine weitere Anzeige fortan in jeder Boeing 737 Max den aktuellen Anstellwinkel an. Zuvor gab es dieses Feature nur gegen einen Aufpreis, den keine Fluglinie zahlen wollte. Boeing wurde auch dafür nach den Abstürzen heftig kritisiert. 

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