Folgen der Abwanderung in Ostdeutschland: Auf der gefühlten Verlierer-Seite

Folgen der Abwanderung in Ostdeutschland: Auf der gefühlten Verlierer-Seite
Nach der Wende zogen Junge, Frauen und gut Ausgebildete fort. Das wirkt bis heute nach.

Die Menschen haben das Land verlassen, noch bevor die Mauer stand; und hörten damit nicht auf, nachdem sie gefallen ist: Allein in den zwei Jahren nach dem Mauerfall waren es 400.000 Menschen, die auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben fortgezogen sind. Dabei sollte es nicht bleiben.

Zwischen 2000 und 2005 gingen noch einmal viele junge und gut ausgebildete Menschen – häufiger Frauen – Richtung Westen. "Es ist die erste Generation, die im vereinten Deutschland ausgebildet wurde. Für sie war es einfach, in den westdeutschen Arbeitsmarkt einzusteigen. Er ist für sie attraktiver, weil er dienstleistungsorientierter ist und Frauen häufig diese Berufe wählen", erklärt die Soziologin Katja Salomo. Nicht viele wären zurückgekommen – Frauen seltener als Männer.

Die Soziologin, 33 Jahre, stammt aus Sachsen und weiß, wovon sie spricht. Für das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) untersuchte sie den Einfluss von Abwanderung, Alterung und Frauenschwund in der Gesellschaft – am Beispiel Thüringen. Was Salomo herausfand: Der Frauenmangel wirkt sich auf das Gesamtbild in Dörfern und Kleinstädten aus. Frauen fehlen als Netzwerkerinnen und Partnerinnen, die für den sozialen Zusammenhalt sorgen. Es gibt weniger Kinder, Jugendliche und Familien, dafür ältere Menschen und alleinstehende Männer. Was oft weitere Abwanderung am Land und sinkende Kaufkraft mit sich zieht. Der Bäcker und die Post schließen, Vereine lösen sich auf – insgesamt leidet die ganze Infrastruktur, erklärt sie.

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