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Bademeister fehlen: Italien schickt nun Häftlinge an die Strände

An beliebten Stränden in Süditalien übernehmen ausgewählte Strafgefangene die Aufsicht am Wasser. Das Pilotprojekt soll gleich zwei Probleme lösen.
Bademeister auf einem Turm beobachtet den Strand mit dem Fernglas.

Seit diesem Sommer sorgt ein ungewöhnliches Pilotprojekt an den beliebten Badestränden Apuliens in Italien für Aufsehen: Ausgewählte Strafgefangene arbeiten tagsüber als Bademeister und Rettungsschwimmer, am Abend kehren sie wieder ins Gefängnis zurück. Ziel des Programms ist es, ihre Resozialisierung zu fördern und gleichzeitig dem akuten Personalmangel an Italiens Stränden entgegenzuwirken. 

Häftlinge werden in Schnellkursen ausgebildet

In Italien fehlt es an Aufpassern für die mehr als 5.000 Strände. Daher sorgen Häftlinge in einem einzigartigen Projekt nun dafür, dass beim Baden im Mittelmeer niemand zu Schaden kommt. In der süditalienischen Region Apulien sind in diesem Sommer erstmals ein Dutzend Gefängnisinsassen im Einsatz, die in Schnellkursen zu Strandwärtern ausgebildet wurden. Morgens geht es aus einer Haftanstalt der Stadt Lecce mit dem Bus zu den verschiedenen Stränden. Nach getaner Arbeit müssen die Männer dann zurück in ihre Zellen. 

Akuter Mangel an Bademeistern und Rettungsschwimmern

Das Projekt unter dem Titel „Io salvo“ („Ich rette“) ist als Resozialisierungsmaßnahme gedacht, wie die italienische Tageszeitung La Stampa berichtet. Hintergrund ist aber auch, dass es an Italiens Stränden seit Jahren schon nicht mehr genügend Bademeister und Rettungsschwimmer gibt. Offiziell arbeiten dort etwa 11.000 bis 15.000 sogenannte Bagnini. Gebraucht würden schätzungsweise 3.000 bis 4.000 mehr. Der Job im roten Tanktop gilt als nicht mehr so attraktiv wie früher. Zudem wird oft unter Tarif bezahlt.

Bisher kein Fluchtversuch gestartet

Die Strandwärter aus dem Gefängnis Borgo San Nicola in Lecce mussten nach einem Bericht der Tageszeitung La Stampa vorab ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dann mussten sie in einem Drei-Monats-Kurs in der Haftanstalt Badeordnungen, Sicherheitsvorschriften und auch Erste Hilfe wie den Umgang mit einem Defibrillator lernen. In den ersten Wochen ging alles glatt: Keiner der Häftlinge versuchte, die Arbeit draußen am Strand zur Flucht zu nutzen. Der Tageslohn beträgt der Zeitung zufolge 50 Euro.

Die La Stampa zitierte einen der neuen Strandwärter, den 44 Jahre alten Antonio V., der mit 23 zum ersten Mal ins Gefängnis kam, mit den Worten: „Nach so vielen Jahren hinter Gittern fühlst du dich zum ersten Mal nützlich.“

Der Vorsitzende des Strandbäderverbandes Confirmprese Demaniali, Mauro della Valle, sagte dem Blatt: „Die Männer setzen ihr Leben für die Sicherheit der Badegäste aufs Spiel. Das ist eine sehr starke Wiedergutmachung.“ Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Verband, Gefängnisleitung und Behörden.

Projekt könnte schon bald ausgeweitet werden

In der Überlegung ist nun, die Idee auf andere Haftanstalten in Italien zu übertragen. In Apulien sind heute schon zwei Häftlinge als Bademeister in einer Ferienanlage am Swimmingpool im Einsatz. Grundsätzlich müssen an Italiens Stränden aus Sicherheitsgründen alle 150 Meter ein Bademeister oder Rettungsschwimmer zu finden sein. Das Mindestalter dafür ist 18 Jahre. Zudem sind mindestens 30 Stunden Ausbildung erforderlich.

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