Im April demonstrierten Schüler für ihre Lehrer

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Chronik Welt
12/17/2019

Gute Pisa-Ergebnisse sind in Polen nicht mehr erwünscht

Regierung in Warschau kippte die neue Mittelschule. Lehrer sind unzufrieden, die Schüler noch überdurchschnittlich gut.

von Jens Mattern

Überdurchschnittlich gut schnitten Polens Schüler in der jüngsten PISA-Studie ab, doch der Jubel bleibt aus. Denn die Ergebnisse von 2018 sind Früchte des alten Schulsystems, das die nationalkonservative Regierung wieder abgeschafft hat.

In Europa nehmen die polnischen Eleven Platz Nummer drei in Mathematik und Naturwissenschaften ein, im Lesen liegen sie auf dem vierten Platz. Dies sind die Ergebnisse der 15-jährigen Schüler der Mittelschule, die auf polnisch „Gymnasium“ heißt, und mit diesem Schuljahr aufgelöst wurde.

„Ein Leid, das tausenden von polnischen Kindern zugefügt wurde“, sei die Reform der Partei „Recht und Gerechtigkeit“, (PiS) meinte Slawomir Broniarz, der Chef der Lehrergewerkschaft ZNP, die sich erfolglos gegen die Veränderung gestemmt hatte. Die PiS beschloss bereits 2015 das Gymnasium (7. bis 9. Klasse), das für alle Schüler obligatorisch war, aufzulösen, um zum alten zweigliedrigen Schulsystem zurückzukehren, das bis 1999 gegolten hatte – acht Jahre Grundschule und danach Berufsschule oder Lyzeum.

Als Argument gegen die gemeinsame Mittelschule führte die PiS Fälle von Drogenhandel und Mobbing an einigen Schulen an.

Der Minister für „Kultur und nationales Erbe“, Piotr Glinski, will Schülern einen „Kultur-Code“ einimpfen und aus „Individualisten Mitglieder einer nationalen Gemeinschaft“ formen.

Die Mittelschule mit unterschiedlichen Profilen wurde 1999 von der damaligen konservativ-liberalen Regierung zur Förderung der Kinder auf dem Land eingeführt. Die Lehrergewerkschaft weist nach, dass kein Land der OSZE-Länder seit 2000, seit dem Beginn der PISA Studien, so eklatant aufgeholt habe wie Polen. Vor allem die schwächeren Schüler hätten sich um 41 Prozent gesteigert.

Beunruhigend sei jedoch, dass in Polen 26 Prozent der Schüler Mobbing oder Gewalt erleben – und rund 20 Prozent dies nicht für verurteilenswert halten. In Österreich sind es nur zehn Prozent.

Das Jahr 2019 war ein schweres für die Schüler in Polen. Zum einen trafen zwei Jahrgänge, die Abgänger der verlängerten Grundschule und der letzte der noch bestehenden Gymnasien im September auf die Lyzeen und Berufsschulen, die nicht die entsprechenden Kapazitäten hatten. Zudem sorgte ein Lehrerstreik im Frühjahr für Panik unter den Schülern, die vor wichtigen Abschlussprüfungen standen.

Die Lehrer verlangen derzeit 5000 PLN brutto (1168 Euro) als höchste Gehaltsstufe, derzeit bekommen sie 3800 PLN (888 Euro) brutto.

Die PiS hat Gehaltserhöhungen nur dem Personal im Gesundheitswesen zugestanden. Darum machen Polens Lehrer derzeit „italienischen Protest“ – also nur das Nötigste. Für das neue Jahr kündigen sie Streiks

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