Pechtag im Check: Warum wir Freitag, den 13. fürchten

Die Mär vom Unglückstag ist jünger, als viele glauben. Eine kleine Kulturgeschichte eines Datums, das eher von Erzählungen und menschlichen Denkmustern lebt als von Beweisen.
Das letzte Abendmahl, Wandgemälde von Leonardo da Vinci

Der 12. März war ein Tag wie jeder andere. Der 14. wird ebenso einer sein. Der 13. hat, ob der Tatsache, dass er auf einen Freitag fällt, fast schon eine Art Persönlichkeit, einen schlechten Ruf, der ihm vorauseilt. 

Denn Freitag, der 13. gilt gemeinhin als Unglückstag. Ein Datum, das selbst überzeugte Rationalisten zumindest kurz innehalten lässt. Die Statistiken bleiben davon zwar weitgehend unbeeindruckt. Doch Zahlen haben es bekanntlich schwer gegen Geschichten. Und jene von Freitag, dem 13. ist eine besonders gute.

Nur ist diese Geschichte gar nicht so alt, wie man vermuten könnte. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts tauchte der ominöse "Freitag, der 13.“ häufiger in Zeitungsberichten auf.

Der große Pechtag ist, kulturhistorisch betrachtet, also ein erstaunlich modernes Produkt, dessen Entstehung irgendwo zwischen Mediengeschichte, Volksglauben und der menschlichen Neigung, aus Zufällen möglichst bedeutungsvolle Muster zu stricken, verortet werden kann.

Ein schlechter Tag für gute Vorhaben

Der zweifelhafte Ruf des Freitags selbst reicht indes deutlich weiter zurück und hat seinen Ursprung im religiösen Denken. Nach christlicher Überlieferung wurde Jesus an einem Freitag gekreuzigt. Der daraus entstandene Karfreitag zählt bis heute zu den strengsten Fasttagen des Kirchenjahres. 

Kein Wunder also, dass der Freitag lange als kein besonders glückverheißender Tag für neue Vorhaben galt - lange bevor er seine berüchtigte Liaison mit der 13 einging. "Was freitags wird begonnen, hat nie ein gut’ End’ genommen“, lautet ein altes Sprichwort.

Ganz anders sahen das übrigens die Wikinger. Bei ihnen war der Freitag ein Glückstag, benannt nach Frigg, der Gemahlin des Göttervaters Odin.

Die Sache mit der 13

Auch die Zahl 13 trägt einiges an kulturellem Ballast mit sich. Die Zwölf gilt seit jeher als Zahl der Ordnung und Vollkommenheit: zwölf Monate im Jahr, zweimal zwölf Stunden am Tag. Mit der 13 gerät diese Harmonie aus dem Takt. 

Beim letzten Abendmahl etwa war Judas der 13. Teilnehmer am Tisch. Im grimmschen Märchen "Dornröschen" ist es die 13. Fee, die das Unheil bringt. 

JOHN COLLIER - THE SLEEPING BEAUTY, 1921

Ölgemälde "The Sleeping Beauty" von John Collier aus dem Jahr 1921.

Im Paris der Jahrhundertwende entwickelte sich daraus sogar ein eigener Beruf. Wer bei einer Tischgesellschaft 13 Gäste hatte, konnte einen sogenannten "Quatorzième“ engagieren - einen professionellen vierzehnten Gast, der die heikle Zahl entschärfen sollte.

Ganz verschwunden ist dieser Aberglaube bis heute nicht. In manchen Hotels folgt auf Zimmer 12 direkt Zimmer 14. In Flugzeugen vieler Airlines - auch bei der AUA - sucht man die Sitzreihe 13 vergeblich.

Wenn diese bedeutungsschwangere Zahl nun auch noch auf einen Freitag trifft, ist das Unglücksdatum perfekt. Allerdings längst nicht überall auf der Welt. In Spanien und Argentinien gilt Dienstag, der 13., als Unglückstag. In Italien fürchtet man Freitag, den 17. In China wiederum meidet man die Zahl Vier, weil sie ähnlich klingt wie das Wort für Tod. Im Judentum gilt die 13 sogar als Glückszahl.

