© EPA/ANDREA MEROLA

Chronik Welt
11/13/2019

Hochwasser in Venedig: "Apokalyptische Zerstörung" der Stadt

Bereits 80 Prozent der Lagunenstadt stehen unter Wasser. Appell an Touristen: "Bleibt zu Hause".

 "Wir sind mit einer totalen, apokalyptischen Zerstörung konfrontiert und ich übertreibe nicht. 80 Prozent der Stadt ist unter Wasser. Die Schäden sind unvorstellbar und beängstigend", sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, in einem TV-Interview am Mittwoch.

Venedig beklagt bereits zwei Todesopfer, die Markusbasilika ist überschwemmt. Wegen des Wassers kam es in mehreren Teilen der Lagunenstadt zu Stromausfällen. Auch der Strand von Caorle in der Nähe von Venedig sei verwüstet, berichtete Zaia.

Er warnte vor einer weiteren Schlechtwetter-Front, womit sich die Lage in der Lagunenstadt weiter verschlimmern könnte.

"Venedig in die Knie gezwungen"

Die Gemeinderätin Paola Marra richtete einen Appell an alle Touristen: "Bleibt zu Hause. Kommt nicht aus Neugierde in die Stadt. Venedig ist in die Knie gezwungen."

In der Stadt herrschte am Mittwoch eine fast gespenstische Ruhe. Nur ein Teil der Vaporetti verkehrte in der Lagunenstadt. Wenige Einwohner und Touristen waren auf den überschwemmten Straßen zu sehen. Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, sprach von gravierenden Schäden in der Stadt.

Angesichts des Rekord-Hochwassers in Venedig will Brugnaro am Mittwoch den Notstand ausrufen, wie er am späten Dienstagabend in einem Video auf Facebook ankündigte. Brugnaro sprach von einer "Katastrophe" und mobilisierte alle Einsatzkräfte.

"Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein", sagte er in dem Video. Um kurz vor Mitternacht stieg das Wasser - angetrieben durch starken Wind - auf 187 Zentimeter über dem normale Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden, teilte die Kommune mit. Danach sollte das Wasser wieder etwas sinken.

Hilferuf

Am Mittwoch setzte Brugnaro einen Hilferuf auf Twitter ab: "Wir brauchen Hilfe, um diese schwierigen Tage zu bewältigen." Die Regierung in Rom erklärte sich bereit, die Stadt finanziell zu unterstützen. Der frühere EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani gab bekannt, er wolle die EU um Unterstützung bitten: "Wir prüfen nach Möglichkeiten, um dem schwer betroffenen Raum von Venedig aktiv unter die Arme zu greifen."

Bürgermeister macht Klimawandel verantwortlich

Der Bürgermeister der Lagunenstadt machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich.

Der Markusplatz in der UNESCO-Welterbestadt war vollkommen überflutet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend stieg das Wasser auf mehr als einen Meter.

Wasser im Markusdom

Nur noch die Polizei fuhr mit Booten über den Platz. Auch in den Markusdom drang das Wasser ein. Es habe unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien. "Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten", sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der Nachrichtenagentur ANSA.

Gefährdet seien die Mosaiken, die Marmorböden und die Holzstrukturen, die die Basilika schmücken. Wertvolle Gegenstände aus der Basilika wurden in Sicherheit gebracht.

Es ist das sechste Mal in der fast tausendjährigen Geschichte des Markusdom, dass Wasser in die Basilika eindrang. Vier Mal wurde der Dom in den vergangenen 20 Jahren überflutet, zuletzt im Oktober des Vorjahres.

Wegen der außergewöhnlich hohen Wasserstände wurden in der Lagunenstadt Kindergärten und Volksschulen geschlossen, teilte die Stadt mit. Am Mittwoch ist kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen Regen angesagt.

 

Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser heimgesucht, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Die Stadt will seit langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt.

Update: Zwei Todesopfer in Folge des Hochwassers

Ein 78-jähriger Pensionist starb an einem Stromschlag, da Wasser in seine Wohnung auf der Insel Pellestrina in der Lagune eingedrungen war und einen Kurzschluss ausgelöst hatte, berichtete die Tageszeitung "Il Gazzettino".

Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier wurde allerdings nicht ausgeschlossen, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Stromausfälle wurden in mehreren Teilen Venedigs gemeldet, auch bei den Telekommunikationsverbindungen kam es zu erheblichen Problemen. Schulen und Kindergärten wurden am Mittwoch geschlossen.

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