© APA/AFP/POOL/CHRIS JACKSON

Chronik Welt
07/17/2020

Großbritannien: Ritterschlag für den Spendensammler

Die Queen unterbrach ihre Quarantäne und ehrte den 100-jährigen britischen Corona-Helden "Captain Tom".

von Susanne Bobek

Es war der erste öffentliche Termin der 94-jährigen Queen seit Beginn der Corona-Krise. Und „der schönste Tag“ im Leben des britischen Nationalhelden und Kriegsveteranen Captain Tom. Er wurde am Freitag von Elizabeth II. persönlich vor Schloss Windsor zum Ritter geschlagen. Zum Knight Bachelor, weil er „das ganze Land inspiriert“.

Dank nach Hüftoperation

Der rüstige 100-jährige Sir Thomas Moore hatte nach einer Hüftoperation und Hautkrebsbehandlung am 6. April beschlossen, bis zu seinem 100. Geburtstag am 30. April hundert Mal mit seinem Rollator seinen 25 Meter langen Garten in der Nähe von Cambridge abzuschreiten und dafür Spenden für den nationalen Gesundheitsdienst NHS einzusammeln. Er hoffte, auf diese Art 1.000 Pfund zusammenzubekommen. Doch die Aktion fand derart viel Zuspruch, dass Moore immer weiter durch seinen Garten wanderte und bis zum 20. Mai 33 Millionen Pfund (knapp 38 Mio. Euro) gesammelt hatte.

Leuchtfeuer im Nebel

Der Senior wurde heuer zum Ehren-Oberst, also zum Colonel, ernannt. An seinem Geburtstag überflogen zwei Jagdflieger der Royal Air Force sein Haus in der Grafschaft Bedfordshire. Und aus aller Welt bekam er 140.000 Glückwunschkarten.

Der stets tadellos gekleidete Brite wurde auf Vorschlag von Premier Boris Johnson in den Adelsstand erhoben. Er sei „ein Leuchtfeuer im Nebel des Coronavirus“. Auch die Opposition dankte ihm. Er habe gezeigt, „dass jeder seinen Beitrag zum Aufbau einer besseren Zukunft leisten kann“, sagte Labour-Chef Keir Starmer.

Captain Tom schaffte es als größter Spendensammler ins Guinnessbuch der Rekorde. Außerdem stürmte er mit seiner Version von „You’ll Never Walk Alone“ in die Charts. Mit dem Sänger Michael Ball und dem Chor des britischen Gesundheitsdienstes NHS landete er einen Nummer-1-Hit. Das, so sagte der Sir, habe seinen Enkelkindern am meisten imponiert.

Nach dem Trost-Spender in Corona-Zeiten wurde inzwischen ein Hochgeschwindigkeitszug getauft. Der Cricket-Fan erhielt auch eine Einladung zu einem Treffen mit der englischen Cricket-Mannschaft.

Im Krieg in Indien

Sir Thomas Moore war während des Zweiten Weltkriegs in Bombay und Kalkutta Motorrad-Fahrlehrer für sein Regiment. Nach dem Krieg wurde er Geschäftsführer einer Betonfirma, seit 2006 ist er verwitwet und wird von seinen zwei Töchtern betreut.

Vor der Zeremonie hatte Captain Tom gewitzelt, dass er hoffe, die Queen könne das Schwert ihres Vaters König Georg richtig führen. Natürlich konnte sie und Sir Thomas Moore war ob der hohen Ehre den Tränen nahe. Die Queen schien in bester Laune.

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