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Chronik Welt
09/01/2019

Greta kontert: "Anderssein ist eine Superkraft"

Weil sie das Asperger-Syndrom hat, wird die junge Klimaaktivistin immer wieder Opfer von Anfeindungen und Untergriffen im Netz. Sie kontert souverän.

Wohl auch wegen der vielen Shitstorms gegen sich, ist die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg als Leitfigur der Bewegung "Fridays for Future" dermaßen bekannt geworden. Zuletzt beschimpfte sie Andreas Kalbitz, seines Zeichens AfD-Spitzenkandidat für den Landtag des deutschen Bundeslandes Brandenburg als "zopfgesichtiges Mondgesicht-Mädchen". Hochrangige französische Politiker bezeichneten sie als "Guru der Apokalypse", der die Gefühle ihrer Anhänger manipuliere. Und während ihres Segeltörns - der zumindest ein PR-Erfolg war - kursierten besonders krude Verschwörungstheorien auf Social Media, dass hinter Thunberg eine jüdische Weltverschwörung stehe.

Noch häufiger wird die junge Aktivistin aber deshalb verbal attackiert, weil sie eine Entwicklungsstörung hat - das Asperger Syndrom - und offen damit umgeht. Auf die Welle des Hasses hat sie nun ein weiteres Mal eindrucksvoll via Facebook reagiert: "Ich habe Asperger und das bedeutet, dass ich manchmal ein wenig anders bin als die Norm." Asperger sei keine Krankheit und schon gar nichts Negatives, betonte Thunberg und stellte fest: "Anderssein ist eine Superkraft."

Das Asperger-Syndrom ist eine Entwicklungsstörung, die sich unter anderem durch Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion und die Ausbildung intensiver Spezialinteressen äußert. Asperger-Autisten sind oft sehr intelligente Menschen. Thunberg selbst sagte vor kurzem in einer Dokumentation, ohne die Erkrankung hätte sie den "Schulstreik für's Klima" wohl nie begonnen und sich womöglich überhaupt nicht für die Gefahren der Klimaerwärmung interessiert.

Sinn in sinnloser Welt gefunden

"Wenn Hasser Dich wegen Deines Aussehens und Deines Andersseins angreifen, bedeutet das, dass ihnen sonst nichts mehr bleibt. Und dann weißt Du, dass Du gewinnst!", schrieb Thunberg weiter.

Früher habe ihre Diagnose sie eingeschränkt, erinnert sich Thunberg. Vor ihrem Schulstreik habe sie keine Energie und keine Freunde gehabt und kaum jemandem gesprochen. "Ich saß allein zu Hause, mit einer Essstörung." Doch diese Zeit sei jetzt vorbei. "Ich habe einen Sinn in einer Welt gefunden, die so vielen Menschen manchmal sinnlos erscheint."