Was die Zahlen sagen

Wer sich auf Statistiken verlässt, hat wenig Grund zur Sorge. Die meisten Untersuchungen finden keine Hinweise darauf, dass Freitag, der 13. gefährlicher wäre als andere Tage. Freitage sind generell etwas unfallträchtiger als andere Wochentage, schlicht, weil mehr Verkehr auf den Straßen herrscht: Pendler, Wochenendfahrer und Ausflügler sind unterwegs.

Ganz einheitlich sind die Zahlen allerdings nicht. Eine Zehnjahresanalyse der Wiener Städtischen Versicherung brachte unlängst ein kleines statistisches Kuriosum ans Licht: An Freitagen, die auf einen 13. fallen, werden im Schnitt tatsächlich etwas mehr Kfz-Schäden gemeldet als an gewöhnlichen Freitagen - rund zehn Prozent mehr.

Die Erklärung dafür ist allerdings deutlich prosaischer als jeder Aberglaube. Vorstandsdirektorin Doris Wendler verweist darauf, dass viele dieser Tage in Monate mit ohnehin höherer Unfallhäufigkeit fallen, etwa in den Winter oder in die Reisezeit im Sommer.

Karriere eines Datums

Ganz verschwunden ist der Mythos dennoch nie. Immer wieder wird das Datum mit spektakulären Ereignissen in Verbindung gebracht. Als am Freitag, dem 13. Mai 1927, an der Berliner Börse ein massiver Kurseinbruch stattfand, sprach man vom "Schwarzen Freitag“. Auch andere historische Ereignisse werden im Nachhinein gerne mit dem Datum verknüpft, etwa die Verhaftung der Templer am Freitag, dem 13. Oktober 1307.

Verbrennung von Templern auf dem Scheiterhaufen. Anonyme Chronik des 14. Jh., Bibliothèque Municipale, Besançon

Verbrennung von Templern auf dem Scheiterhaufen.

Und manchmal drängt sich das Datum der Gegenwart geradezu auf. Als Terroristen am Freitag, dem 13. November 2015, in Paris Anschläge verübten, bekam der Unglückstag weltweite Aufmerksamkeit.

Solche Ereignisse erklären den Mythos zwar nicht, aber sie halten ihn am Leben. Jede Geschichte, die zufällig auf dieses Datum fällt, wirkt im Rückblick wie eine Bestätigung des alten Aberglaubens.

Der Sinn hinter dem Aberglauben

Der Reiz solcher Unglückstage liegt weniger in der Statistik als im menschlichen Denken. Der Risikoforscher Hans Müller-Peters erklärt gegenüber der Tagessschau, dass Menschen dazu neigen, Risiken anhand von Vorstellungen und Geschichten einzuschätzen, statt anhand abstrakter Wahrscheinlichkeiten.

Ähnlich beschreibt es die Kulturwissenschaftlerin Karin Bürkert. Menschen würden ständig versuchen, Sinn in Ereignissen zu erkennen. Aberglaube könne dabei helfen, diffuse Ängste zu ordnen und ihnen eine scheinbar klare Ursache zu geben. Ein Missgeschick bekommt so plötzlich eine Erklärung: "Heute ist ja Freitag, der 13.“

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Wirkung dieses Datums. Es verändert nicht die Wirklichkeit, nur kurz den Blick auf sie. Die Welt funktioniert an diesem Tag genauso wie an allen anderen. Autos fahren, Börsen schwanken, Kaffee kippt gelegentlich über Tastaturen. 

Die meisten glauben zwar nicht wirklich an den Unglückstag. Aber unnötig herausfordern muss man das Schicksal ja auch nicht, oder? Und wenn doch etwas passiert, steht der Schuldige immerhin schon fest.

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